10. Brielle

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Oh Girls, its happening, isnt it? eyeemoji

Kommentare oder Haare werden über Nacht nicht fachgerecht blondiert <3

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Es ist der Abend der Abende. Halloween.

Ich bin bereit dafür, die Zeit meines Lebens zu haben und, wenn es das Universum zulässt, die Hand eines hübschen Mädchens zu halten. Mehrmals habe ich kontrolliert, ob ich alles dabei habe, mehrmals hat man Dad mich daran erinnert, dass er mich um 24 Uhr abholen kommt und mehrmals habe ich nachgeschaut, ob ich wirklich den Weg zu Averys Haus schaffe. Als ich nun tatsächlich vor der Tür stehe und die Nerven sammle, kommt mir alles weit entfernt vor. Es ist, als würde ich aus weiter Ferne sehe, wie ich auf die Klingel drücke und dann warte, dass die Tür geöffnet wird.

Das Geräusch von näherkommenden Schritten im Haus bringt mich zurück in meinen Körper. Ich hole Luft und stähle mich auf den Anblick, aber nichts hätte mich auf Averys glänzende Augen vorbereiten können, als sie mir endlich gegenübersteht.

„Hi", sagt sie atemlos klingend. Ist sie zur Tür gerannt?

„Hi", erwidere ich lahm.

Avery sieht göttlich aus und das ist keine kitschige Metapher. Sie trägt etwas, das ich aus dem Geschichtsunterricht als Chiton in Erinnerung habe, ein sandfarbenes Gewand, das wie ein Kleid über ihrem Körper hängt und mit einem goldenen Gürtel aus Seil gebunden ist. Die Armlöcher sehen grob geschnitten aus, mit Fäden, die hier und da herausstechen, aber so wie ich Avery kenne, ist das wahrscheinlich absichtlich. Ihre schwarzen Locken sind buschig und breitgefächert, mit Glitzerspray versehen und glänzen im Licht der Straßenlaternen wie der sternenklare Nachthimmel. Eine Blätterkrone aus purem Gold – wahrscheinlich Sprühfarbe – sitzt auf ihrem Kopf und verleiht ihr ein noch aristokratischeres Aussehen. Mehrere goldenen Armreifen zieren ihre Handgelenke und ein glänzender Ring mit einem blauen Stein steckt an ihrer linken Hand.

Ich bin sprachlos und fühle mich in meinem eigenen Kostüm wesentlich underdressed. Hätte ich gewusst, dass Avery göttliche Waffen auspackt, hätte ich mir mehr Mühe gegeben. Neben Averys griechischer Göttin sehe ich in meinem Poison Ivy-Kostüm wie eine billige Topfpflanze aus. Zugegeben ist es aus dem Internet und die Qualität lässt zu wünschen übrig, aber immerhin erkennt man, was ich sein soll.

„Du siehst cool aus!", sagt Avery lächelnd. „Ich wusste gar nicht, dass du auch auf so Comic-Kram stehst."

„Nicht unbedingt", erwidere ich und kann meine Augen nicht von der freien Haut an Averys Schlüsselbein nehmen. „Aber ich mag Ivy. Sie war mein Bi-Erwachen."

„Wirklich?"

„Oh, absolut. Dieser Cartoon-Bösewicht hatte kein Recht darauf, so heiß zu sein, aber mein zehnjähriges Ich war sehr dankbar." Ich grinse, als sie mich mit großen Augen betrachtet. „Was, willst du mir sagen, du hattest etwa keinen Oh mein Gott-Moment, als du jünger warst? Keine Scarlett Johansson im Fernsehen, keine Shego bei Kim Possible?"

Avery zieht die Augenbrauen zusammen. „Nicht unbedingt. Ich meine, ich wollte sehr lange wie Zendaya sein, aber ich meine, wer will das nicht?"

Ich verstecke mein Lächeln. Das hätte ich mir eigentlich denken können. „Fair. Sollen wir dann los?"

„Nur zu gerne." Avery ruft über ihre Schulter: „Ich bin dann weg", dann schnappt sie sich eine Tasche, die auf einer Kommode an der Tür liegt und tritt zu mir in die kühle Abendluft.

Austins Haus ist kaum drei Straßen von Avery entfernt, deswegen können wir die kurze Distanz zu Fuß gehen. Wir gehen in angenehmer Stille, mit ihrer Hand nur Zentimeter in der Luft neben meiner schwebend. Wenn ich wollte, dann könnte ich ganz einfach danach greifen. Vorsichtig lasse ich meine Finger über ihre Haut streifen, nur für einen Moment und warte auf ihre Reaktion.

Everything (And Nothing) Has ChangedWo Geschichten leben. Entdecke jetzt