Kommentare? Is for me?
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Ich schrecke zusammen, als jemand sich auf dem Stuhl mir gegenüber fallen lässt und dabei einen Lärm verursacht, der in einer Bibliothek nicht gerade wünschenswert ist. „Jesus Christ", zische ich, als ich Quinn erkenne.
„Sorry", murmelt er ohne die Lippen zu bewegen. Sein Blick ist verschattet, seine Haare sind feucht und er sieht aus, als hätte er keine Stunde geschlafen. Mit der einen Hand greift er blindlings nach unten und fischt für ein paar Sekunden in der Luft, bevor er die Augen schließt und die Schultern fallen lasst. „Fuck."
„Was ist los?"
„Hab mein Schulzeug vergessen. Liegt bestimmt noch zuhause." Seine Stimme ist wesentlich leiser als sonst, was ein krasser Kontrast zu seinem Auftritt vor wenigen Sekunden war. Er holt die Hand wieder hervor und legt sie auf den Tisch, bevor er den Kopf darauf bettet.
„Warum kommst du erst jetzt?", frage ich mit zusammengezogenen Augenbrauen. „Verschlafen kannst du kaum haben, oder?"
Quinn öffnet ein Auge, der dunkle Schatten darunter wie eine stumme Antwort. „Wurde aufgehalten", murrt er, bevor er das Auge wieder schließt. „Wo ist Avery?"
Ich zucke mit den Schultern, auch wenn er das nicht sehen kann. „In irgendeinem Handarbeitsraum. Sie hat gesagt, sie muss noch was fertigstellen, dann kommt sie her."
Statt zu antworten, brummt er nur.
Ich werfe Quinn einen zweifelnden Blick zu, bevor ich mich wieder meiner Lektüre widme. Es ist ein viel zu dickes Buch über Sportgeschichte. Meine eigene Wahl war es nicht, aber Zoe und Avery haben mir die Ehre überlassen, mehr über erfolgreiche Sportlehrinnen im Eishockey herauszufinden, also nehme ich diese Aufgabe sehr ernst. Immerhin geht es letztendlich darum, Gould für mich zu überzeugen und Zoe und Avery müssten mir nicht helfen. Ein Lächeln schleicht sich auf meine Lippen, als ich daran danke, wie sehr sich die beiden schon bemüht haben, obwohl ich meine Interaktionen mit Zoe an einer Hand abzählen kann.
Als ich einen tiefen Atemzug nehme, stocke ich. „Riechst du das auch?", frage ich leise, bevor ich noch einen Zug nehme. Ein kaum zu merkender Geruch nach Moder und Kompost liegt in der Luft. Es erinnert mich an die Gartenabteilung des Baumarkts.
Quinn reißt den Kopf hoch. „Oh nein", sagt er. „Sag mir bitte, dass das ein Witz ist." Er hebt eine Achsel und riecht am Stoff seiner Jacke.
„Äh. Eigentlich nicht. Ich glaube auch kaum, dass du das bist", gebe ich zurück, aber ernte dafür nur einen panischen Blick.
„Ich –" Quinns Augen huschen umher, als würde er erwarten, von allen Seiten belauscht zu werden, dann seufzt er kaum hörbar. „Ich glaube doch, dass ich das bin", murmelt er mit rotem Gesicht.
„Warum würdest du nach Gartenerde riechen?", frage ich irritiert, was Quinn dazu veranlasst, noch dunkler zu werden und erneut die kaum besetzte Bibliothek mit den Augen abzusuchen.
Für den Bruchteil einer Sekunde werde seine Augen groß, dann verliert er jedweden Ausdruck in ihnen. „Ich hab gestern den Garten umgegraben", sagt er. „Neue Blumen gepflanzt, Gemüse und Büsche und sowas. Schätze, ich hab noch Erde an den Schuhen oder so." Seine Stimme hat die Müdigkeit darin verloren, stattdessen hat ein neutraler Ton ihn eingenommen, fast schon als würde er etwas sagen, dass er lange Zeit auswendig gelernt hat. „Tut mir leid."
„Schon okay", erwidere ich langsam. Zweifel kommen in mir auf. Das klang nicht so, als würde es der Wahrheit entsprechen, aber dann wiederrum weiß ich nicht, warum ich die Wahrheit von Quinn erwarte, wenn ich ihn kaum kenne und ich immer noch nicht ehrlich mit allen war. Niemand weiß von meiner Mom und wenn ich es verhindern kann, dann will ich nicht, dass es jemand erfährt. Auf mitleidige Blicke kann ich sehr gut verzichten.
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Everything (And Nothing) Has Changed
Teen FictionJeden Tag zweifelt Avery daran, ob sie in ihrem Leben nicht etwas falsch macht. Sie hat weder eine Ahnung wer sie ist, noch was sie nach der Schule anstellen will. Sie weiß nur, dass sie liebend gerne schneidert und absolut nicht für die schönen Aug...
