Nervös saß ich in dem komplett weißen Warteraum. Von Farbe schienen die alle noch nie etwas gehört zu haben. Es war kein Krankenhaus, aber trotzdem roch es danach. Ich fühlte mich hier ganz & garnicht wohl. Es erinnerte mich nur mehr an alles war gerade passierte & passiert war.
„Harry Tomlinson?" hörte ich plötzlich eine sanfte Frauenstimme. Ich sah auf & sah eine blonde dünne Frau die sich im Warteraum umsah. „Ja." brummte ich & stand dann auch so gleich auf. Sie lächelte mich an „Kommen Sie rein." mit zittrigen Beinen stand ich auf & ging in den Raum. Eine schwarze Leder Couch stand gegenüber eines Sessels.
„Sie können sich es gerne auf dem Sofa gemütlich machen." erklärte sie lächelnd. Ich nickte nur leicht & ließ mich dort fallen.
„Also..." die Frau setzte sich auf den Sessel gegenüber von mir & lächelte. „Ich bin Doctor Sabrina Collin." stellte sie sich vor. Ich nickte leicht - ich hatte keine Ahnung was jetzt auf mich zukommen würde. „Ist das Ihr erstes Mal bei einer Therapie Stunde?" fragte sie als erstes. Ich nickte leicht - mein Hals war trocken & ich wusste nicht ob ich überhaupt bereit war etwas zu sagen.
„Okay. Wir werden heute mal sehen wie wir uns verstehen." lächelte die Psychologin. „Es ist wichtig, dass wir auf einer Wellenlänge sind. Sobald Sie das Gefühl haben hier nicht richtig zu sein ist es das Beste wenn Sie sich weiter umschauen." erklärte sie mir. „Dann fangen wir mal an...sind Sie bereit?"
Ich nickte leicht. Ich hoffte sie würde mich etwas fragen, denn ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung wie ich bloß anfangen sollte.
„Also...Sie haben mir ja schon am Telefon erzählt, dass Sie einen schweren Todesfall miterlebt haben...erzählen Sie mir mehr darüber."
Ich schluckte. Es war schwieriger als ich dachte. Außerdem hasste ich es auszusprechen, dass Louis tot war. Es machte alles nochmal realer. „Sie dürfen so viel sagen wie Ihnen lieb ist." fügte sie noch schnell hinzu. Ich nickte. Schluckend sah ich auf meine Finger & fragte mich wie ich anfangen sollte.
„Mein Mann...er ist letztes Jahr bei einem Autounfall verstorben." murmelte ich leise. Ich sah ihren Blick nicht aber die Stille machte mir ein mulmiges Gefühl. „Okay...wollen Sie mir mehr von ihm erzählen?" Ich brummte leise „Ich weiß nicht was..."
Oh ich könnte Stunden lang über ihn reden aber ob das so relevant für eine Therapie ist wusste ich nicht.
„Wie heißt er?" fragte sie dann einfach, ein leichtes Lächeln lach auf ihren Lippen - es beruhigte mich etwas. „Louis." antwortete ich. Sein Name ging mir so einfach über die Lippen. Er gehörte einfach zu mir!
„& Sie beide waren schon verheiratet?"
Ich nickte „Vier Jahre..." Sie lächelte „Erzählen Sie mir von dem Antrag...wie war die Hochzeit?"
Bei dem Gedanken an den Antrag bekam ich Schmetterlinge im Bauch. Es war so romantisch.
„Ähm...wir waren essen. Mein bester Freund hat mich damals von der Schule an der ich arbeite abgeholt. Ich hab nicht verstanden wieso er so aufgedreht war. Er hat mich dann gezwungen was schönes anzuziehen & mich dann zu einem schicken Restaurant geführt. Dort hat Louis dann gewartet. Wir sind dann nach dem Essen spazieren gegangen & dann...ja, hat er mich gefragt." erzählte ich & musste sogar leicht schmunzeln. Er sah so unglaublich gut aus an dem Tag. Seine Haare waren so schön verwuschelt & verdammt er trug einen Anzug! Oh mein Gott ich dachte damals ich muss sterben weil er so gut aussah!
