sechs.

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Kyra P.O.V.

Wie jeden Morgen bereitete ich mich für die Schule vor. Dieses Mal war ich gottseidank nicht zu spät, alles verlief nach Plan. Das von gestern hatte mich dennoch verwirrt, ich weiß immer noch nicht, was er damit meinte. Klar, wir sind alle anders, aber wollte er mir etwas bestimmtes sagen? Sollte ich ihn lieber fragen, was er sagen wollte?

Ich nahm meine Tasche und setzte mich neben Tim auf den Beifahrersitz. Er war mittlerweile schon 18, so wie eigentlich jeder aus meiner Klasse, außer ich. Ich wurde ein Jahr früher eingeschult. Das hieß also, ich würde meinen Schulabschluss mit 17 kriegen, also um genau zu sein, in 2 Monaten.

Er parkte direkt vor der Schule und wir gingen auf unsere Schließfächer zu, die ziemlich weit voreinander entfernt waren. Nachdem ich meine Bücher herausnahm, begrüßte mich Zac mit einem leisem ,,Hey.", ich lächelte nur leicht und wollte gerade wieder gehen, doch er hielt mich an meinem Arm fest. ,,Wir müssen reden."

Ich sah ihn nur stumm an und wartete darauf, dass er anfing zu sprechen. Doch er sah nur stumm zurück. ,,Ich muss zum Unterricht.."

,,Nein, bitte Kyra.", unterbrach er mich und ich blickte zu Boden. ,,Es tut mir Leid, können wir nicht einfach so weiter machen wie vorher? Nur halt ohne das Küssen und..."

,,Was ist dein wirkliches Problem Zac?", begann ich zu schreien. ,,Du kannst mir ruhig sagen, dass das Problem an mir liegt, aber dir irgendwelchen Lügen vonwegen du kannst das nicht auszudenken, glaub ich dir auch nicht mehr. Ich habe keine Lust, dieses ganze 'ich mag dich aber eigentlich nur als Schwester'-Drama abzuspielen, entweder du sagst mir jetzt genau was das Problem ist, oder das wars." Wow. So mutig war ich in meinem Leben noch nie gewesen.

,,Es tut mir Leid. Wir reden ein anderes Mal Kyra James.", er gab mir einen kurzen, flüchtigen Kuss auf die Wange, und verschwand dann in der Herrentoilette.
Ja, ich heiße mit Nachnamen James. Das ist sogar mein richtiger Nachname. Ich bekam den Nachnamen Scott nicht, und natürlich hatte ich keinen blassen Schimmer warum. Denn mit diesem Nachnamen wusste ich einfach, dass ich nicht zu den Scotts gehöre, und es auch nie werde. Und das macht mich traurig. Ich liebte diese Familie so, im Gegensatz zu meinem Vater. Natürlich, es war schwer für ihn, mit dem Kind der verstorbenen Geliebten zu leben, aber ich war nunmal auch sein Kind, und er müsste dabei auch an mich denken. Aber er war nunmal zu egoistisch, und diese Eigenschaft hatte ich gottseidank nicht von ihm geerbt. Na ja, das ich auch das einzige, was ich von ihm weiß. Vielleicht lebte er irgendwo in Amerika, war Milliardär und lebte mit seiner neuen Familie in einer viel zu teuren Villa. Oder er lebte irgendwo auf der Straße. Oder er sitzt im Gefängnis wegen Kinderbelästigung.

Okay, meine Gedanken spielten verrückt. Wem gebe ich die Schuld, ja richtig, Zac.

Ich nahm mein Handy hervor und betrachtete mich an meiner Frontkamera. Meine Lippen waren leicht angeschwollen, meine Augen brachten Müdigkeit zum Vorschein. Ich steckte mein Handy wieder ein und setzte mich auf meinen Platz in der Klasse. Zac saß weiter rechts, vorne, mit Tim. Wir hatten Biologie. Während der Lehrer irgendetwas von Zellen redete, tauschten Zac und ich Blickkontakt aus. Ich war sauer, aber er konnte mir das nun wirklich nicht übelnehmen. Ich konnte seinen Blick nicht deuten, es war eine Mischung aus Verzweiflung und Wut. Warum war er wütend?

Kann mir Zac nicht einfach sagen, was sein verdammtes Problem ist?

Als der Unterricht zuende war, eilte ich so schnell es ging aus dem Klassenzimmer. Ich schenkte Tim und Zac keinen Blick.

Vor Tims Auto angekommen lehnte ich mich an die vordere Seite des Autos. Ich nahm mein Handy heraus, und wollte gerade Tim anrufen, bevor er in meine Richtung zu kam. Ich setzte mich, nachdem er mit dem Schlüssel die Türen seines schwarzen Opels öffnete, in das Auto. Er setzte sich auf den Fahrersitz und steckte den Schlüssel in das Zündschloss. Er sah mich an. Ich konnte seinen Blick nicht deuten, er atmete schwer ein und aus.

,,Was läuft da zwischen dir und Zac?", fragte er und für einen kurzen Moment hörte mein Herz auf zu schlagen. ,,Nichts", antwortete ich ruhig und sah zu Boden. Ich lügte ihn nicht an, es lief wirklich nichts zwischen uns.

,,Du kannst mir solche Sachen doch erzählen, Kyra. Besonders dann, wenn der Junge auch mein Freund ist.", er versuchte einfühlsam auf mich hineinzureden.

,,Was denkst du denn was zwischen uns läuft?"

,,Ich habe gesehen, wie er dich angesehen hat. Das ist nicht nur Freundschaft zwischen euch. Ich habe das Gespräch auf dem Flur heute auch mitbekommen.", erzählte er und ich schluckte heftig. Wie hat er mich denn angesehen? Haben unseren Streit wirklich so viele Menschen mitgekriegt?

,,Ich glaube da ist mehr als Freundschaft zwischen euch. Zac ist glaube ich in dich verliebt, Kyra. Und ich glaube du empfindest nicht anders für ihn.", Tim sprach die Worte vorsichtig und behutsam aus, die Wut stieg mir aber trotzdem auf.

,,Woher willst du das wissen? Du kennst ihn nicht und du hast keine Ahnung was zwischen uns vorgefallen ist, wie kannst du einfach behaupten wir seien ineinander verliebt?", meine Stimme bebte vor Wut, ich schrie schon fast.

,,Kyra, beruhige dich, so meinte ich das doch gar nicht-"

,,Schon gut. Ich wollte sowieso seit längerer Zeit wieder mit dem Bus fahren.", ich stieg immernoch wütend aus seinem Auto und machte mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Wie konnte Tim einfach so etwas behaupten? Ich war kein bisschen Zac verliebt, er fühlte auch nichts für mich, da war ich mir sicher. Es ist einfach eine komplizierte Freundschaft zwischen uns, das wars. Nachdem der Bus vor meiner Haustür hielt, stieg ich aus und begab mich direkt in mein Zimmer, nachdem ich das Haus betrat. Tim war wahrscheinlich im Wohnzimmer, Phil und Mariah wahrscheinlich nicht da. Ich legte mich in mein Bett. Ich war müde, der Tag war einfach zu anstrengend. Zwei Streits mit zwei Menschen die mir unbeschreiblich viel bedeuteten.

Blutbiss.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt