Kapitel 30

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Hallo. Ich melde mich auch mal wieder. In den letzten Wochen ist bei mir so viel gelaufen, dass ich fast gar nicht zum Schreiben kam. Dazu kommt noch, dass ich eine Zeit lang eine Schreibblockade hatte. Bitte erwartet nicht zu viel. Ich werde auch in der nächsten Zeit nicht viel hochladen können, aber ich versuche es und jetzt viel Spass beim lesen.


Pov Elina

Jemand rüttelt fest an meiner Schulter. Murrend dreh ich mich zur Seite, um weiterzuschlafen. Das Rütteln hat aufgehört, doch plötzlich reisst mir jemand meine Decke weg und die Kälte bricht auf mich ein. Wer auch immer das ist, der kann was erleben. Mich zu wecken, wenn wir freihaben. Der kann was erwarten. Langsam setze ich mich auf und strecke mich erstmals. Als ich meine Augen öffne, steht niemand anders als Marie vor mir. Mit einem Todesblick strecke ich meine Hände zu meiner Decke. Doch sie schüttelt einfach den Kopf.

 «Boa Marie. Ich will schlafen, also lass mich» Grinsend legt sie die Decke aus meiner Reichweite ab und dreht sich wieder zu mir. «Heute kommt mein Vater nachhause, also steh auf. Louise will nicht, dass mein Vater sieht, dass wir die ganze Arbeit machen.» Ich quäle mich von meinem Bett Richtung Schrank, aus dem ich mir, was Gemütliches zum Anziehen nehme. Ich ziehe mich schnell um und folge dann Marie nach unten in die Küche. Kaum sind wir fertig mit dem Frühstück hören, wir wie jemand die Haustür aufschliesst.

Freudig geht Marie vor, während ich ihr immer noch im Halbschlaf hinterher torkle. Das Bild, was ich vor mir sehe, stimmt gar nicht mit dem überein, was ich bis jetzt gesehen habe jeden Tag. Louise und Tatjana umarmen freudestrahlend einen Mann, der so etwa um die dreissig ist. Mehr kann ich noch nicht erkennen. Was ich aber genau sehe, ist wie nebendran Marie traurig auf den Boden blickt und mit ihren Fingern spielt. Ich huste einmal und erst jetzt scheint Maries Vater seine andere Tochter zu bemerken. Er löst sich von dem Mutter-Tochter Gespann und zieht Marie in seine Arme. Sie lächelt mich dankbar über seine Schulter an. Als sich auch die beiden lösen, dreht er sich um und scheint mich erst jetzt zu bemerken. Ich gehe auf ihn zu und halte ihm meine Hand hin. Freundlich lächeln schüttelt er sie.

 «Es ist schön Sie kennenzulernen. Ich bin Elina» leiere ich die übliche Floskel runter. «Freut mich auch sehr. Ich bin George. Du kannst mich ruhig duzen. Ich hoffe, du konntest dich schon etwas einleben.» Ich versuche so wenig gezwungen wie möglich zu lächeln, was eigentlich ganz gut funktioniert. Marie scheint nicht sehr viel von ihrem Vater zu haben, bis auf die braunen Augen. Louise scheint dieses Gefasel zu langzugehen, weshalb sie die Führung übernimmt und zerrt ihren Mann fast schon zum Frühstücksraum. Der restliche Tag verläuft sehr ruhig, da Louise und Tatjana nur an George kleben und so keine Zeit finden Marie und mich herumzukommandieren. Das Abendessen hatte Louise sogar selber gekocht, weshalb wir keinen Finger krümmen mussten. Ich will mich hinlegen, aber merke, dass ich ziemlich Durst habe, weshalb ich nochmal runtergehe.

Ich laufe Richtung Küche, um mir ein Glas Wasser zu holen, als ich meinen Namen höre. Weitere Geräusche kommen aus dem Wohnzimmer. Vorsichtig öffne ich die Tür und entdecke Maries Vater. In seiner Hand hält er ein Glas Wein. „Oh hallo Elina. Gut das du gerade kommst. Ich hätte eine Frage an dich. Komm doch bitte mal her" Vorsichtig setze ich mich neben ihn auf die Couch. „Weisst du vielleicht, was mit Marie los ist? Sie war früher ein so aufgewecktes Kind, hat schnell Freunde gefunden und hatte nie Angst jemanden neues anzusprechen, doch sie verhält sich schon seit einiger Zeit immer ruhiger, spricht sehr wenig und scheint im Allgemeinen sehr eingeschüchtert" hoffnungsvoll sieht er mich an

„Ich glaube ich weiss, wieso ihre Tochter so ist, doch bevor ich ihnen das sage habe ich eine Frage. Wie oft sind sie pro Jahr zu Hause?" seufzend meint er „Viel zu selten, jedoch verlangt meine Arbeit es so und leider kann ich nichts daran ändern." „Das erklärt so einiges. Haben sie einmal bemerkt wie sauber es hier ist und dass, obwohl sie keine Angestellte haben?" Er will antworten, doch ich rede einfach weiter. „Es ist nicht, sodass ihre Frau das macht. Nein. Bevor ich gekommen bin, musste Marie das gesamte Haus alleine putzen. Sie musste kochen und konnte sich nie wirklich entfalten als Teenager. Immer musste sie arbeiten, während andere in ihrem Alter Party machen und ihre einzigen Sorgen der Kater am nächsten Tag sind. Ihre Frau und ihre andere Tochter haben ihre eingeredet, dass sie es nicht wert ist geliebt zu werden, weshalb sie die ganze Arbeit verrichten muss" Unglaublich geschockt sieht mich George an. Er beginnt etwas vor sich hinzumurmeln. „Ich hätte es wissen müssen. Sie war damals so eifersüchtig auf sie." Jetzt bin ich vollkommen verwirrt. „Bitte, wer war auf wen eifersüchtig?" George schaut sich zweimal um, wie als er Angst hätte, jemand würde zuhören. „Hör mir zu, bevor ich dir das erzähle, will ich, dass du das gegenüber keinem auch nur ein Wort erwähnst. Ok?" bestätigend nicke ich.

„Weisst du, vor etwas mehr als sechzehn Jahren lernte ich jemanden kennen. Maries Mutter, Isabelle. Sie war eine Arbeitskollegin von mir und sie hatte mich vom ersten Moment an verzaubert. Mit ihrer so sanftmütigen und lebensfreudiger Art hatte sie mich innerhalb von Minuten verzaubert. Meine Eltern hatten jedoch andere Pläne. Mit achtzehn hatte ich die Leitung ihrer Firma übernommen und meine Eltern verlangten von mir eine Frau zu heiraten, die das Ansehen der Firma weiter steigen lassen würde. In diesem Moment war Isabelle schon schwanger. Wir wussten nicht, was wir tun sollten und Isabelle hatte Panik, da sie Angst hatte, dass man von ihr verlangen würde abzutreiben. Darauf verschwand sie für Monate. Ich hatte Angst, dass ihr etwas passiert war. Kurz nach ihrem Verschwinden musste ich Louise heiraten, sonst hätten meine Eltern mich enterbt und ich wurde mein ganzes Leben auf die Rolle des Geschäftsleiters der Firma meiner Eltern ausgebildet. Ich war neunzehn und mit meiner, wie soll ich sagen, "speziellen" Ausbildung hätte ich nirgendwo anders einen Job bekommen und so musste ich Louise heiraten. Sie wurde schwanger von mir, jedoch konnte ich Isabelle nicht vergessen. Als Louise etwa zwei Wochen vor der Geburt stand, klingelte es an der Tür. Ich ging hin und konnte noch hören, wie ein Auto wegfuhr.