„Wie schön." lächelte Doc. Collin. „Die Hochzeit...wie war die?" Ich lächelte nun wirklich. „Es war so wunderschön..." murmelte ich in Gedanken. „Wir haben in einem Garten gefeiert. Alles war in weiß dekoriert & ich hab es geliebt, dass wir die ganze Zeit draußen waren. Louis hatte darauf bestanden so viele Lichterketten wie nur möglich zu besorgen. Es hing also an jeder Ecke eine..." die Gedanken an die Hochzeit ließen mich gut fühlen. Es erinnerte mich daran, dass es nicht immer so schlimm war.
„Louis hatte einen schwarzen Anzug an & ich einen weißen, mit einem schwarzen Blumenmuster. Wir...es war so schön."
Doctor Collin lächelte breit „Wie war es für Sie in der Ehe? Gab es irgendwelche Schwierigkeiten?" Kaum hatte sie diese Frage ausgesprochen schüttelte ich den Kopf. „Louis konnte eine ziemliche Diva sein, aber er hat nie...niemals etwas getan was mir geschadet hat. Niemanden, er war der tollste Mensch auf diesem Planeten."
„Sie haben ihn sehr geliebt richtig?" fragte sie - wir beide wussten scheinbar, dass diese Frage komplett unnötig ist. Ich nickte „Ich tue es immer noch..."
Sie nickte, kurz war es still zwischen uns. „Sind Sie schon bereit um über den Unfall zu reden Harry?" Ich schluckte - nun fiel auch das letzte bisschen von meinem Lächeln.
„I-ich weiß nicht." murmelte ich. „Versuchen Sie es...wir können jeder Zeit über etwas anderes reden."
Nickend sah ich wieder auf meine Finger. Ich sah den Ehering & schon fing mein Herz an zu pumpen. Nur diesmal tat es mehr weh, als gut.
„Wir...Louis wollte unsere Freunde vom Pub abholen..." fing ich an & zog meine Augenbrauen zusammen. Ich sah sie nicht an sondern blickte starr auf den Boden. „Ich...hatte komischerweise schon ein komisches Gefühl. Zu dem Zeitpunkt dachte ich, dass es war weil ich einfach schlafen wollte." Der Gedanke an diesen Abend brachte mir Gänsehaut am ganzen Körper. Ich hatte lang nicht mehr so ausführlich an diesen Tag gedacht.
„Was war dann?" fragte Doc. Collin. Ich schluckte „Louis ist gefahren...& ich hab mich mit unserem Hund auf die Couch gesetzt. Ich wollte auf ihn warten bis er wieder da ist."
Sie nickte leicht & begann sich etwas in ihrem Block zu notieren.
„Ich bin dann dort eingeschlafen bis mich dann eine Mutter von einen meiner Schüler angerufen hat."
Sie nickte leicht „Was hat sie Ihnen gesagt?"
Ich schluckte „Sie hat mir gesagt, dass Louis einen Unfall hatte...ähm sie kannte ihn von der Fußballmannschaft in der er Spielte. Der Unfall war in ihrer Straße passiert. Ich bin natürlich sofort hin. Währenddessen hab ich Niall...ähm meinen besten Freund angerufen & ihm davon erzählt. Als ich dort ankam..." Ich konnte nicht verhindern, dass sofort Tränen in meine Augen schossen. Das Bild war so grausam gewesen! Es jagte mir Gänsehaut über den ganzen Körper & brachte ihn zum zittern.
„Haben Sie ihn gesehen?" fragte die Frau gegenüber von mir ruhig. Ich nickte leicht. „Also...nicht ganz." leise schluchzte ich „Der Notarzt war schon da. Ich hab ihn am Boden liegen gesehen, aber sein Gesicht war von einem der Sanitäter rundherum um ihn ähm v-ver-verdeckt..." ich schluchzte & wischte mir schnell die Tränen weg. „Was ist dann passiert?"
ich schluchzte „Ein Sanitäter wollte mich beruhigen, weil ich unbedingt zu Louis wollte...er hat mich nicht zu ihm gelassen."
„Wieso durften Sie nicht hin Harry?"
Ich schluchzte auf „Er meinte, dass er schon...tot ist." meine Kehle schnürte sich zu, während mein Herz zu stechen begann. Es war komplett still im Raum. Doctor Collin sagte nichts, ihr Gesicht überbrachte mit Mitleid während ich einfach da saß & weinte. Schmerz breitete sich wieder überall in meinem Körper aus. Ich konnte nicht mehr. Mit tat alles weh, ich war erschöpft. Ich wollte nicht mehr kämpfen.
„Wie haben Sie sich da gefühlt?"
Ich sah Doctor Collin durch Tränen unverständlich an. „Wie sollte ich mich schon gefühlt haben?!" brummte ich leicht bissig. Natürlich war ich nicht voller Freude in die Luft gesprungen, das...nein!
„Meine Welt brach innerhalb von Sekunden zusammen! Ich wurde einfach in ein tiefes Loch geworfen aus dem ich bis heute nicht draußen bin..." ich schluchzte „Verdammt ich hab die Liebe meines Lebens verloren! Einfach so!" laut weinte ich.
Ich sah es nicht richtig aber anscheinend schrieb sich Doc. Collin wieder etwas auf.
„Haben Sie & seine Familie ein gutes Verhältnis?" fragte sie ruhig. Ich atmete tief durch. „Neben Ihnen sind Taschentücher." lächelte sie. Ich nahm mir eins & trocknete meine Tränen „Ja...immer schon." antwortete ich leise. Meine Stimme schien kratzig & rau vom vielen weinen. „Erzählen Sie mir davon Harry."
Ich begann mich zu beruhigen „Er hat viele Geschwister, sie sind alle jünger als er. Sie sind alle so liebevoll." leicht schmunzelte ich bei dem Gedanken an die kleinen Biester - obwohl die meisten davon nicht mal mehr so klein waren. „& seine Eltern?"
Ich lächelte „Seine Mama ist...wie meine zweite Mama." Doctor Collin lächelte „Ähm...sie hat mich auch zur Therapie überredet. & sein Stiefvater ist immer wie sein echter Vater gewesen. Ich habe auch ein sehr enges Verhältnis zu ihm." leise schniefte ich.
„Harry ich denke das war's für heute." sagte sie dann. Ich brummte & sah auf die Uhr. Es waren wirklich schon 50 Minuten vergangen. „Sie können sich gerne wieder bei mir melden für einen neuen Termin. Falls Sie sich entscheiden die Therapie bei mir fortzusetzen würde ich vorschlagen, dass wir uns langsam herantasten. Es ist ein schwieriges Thema..."
ich nickte leicht. „So oder so würde ich Ihnen raten definitiv eine Therapie zu machen. In so einer Situation kann es gefährlich werden keine professionelle Hilfe zu bekommen." ich nickte - das hatte ich ja bemerkt...
Ich ging aus der Praxis mit gemischten Gefühlen. Fühlte ich mich jetzt besser? Nein, definitiv nicht. Aber ich wusste, dass so eine Therapie Zeit braucht. & trotzdem wusste ich nicht ob das etwas an meiner Situation helfen würde.
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Vergiss mein nicht - LS
FanficVergiss-Mein-Nicht stehen für die Treue & Liebe zwischen zwei Menschen. Sie symbolisieren Zusammengehörigkeit. Die Blumen stehen aber im ersten Sinne für den Wunsch nicht vergessen werden zu wollen. Sie wollen dass man sich erinnert - auch nach eine...
