Ich habe mir eine fette Erkältung eingefangen, also müsst ihr mir jetzt alle schreiben, wie mega geil ihr dieses Kapitel findet, denn es ist der emotionale Klimax der Story und ich bin sehr stolz darauf ok!!!! Außerdem gibt es danach nur noch ein Kapitel und ich bin mir sicher, ihr wollt nicht, dass ich es umschreibe damit ein Unfall passiert.
Oder doch???
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Edmonton sieht aus, wie ein altes Gemälde, das in meinen Erinnerungen hängt. Ich erkenne Straßen und Häuser, Cafés und Parks wieder, als wäre ich nie gegangen, aber gleichzeitig scheint ein Filter über der ganzen Stadt zu liegen, der es mir erschwert, mich wirklich an meine alte Heimat zu erinnern. Es ist ein halbes Jahr her, dass ich das letzte Mal hier war, ein halbes Jahr, seitdem ich den Asphalt berührt und in den Himmel geblickt habe, aber ich fühle mich nicht wie jemand, der zu einem vertrauten Ort zurückkehrt.
Es fühlt sich an, als wäre ich eine Fremde in meiner Heimat. Ich erkenne alles wieder, und doch fühlt es sich an, als wäre ich nie hier gewesen. Als hätte ich Edmonton nur aus Bildern gekannt und würde jetzt das erste Mal in der Stadt sein, in der großgeworden bin.
Ich weiß nicht, was es ist, aber hier zu sein, lässt mich erschaudern.
Dank des Navis findet Avery sich in der Stadt zurecht und lotst uns durch die Straßen und Gassen, bis wir unser Ziel erreichen. Das Krankenhaus thront in meinem Blick in die Höhe, baut sich bedrohlich vor uns auf, während Avery nach einem freien Parkplatz sucht. Das Radio ist aus. Es ist still. Nur der Motor spricht.
Die Geräusche um uns sterben, als wir parken. Über uns steht der Himmel in einem hellen Grau, gespickt mit düsteren Wolken und dem Versprechen nach Regen, doch noch ist es trocken. Die gesamte Fahrt über hat weder Regen noch Schnee versucht uns von der Straße zu bringen, aber jetzt, da wir unser Ziel sicher erreicht haben, scheinen sich die Naturgewalten gegen uns zu wenden. Ein bedrohliches Brummen erklingt irgendwo am Horizont, abgeschwächt durch die Fensterscheiben, aber es reicht, damit ich erneut erschaudere.
Ich presse die Hände zusammen. Aus dem Augenwinkel heraus sehe ich Menschen über den Parkplatz laufen, sehe Autotüren auf und zu gehen, Kinder an den Händen ihrer Eltern, Hunde, die sich gegen die Leinen bäumen. Ich sehe, wie die Stadt existiert, ohne dass ich atme und sinke zusammen.
„Die Besuchszeit endet bald", sagt Avery, durchbricht damit die Stille, die uns eingehüllt hat und vertreibt sie wie einen Geist. „Wenn du ... ich meine, wenn du deine Mom heute noch sehen willst, dann müssen wir jetzt rein."
Sie drängt mich nicht. Sie gibt mir keinen Schubs, damit ich die Tür öffne und in die kühle Luft treten, sie wartet. Wartet, bis ich atme, wartet, bis ich rede.
Wartet, bis ich mich finde.
„Es ist", fängt sie an, bricht ab. Sie holt Luft. „Es ist seltsam, dich so zu sehen", sagte sie schließlich.
Mein Blick bleibt gesenkt. Wenn ich den Kopf hebe, dann muss ich mein Spiegelbild in der Scheibe sehen, muss sehen, wie lächerlich ich mich versuche möglichst klein zu machen, als würde das irgendwas bringen. Ich bin mir nicht einmal sicher, vor wem ich mich verstecken will.
„Du musst nicht reingehen", sagte Avery. „Wenn du es wirklich nicht willst, dann drehen wir um und tun so, als wären wir nie hier gewesen. Aber", ihre Stimme bricht ein wenig, „ich glaube wirklich, dass es gut für dich wäre. Wenn du ..." Sie lässt den Rest unausgesprochen.
Blindlings taste ich nach ihrer Hand und finde sie, als sie ihre Finger mit meinen verschränkt. „Ich will sie sehen", sage ich mit matter Stimme, auch wenn ich meinen eigenen Worten nicht wirklich traue. „Ich muss sie sehen."
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Everything (And Nothing) Has Changed
Teen FictionJeden Tag zweifelt Avery daran, ob sie in ihrem Leben nicht etwas falsch macht. Sie hat weder eine Ahnung wer sie ist, noch was sie nach der Schule anstellen will. Sie weiß nur, dass sie liebend gerne schneidert und absolut nicht für die schönen Aug...