Vor der Tür stand ein Korb und in diesem schlief mein kleiner Engel seelenruhig. Ich war geschockt, aber beschloss schnell, die Kleine zuerst einmal reinzunehmen. In dem Korb waren zwei Briefe enthalten. Indem der für mich adressiert war, stand drin das Maries Mutter nicht für sie Sorgen konnte. Sie hat ihren Job in der Firma verloren da sie nicht mehr aufgetaucht ist und hatte Schwierigkeiten einen Neuen zu finden. Schweren Herzens hat sie dann die Entscheidung getroffen, Marie zu mir zugeben, damit ich mich um sie kümmere. Sie hätte nicht gewollt von meinem Geld abhängig zu sein und mich und Louise nur in Zeitschriften zusehen habe sie schon genug zerstört. Sie wollte, dass Marie ein schönes Leben haben soll und nicht sich Sorgen darum machen, ob das Geld reiche. Der andere Brief ist an Marie adressiert, falls sie jemals ernsthaft nach ihrer Mutter suchen und sie kennenlernen möchte. Ich bereue es heute noch nicht besser nach ihr gesucht zu haben. Louise war natürlich fuchsteufelswild als ich ihr die Situation erklärte. Meinen Eltern habe ich damals nichts erzählt, da ihnen noch die Firma gehörte und nicht mir. Nach langen Gesprächen und auch grossen Streiten darüber ob Marie hier bleiben soll oder in ein Waisenhaus, ein Vorschlag von Louise, entschied ich über Louises Kopf hinweg das Marie bleiben würde. Kurz darauf kam Tatjana zur Welt. Ich bestach ein paar Ärzte und Krankenschwestern, dass sie das Protokoll umändern würden, dass nicht ein Baby zur Welt gekommen sei, sondern zwei. Das sich Marie hinter Tatjana versteckt hat. In all den Jahren habe ich immer irgendwelche Ausreden genutzt, damit meine Eltern nicht Marie treffen, da sie schnell gemerkt hätten, dass sie nicht von Louise ist. Sie hat so viel von ihrer Mutter." Wehmütig starrt er ins Leere.

 „Louise scheint es mir bis heute nicht verziehen zu haben und lässt diese ganze Wut an Marie aus. Ich werde mit ihr reden, dass, das aufhören muss." Verstört lasse ich die Informationen, die wie ein Schwall auf mich einzubrechen schienen, auf mich wirken. Ach du heilige, na das ist mal ne Story. Seufzend lehne ich mich zurück. „Wenn sie mit ihrer Frau jetzt reden, wird absolut rein gar nichts nützen. Es wird wohl einfach noch mehr ihren Zorn gegenüber Marie schüren. Sollte sie aber aufhören Marie zu schikanieren, was ich übrigens stark bezweifele, wäre es trotzdem zu spät. Wenn man sich Jahre lang jeden Tag anhören muss, dass man es nicht wert ist geliebt zu werden oder einen Freund zuhaben, jemanden nicht aus der Familie, der einen aufrichtig liebt, dann beginnt man auch langsam daran zu glauben. Dazu kommt noch, dass Marie, wie ihre Mutter sehr sanftmütig und von sehr zartem Gemüt ist, sie diese Schikane womöglich noch schlimmer getroffen hat, als man jetzt denkt." Verzweifelt blickt er mich an.

 „Was soll ich dann tun?" Die Verzweiflung spricht vollkommen aus ihm. „Das müssen sie sich selbst fragen. Ich bin eine Aussenstehende, siebzehnjährige, die noch gar keine Ahnung von der Welt hat. Also tut es mir leid, dabei kann ich Ihnen nicht helfen. Einen Tipp hätte ich aber : Sprechen sie mit ihren Eltern. Die Firma gehört ja jetzt Ihnen, das wird jetzt nix mehr mit enterben" vorsichtig lächle ich ihn an. Ich stehe auf und verlasse das Wohnzimmer. Betäubt gehe ich in mein Zimmer und lasse mich auf das Bett fallen. Das war mal was. Das komischste ist ja, dass er mir das einfach erzählt hat, obwohl wir uns nicht mal einen Tag kennen. In was für einer Welt aus Geheimnissen bin ich hier bitte gelandet.

A new Cinderella StoryGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt