Kapitel 22

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Seit dem ich vom Friedhof nach hause gekommen war, wich Niall nicht mehr von meiner Seite. & wenn doch, waren Zayn & Liam oder die Tomlinsons bei mir. Ich wurde also fast nie allein gelassen. Dass es mir damit besser ging, würde ich nicht unbedingt behaupten. Aber es ließ mich einige Dinge für kurze Zeit vergessen. Bis ich spätestens allein im Bett lag oder Duschte. Dann kam alles wieder nur noch stärker zurück.
Ich hasste meine momentane Lebenslage. Ich war so verloren. Immer noch nicht wusste ich für was ich das noch tat - für was ich noch lebte. Niall machte es mir aber oft genug bewusst. Für meine Freunde & Familie.

„H?" hörte ich Niall durch die Tür fragen. Ich schnaufte leise aus „Ja..." brummte ich & zog die Decke höher. „Sie sind da." sagte er leise. Seufzend kniff ich meine Augen zusammen & schälte mich aus der Decke. Kurz schüttelte ich mich durch - die Kinder sollten nicht sehen in was für einem Zustand ich gerade war.
Ich lief zur Schlafzimmertür & öffnete sie. Niall stand davor & sah mich besorgt an. Er hatte aufgehört zu fragen ob alles gut ist, er wusste dass es das nicht war. Auch Sprüche wie Alles wird wieder gut, vermied er. Niall wusste genau, dass mir das garnicht weiter helfen würde.
„Komm...Ablenkung wird dir guttun."

Ich fühle mich schrecklich. Niall war nun schon seit 3 Wochen hier. Er, Zayn & Liam sorgen 24/7 um mich & waren für mich da. Aber sie hatten ihn auch verloren! Sie mussten genauso damit kämpfen. Es fühlte sich so an als würde ich sehr egoistisch sein...

„Komm schon..." murmelte Niall & legte seinen Arm um meine Schultern. Ich brummte kurz „Ja...ja, sorry." murmelte ich & lief schnell die Treppen hinunter. Es kamen schon einige laute Stimmen vom Wohnzimmer die allesamt durcheinander redeten.
Ich seufzte. Mit meinen Händen wischte ich mir zittrig über meine Augen & hoffte, die Kinder würden nicht sehen wie es mir ging.

„Harry!" rief Ernie, kaum hatte ich das Wohnzimmer betreten. Ich zwang mir ein Lächeln auf die Lippen als er auf mich zu rannte & meine Hüfte umarmte. Er grinste zu mir hoch „Na großer? Wie geht's dir?" fragte ich schmunzelnd & wuschelte ihm durch seine Haare. „Guuuut!" kicherte er & streckte seine Arme nach mir aus. Sofort hob ich ihn hoch - auch wenn er vielleicht schon etwas zu groß dafür war. Ich sah zum Rest der Familie. Alle lächelten mich warm an - auch wenn bei Mark, Lottie & Jay sehr viel Sorge dabei war.
Ich lächelte. „Hey." begrüßte ich sie. Während ich zum Sofa ging & auch Doris & die zwei anderen Zwillinge begrüßte, wurde mir bewusst, dass ich Jay & Lottie nichts vormachen konnte. Sie wussten bestimmt längst schon bescheid wie schlecht es mir gerade ging. Niall kam nun auch durch die Tür & setzte sich dazu.

Die nächste Stunde unterhielten sich Jay, Niall Lottie & Mark, während ich mit Fizzy die Zwillinge beschäftigte - darüber war ich sowieso ziemlich froh.

„Bist du okay?" fragte Fizzy dann jedoch. Sie sah mich mit ihren großen Augen an - sie waren braun aber erinnerten mich trotzdem so sehr an ihn. Ich brummte & nickte leicht. In ihren Augen konnte ich sehen, dass sie es mir nicht glaubte. Sie zog ihre Augenbrauen leicht zusammen & musterte mein Gesicht. Ich hatte bestimmt tiefe lila Ringe unter meinen Augen & war blass wie die Wand - es war also nicht zu übersehen!
„Du kannst immer mit uns reden." flüsterte sie nur, lächelte tapfer & wandte sich wieder zu den Kindern. Ich sah auf den Boden. Was sollte ich ihnen denn sagen? Dass ich außer ihnen keinen Sinn mehr in meinem Leben sehe?! Nein, das konnte ich nicht.
Mein Herz begann zu stechen. Ich will dass, das alles einfach aufhört. Ich will, dass er durch die Tür kommt, mich anlächelt & mich in den Arm nimmt. Ich will, dass er mir sagt dass alles gut wird!
Schon wieder füllten sich meine Augen mit Tränen - wie so oft in den letzten Tagen. Ich dachte daran wie schön es wäre, wenn er da wäre. Wenn ich bei ihm sein könnte. Ich vermisse seine Wärme, seine liebevollen Umarmungen & Zärtlichkeiten. Ich vermisse alle an ihm. Jede kleinste Kleinigkeit!

