Kapitel 30

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Ich wusste ehrlich gesagt nicht mehr wie es dazu kam, dass ich so viel getrunken habe. Abends hab ich mir Essen gemacht & dann hat mich wohl die Weinflasche auf dem Regal so angelächelt, dass ich ein oder zwei Gläschen hatte - oder die ganze Flasche. & nun saß ich betrunken im Pub.

Ich versuchte mich krampfhaft daran zu erinnern wie ich hier hergekommen bin & wieso ich überhaupt her wollte, aber es wollte mir einfach nicht einfallen. Mein Glas in meiner Hand war zur Hälfte schon leergetrunken. Ich hatte vergessen was ich bestellt habe & den Geschmack konnte ich auch nicht ganz definieren.

Auch wenn ich betrunken war, schämte ich mich. Ich war noch nie ein großer Trinker & auch kein Fan davon wenn man sich unnötig betrinkt - die Probleme verschwanden dadurch ja nicht. & trotzdem saß ich hier an der Bar & trank. Es war erbärmlich & das wusste ich. Ich wollte weinen, gleichzeitig auch nicht weil ich so oft weinte. Ich wollte nicht mehr weinen. Nicht wegen etwas das ich nicht mehr ändern könnte - niemals. Er ist weg & wird nie wieder kommen. Ich konnte es nicht einsehen, dass es Realität war. Dass er für immer weg ist.

„Hey." hörte ich eine Stimme vor mir. Ich hob träge meinen Kopf & sah vor mir, den jungen hübschen Kellner der mich & die Jungs schon letzte Woche bedient hat. „Geht's dir gut?" fragte er vorsichtig. Seine blauen Augen funkelten leicht in dem gedämpften Licht. Ich liebe blaue Augen - er hatte blaue Augen. Ich brummte leise „Möchtest du ein Wasser haben?"
Auch wenn ich wusste, dass es um einiges schlauer wäre jetzt ein Wasser zu trinken & nach hause zu gehen, schüttelte ich den Kopf. Ich setzte das Glas an & kippte den letzten Rest hinunter.
„Noch n Glas." lallte ich mittlerweile. Ich hörte mich selbst & wollte vor Scham weinen. Aber mein Körper & mein Verstand schienen nicht mehr zusammen zu funktionieren.
Der Mann nahm mir das Glas aus der Hand & drehte sich weg. Ich konnte seinen zierlichen Körper sehen. Er war schmal gebaut, schmale Schultern & Hüften. Aber er sah gut aus.

Er kam zurück & stellte das Glas zurück auf den Tresen. Sofort griff ich danach & nahm einen großen Schluck. Wasser.
Unzufrieden zog ich meine Augenbrauen zusammen & sah ihn an. „Das' kein Alkohol!" zischte ich beleidigt & stellte das Glas so harsch ab, dass es überschwappte. „Du bist schon ziemlich betrunken." murmelte der Mann sanft. Seine Stimme war angenehm & übertönte die lauten Gäste des Pubs.
Ich grummelte.

„Wie heißt du?" fragte er mich & schob das Glas Wasser wieder weiter zu mir. Ich fuhr mir über mein Gesicht „Harry." antwortete ich ihm. „Ich bin Fynn." sagte er darauf & musterte mich. Ich spürte seinen Blick auf mir ohne, dass ich hin sehen musste. Meine Haut kribbelte. Es fühlte sich falsch an. Ich nahm meine Hände von meinem Gesicht & sah ihn an.
Er war ein verdammt schöner Mann. Seine Haut war straff & sah weich aus. Seine Augen glänzten blau & seine Lippen waren voll & leicht rosa. Fynn war wunderschön. Ich konnte das Louis nicht antuen. Ich wollte Fynn nicht hübsch finden & seinen Körper ansehen. Louis hat das nicht verdient...
Tränen stiegen in meine Augen. Ich würde für den Rest meines Lebens allein bleiben. Zwar hatte ich meine Familie & die Jungs, aber ich wusste ich könnte nie wieder eine Beziehung führen. Niemals könnte ich Louis das antuen.

„Hey, oh mein Gott was ist los?" hörte ich Fynn sagen. Ich schluchzte auf & hasste mich dafür. Ich wollte doch nicht weinen!
„Hier." Fynn drückte mir eine Serviette in die Hand. Ich sah ihn an - seine Lippen deuteten ein aufmunterndes Lächeln an. „Meine Regel Nummer 1: niemals in der Öffentlichkeit weinen." flüsterte er mir zu. Ich schniefte & trocknete so gut ich konnten meine Tränen. Ich hab schon viel zu oft in der Öffentlichkeit geweint um noch so zu denken - in der Schule tat ich das immer.
„Das is' schon zu oft passiert." brummte ich & sah ihn an. Sein Blick war betroffen - als wüsste er wieso ich weinte. „Soll ich irgendwen für dich anrufen?" fragte er danach einfach & holte sein Handy auch schon raus. Ich brummte leise & merkte wie wieder Tränen in meine Augen stiegen. Louis. Er sollte Louis anrufen & ihm sagen dass er herkommen soll. Ich schluchzte auf & vergrub mein Gesicht in meinen Händen. Ich wollte Louis!

„N-niall." wimmerte ich ganz leise. Ich sah Fynns Blick nicht konnte aber spüren dass er mich verwirrt ansah. Zitternd holte ich mein Handy heraus & legte es auf den Tresen, sodass er dran kommen würde. „Niall?" fragte Fynn nochmal nach. Ich antwortete nicht, viel zu tief in meine Gedanken an Louis. Mein Herz schrie so sehr nach ihm, seinen Küssen & Umarmungen. Ich wollte so sehr bei ihm sein.

„Ich hab deinen Freund angerufen...er kommt dich holen." erklärte mir Fynn nach kurzer Zeit. Ich schniefte & sah ihn an. Verdammt er war hübsch!
„Wie alt bist du Harry?" fragte Fynn vorsichtig. Ich wischte mir über die Wangen & antwortete „29." ich nuschelte & lallte - man konnte nicht überhören wie betrunken ich war.
Fynns Augen weiteten sich „Oh...du siehst jünger aus." erklärte er leise. Ein Schmunzeln schlich sich auf meine Lippen „Hör auf zu flirten!" brummte ich. Ich wollte ihm gegen die Schulter schlagen, aber ich verfehlte hochgradig.
„Ich flirte nicht!" verteidigte er sich mit rosa Wangen. „Du bist verheiratet oder...?" sagte er vorsichtig & zeigte auf den Ring an meinem rechten Ringfinger. Ich sah darauf. Der Ring, unser Ring. Oh wie sehr ich Louis doch liebe!
„Ja." lallte ich & merkte wie meine Augen wieder wässrig wurden. Louis.
„Ich würde niemals mit einem verheirateten Mann flirten..." sagte Fynn & schien nicht zu bemerken wie ich traurig meinen Ring ansah. „Hm." machte ich & schniefte leise.

„Oh...hast du gerade Streit mit ihr?" fragte Fynn vorsichtig. Ich ließ meinen Kopf auf den Tresen fallen - ich wünschte ich hätte nur Streit mit ihm. Mir wäre alles lieber nur nicht, dass er tot ist!

„Harry!" hörte ich Nialls Stimme durch den Pub rufen. Ich hob langsam meinen Kopf & sah meinen besten Freund auf mich zu laufen. Er war besorgt, ich konnte es bei der Art wie er seine Augenbrauen hochzog sehen.
Niall lief auf mich zu. „Scheiße Harry." sagte er sobald er bei mir an der Bar angekommen war. Ich spürte wie seine Arme sich schützend um mich legten & begann zu schluchzen.
Er drückte mich an seine Brust & strich mir über den Rücken.

Alles schmerzte & nicht mal der Alkohol machte es besser. Nichts würde es jemals besser machen.
„Es ist okay." flüsterte Niall beruhigend. Mein Schluchzten wurde nicht besser, nein es wurde ja sogar schlimmer. Es fühlte sich so an als würde ich mit jeder Träne Louis mehr vermissen.

Vergiss mein nicht - LS Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt