20. Brielle

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Its time to spiral

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Es passiert einen Tag vor Weihnachten. Die alltägliche Folter der Schule ist für das Jahr beendet und es bleibt nichts mehr zu tun, als Dekorationen aufzuhängen, Punsch zu trinken, übers Eis mit den Jungs zu laufen und Avery dämliche Memes zu schicken, die nur wir lustig finden. Ich habe gerade das Geschenk für meine Freundin fertig eingepackt (mit Quinns Hilfe habe ich ihr ein schickes Schnittmusterset aus dem Internet besorgt), als das Telefon klingelt.

Dad ist für ein paar letzte Besorgungen zum Supermarkt gefahren, damit wir die Feiertage auch genug zu Essen haben (er ist einer dieser Leute, die plötzlich viel zu viele Nahrungsmittel kaufen, weil sie denken, wir würden binnen drei Tagen genug für eine Woche verbrauchen), deswegen bin ich rangegangen.

„Hallo?", frage ich in den Hörer, den ich mir an die Schulter klemme, während ich in den Kühlschrank schaue. Irgendwo steht noch ein Joghurt, den ich vor dem Mittagessen verdrücken will.

„Guten Tag, hier ist das Grey Nuns Community Hosital in Edmonton. Mein Name ist Mary St. Germain, ich würde gerne mit Mr. Alistair Taylor sprechen."

Ich ziehe die Augenbrauen zusammen, das kühle Plastik des Joghurts in meiner Hand. Was will bitte ein Krankenhaus von meinem Dad? „Der ist nicht da, hier ist seine Tochter. Soll ich was ausrichten?"

„Seine Tochter?", fragt die Frau am Telefon mit einem überraschten Unterton. „Oh, dann sind Sie sicherlich auch die Tochter von Annabell Taylor, richtig?"

„Das ist meine Mutter, ja", erwidere ich mit unsteter Stimme. Ich habe es die letzten Wochen geschafft, nicht allzu viel an meine Mutter und ihren fehlenden Platz in der Weihnachtsvorbereitung zu denken, da kann ich es nicht gebrauchen, wenn irgendeine Krankenschwester anruft und mir von ihr erzählt. „Wer will das überhaupt wissen?"

„Miss Taylor, es tut mir wirklich leid, Ihnen das mitteilen zu müssen, aber Ihre Mutter Mrs. Annabell Taylor war in einen schwerwiegenden Autounfall verwickelt. Derzeit liegt die Patientin bei uns im Koma und ist im kritischen Zustand. Ihren Kontaktinformationen nach haben wir Mrs. Taylors Unfallkontakt angerufen, Ihren Ehemann."

„Ex-Mann", korrigiere ich säuerlich. Das sieht ihr ähnlich, dass sie ihre wichtigen Informationen nicht aktualisiert und uns in ihre Probleme zieht. „Was soll das heißen, kritischer Zustand?"

Mary St. Germain klingt irritiert, als sie antwortet: „Ihre Mutter hat schwerwiegende Verletzungen erlitten, als sie in den Unfall involviert wurde. Zu diesem Zeitpunkt können wir nicht sagen, ob und wann sie wieder aufwacht. Es tut mir wirklich leid."

Ich sollte etwas fühlen, als die Frau am Telefon das sagt, aber stattdessen bin ich gereizt. Verärgert. Was bildet sich Mom überhaupt ein? Sie sollte wissen, dass ich zu dieser Zeit nicht an sie denken will, sie sollte wissen, dass ich sauer auf sie bin und nicht einmal daran denken will, dass sie meine Mutter ist. Was fällt ihr ein, sich in einen Unfall verwickeln zu lassen, um jetzt auch noch unser Weihnachtsfest zu ruinieren? Es hat ihr wohl nicht gereicht, mich und Dad zum Umzug zu zwingen, nachdem sie unser Leben ruiniert hatte, sie musste noch einen draufsetzen.

Ich fühle mich verraten. Kalt und allein gelassen.

„Miss Taylor? Sind Sie noch in der Leitung?"

„Bin noch da", erwidere ich knapp. „Soll ich das meinem Dad ausrichten? Er kommt sicher gleich vom Einkaufen wieder, halbe Stunde oder so."

„Ich verstehe, dass das ein Schock für Sie ist und Sie nicht genau wissen, wohin mit Ihren Gefühlen", fängt Mary auf der anderen Seite an, aber kommt nicht weiter, denn ich unterbreche sie mit einem hohlen Lächeln.

Everything (And Nothing) Has ChangedWo Geschichten leben. Entdecke jetzt