„Harry..." hörte ich neben mir. Erschrocken fuhr ich zusammen & sah neben mich. Jay musterte mich besorgt, genau wie Niall der dabei stand. „Komm wir gehen in die Küche." sagte sie & zog mich hoch. Meine Hände zitterten, genau wie meine Knie. Jay führte mich aus dem Wohnzimmer & in die Küche. Dort nahm sie sich ein Taschentuch & hielt es mir hin.
Erst jetzt merkte ich, dass ich wieder geweint hatte. Fluchend putzte ich mir die Nase. Jay legte ihre Hand auf meine Schulter & strich leicht darüber. „Rede mit mir Harry...es bringt garnichts wenn du alles in dich hinein frisst." sagte sie ruhig. Ich schluchzte auf & drückte meine Handflächen gegen meine Augen. Mein ganzer Körper & meine Seele schrie nach Louis. Ich wollte nichts anderes als ihn!
Schluchzend schüttelte ich den Kopf. „Ich will zu ihm!" weinte ich - schon fast hysterisch. Ich spürte wie mein ganzer Körper zu zittern begann. Es schmerzte in meinem ganzen Körper zu wissen, dass alles was ich noch in meinem Leben wollte, nie bekommen werde. Ich werde ihn niemals wieder bei mir haben.

„Beruhig dich Harry..." hörte ich Jay flüstern. Ich wusste, dass sie direkt neben mir stand, aber ihre Stimme war so weit entfernt. „Komm setzt dich." Ihre Stimme war nur wie ein Echo welches ganz weit von mir entfernt war. Sie drückte mich auf den Stuhl & nahm mich in den Arm. Ich hörte nicht wie laut ich wirklich weinte aber ich nahm an, dass es sehr laut war. Mein Hals tat weh.
„I-ich..." schluchzen unterbrach mich „Ich muss zu ihm...!" ich wusste nicht recht ob ich es wirklich ausgesprochen hatte oder die Stimme in meinem Kopf es mir nur gedanklich vorgeschrien hat. Mein Herz schrie schmerzhaft nach ihm. Es fühlte sich an als würde mir jedesmal aufs Neue mein Herz rausgerissen werden, sobald ich an ihn denke. Ich spürte wie mein ganzer Körper verkrampft war - als würde er mich ansich ziehen wollen. Alles schmerzte - mein Körper sowohl auch meine Seele.

„Harry beruhig dich bitte." hörte ich Jay nun wieder sagen. Ich spürte nun wieder mehr als nur Schmerz. Ich spürte wie Jay mich fest an sich presste, wie meine Fingernägel sich in meine Handflächen bohrte & wie nasse Tränen meine Wangen hinunter flossen. „Schht...ich bin da." sagte sie leise. Ich hörte mich schluchzen, es schien aber so, als wäre ich nicht in meinem eigenen Körper.
Ich hatte keine Ahnung wie lange ich schon dort saß & weinte, aber es fühlte sich wie eine Ewigkeit an - als wäre ich zwischendurch kurz ohnmächtig geworden.

Ich sah Jay an. Neben ihr stand Lottie, welche ich garnicht bemerkt hatte. „Was meinst du mit du willst zu ihm...?" fragte sie mich leise & mit zitternder Stimme. Lotties blaue Augen wurden wässrig. „Willst du dir was antun?" eine Träne rollte ihre Wange hinunter. Mein Herz brach. Niemals wollte ich sie zum weinen bringen!
Zittrig stand ich auf & umarmte sie. „Ich könnte euch niemals allein lassen." flüsterte ich. Sie schluchzte „Aber du willst oder? Du denkst daran..." Ich konnte es nicht abstreiten. In den letzten Tagen hatte ich oft daran gedacht. Aber ich wusste, dass ich es niemals tun könnte. Niemals - ich könnte meine Familie nicht zurücklassen, nur damit ich nicht mehr leiden musste.

„Harry ich denke du solltest mal eine Therapie in Erwägung ziehen." sagte Jay dann. 

Vergiss mein nicht - LS Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt