Yōsuke knurrte wild, während er versuchte, die grauen, dicken fühler-ähnlichen Schnüre aus seinem Arm zu ziehen, die sich tief in seinen Arm hineinbohrten.
»Blutsveräter«, grollte Hebichimaru. »Unwürdig, schwach«, gackerte er. »Oh, seid ihr überrascht«, zischte er voller Schadenfreude. »Dachtet ihr, mir fehlt dazu die Kraft, weil ich an dieser dreckigen Wand am Verstauben war?«
Yōsuke brüllte vor glühendem Zorn auf, sein rotes, kurzes Haar wuchs in die Länge und reichte bald bis zu seinen Schultern, nur um weiterzuwachsen. Es wehte durch die Luft, während es sich begann zu locken und das Rot dunkler wurde. Er schlug seine Krallen in das graue Geflecht, das einst der Schwertgriff von Hebichimaru war, aber nun mit seiner Hand und dem Unterarm verschmolzen war, sodass Keisuke nichts außer graue dicke Schnüre erkennen konnte.
Keisuke wollte Karasu-Ko ziehen, hielt aber dann inne. Es konnte Jahre dauern, bis ein Yōkai aus seinem Yōki einen neuen Arm wachsen lassen konnte. Sesshōmaru war ein mächtiger Yōkai, und er hatte Jahre gebraucht, bis es ihm gelungen war aus seinem Yōki, einen neuen Arm zu formen. Der Verlust des Armes musste die letzte Möglichkeit sein, um Yōsuke von Hebichimaru zu trennen.
Das tiefe Brüllen war laut und verschluckte für einen Augenblick alle anderen Geräusche. Besorgt erkannte Keisuke, dass Yōsukes Yōkaiseite zum Vorschein kam: Glühende rote Augen schauten ihn an, Schuppen erschienen auf seiner rechten Gesichtshälfte und breiteten sich langsam den Hals hinunter aus, bis sie unter dem dunklen grünen Haori verschwanden.
»Yōsuke-san, Ihr dürft nicht die Kontrolle über Eure Yōkaiseite verlieren!«, grollte er ihn aufgebracht an. »Ich brauche Euch bei klarem Verstand. Ihr helft Euch nicht, wenn Ihr Euren Instinkten die Führung überlasst!«
Yōsuke riss sich unentwegt die grauen Fühler aus dem Arm. Sie erschienen jedoch schneller wieder, als dass er sich von ihnen befreien konnte. Blut quoll aus den Wunden, wo sie sich in sein Fleisch gebohrt hatten und fiel als dicke, hellrote Tropfen zu Boden.
»Ich bin noch bei Verstand!«, knurrte Yōsuke zurück.
Hebichimaru lachte über seine Aussage. »Oh«, gurrte er vergnügt. »Aber wie lange noch? Weißt du noch, Yōsuke, bevor du gegen die Krähe gekämpft hast, hast du mich zu einem Ningendorf gebracht. Als ich bemerkt habe, dass wir den Kampf gegen die Krähe nicht gewinnen können, habe ich die restliche Lebensenergie, die ich damals von den Ningen aufgesaugt habe, in mir verschlossen. Ich wusste, ich muss nur warten, warten, bis sich eine neue Möglichkeit ergibt, und was sind schon Jahrzehnte für mich, wenn ich nicht altern kann.«
»Teme!«, fluchte Yōsuke, während er mit neuer Energie an den Fühlern zerrte und riss. Auf dem Holzboden zappelten die abgetrennten Stücke, bewegten sich wie Raupen über den Boden, bevor sie reglos liegen blieben.
Das Geflecht an grauen Fühlern breitete sich unentwegt aus und wanderte jetzt Yōsukes Oberarm hinauf. Keisuke riss sie fort, bevor sie sich auch dort in Yōsukes Haut bohrten und festharkten. Immer wieder, immer wieder. Dann musste Keisuke sich eingestehen, dass sie zu langsam waren. Hebichimarus gackernde, schrille Lachen hielt ununterbrochen an. Der Yōkai sah sich siegessicher. Er und Yōsuke knurrten fast zeitgleich, als ihnen beiden wohl derselbe Gedanke gekommen war. Er sollte ihm den Arm von der Schulter trennen, dachte er erneut, verwarf es aber sogleich wieder. Noch gab es andere Möglichkeiten, sagte er sich, als sein Blick auf das kurze Messer fiel. Es lag neben der Siegerwand auf dem Boden. Yōsuke hatte es vorhin aus der Halterung geworfen, nachdem er gegen die Siegerwand geprallt war. Die Klinge war schwarz und glänzte im schwachen Licht. Der Griff war gebogen und mit Leder umwickelt, ein dünnes, gelb gefärbtes Band war um die Stelle gebunden, an der die Klinge im Griff verschwand.
Laut der Geschichte, die über das Messer erzählt wurde, hatte es dem zornigen Himmel den Blitz gestohlen, erinnerte Keisuke sich. Es hatte einst dem Alpha vom Donnerdämonenstamm gehört, einem stämmigen Yōkai mit dicken Armen und breitem Hals, dessen Gesicht von einer rot geränderten Narbe gezeichnet war, die ihn an einen Blitz erinnerte. In seinen jungen Jahren hatte Keisuke das große Bedürfnis gehabt, sich selbst seine Stärke zu beweisen. Er war verbissen gewesen in den Gedanken, mächtiger zu werden und er trainierte hart dafür. Nachdem er den Alpha herausgefordert und im Kampf getötet hatte, fielen die Yōkais vom Donneryōkaistamm wie Bestien über ihn her. Er überlebte, blutig und mit tiefen Wunden, die ihm große Schmerzen bereitet hatten. Das Messer hob er von der Leiche des Alphas auf und war davongehumpelt, sein Yōki zu schwach, um zu fliegen. Plötzlich waren drei Welpen hinter einem Busch hervorgestürmt mit tränenverschmierten Gesichtern und rannten direkt auf ihn zu. Zwei Jungen und ein Mädchen, das noch so jung war, dass sie über ihre eigenen kurzen Beine stolperte und längs auf die Nase fiel. Die beiden Jungen wollten ihn mit den Waffen ihrer toten Clansleute angreifen. Er stieß sie mit dem Handrücken von sich und lief weiter. Die Donnerbrüder. Er hatte gehört, dass Inuyasha sie vor ein paar Jahren getötet hatte und dass nur noch die Schwester lebte.
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Alpha Sesshoumaru/Sesshomaru x Gefährte LightYagami | Das weiße Feuer des Hundes
FanficLight Yagami landet in der Sengoku-Ära. Ohne die Macht Kiras, in einer Welt, in der Menschen auf dem Speiseplan von Dämonen stehen, ist Light gezwungen sich dem gefürchtetsten unter ihnen, Sesshoumaru, anzuschließen. Auf der Suche nach einem Weg zur...