Das kleine Lagerfeuer knackte leise, als die Flammen die Holzstücke verschlangen, die Inuyasha am Strand gesammelt hatte. Er saß auf einem Treibholzstamm, der sich unter seinem Gewicht leicht biegte, während er in das Feuer schaute. In seinen Händen hielt er einen Stock. Das Ende hatte er mit seinen scharfen Nägeln zu einer Spitze geschnitzt. Drei Fische steckten darauf, die er mit seinen Klauen aus dem Meer gefangen hatte. Der Duft von gebratenem Fisch erfüllte die kalte Nachtluft und vermischte sich mit dem salzigen Geruch des Meeres.
Inuyasha warf einen flüchtigen Blick auf das kleine Fischerboot, das am Strand lag. Es war nichts Besonderes, aber ausreichend, um sie am Morgen zur Insel zu bringen, auf der das verrückte Weib bereits auf sie wartete. Die Fischer aus dem nahegelegenen Dorf hatten es ihm nach einem kurzen Gespräch überlassen. Zugegeben, er hatte Tessaiga vor ihnen verwandelt, was sie dazu brachte, ihm das Boot eilig zu überlassen. Als er es schließlich den Strand entlang zu Sesshōmaru trug, war er insgeheim erleichtert, dass Kagome nicht mitdabei gewesen war. So sehr er sie auch vermisste – sie hätte ihn längst mit einem scharfen „Sitz!" in den Sand geschickt. Er lieh sich das Boot nur aus, ob es natürlich den Kampf auf der Insel heil überstehen würde, nun daran verschendete er keinen Gedanken.
Inuyasha starrte gedankenverloren ins Feuer. Sesshōmaru saß ihm gegenüber, ebenfalls auf einem großen Stück Treibholz, und wie immer wirkte er ruhig und gelassen. Die Stille zwischen ihnen war angenehm und vertraut. Inuyasha war es gewohnt, dass Sesshōmaru nur mit ihm sprach, wenn es etwas wirklich Wichtiges zu sagen gab. So richtig gefiehl es ihm natürlich nicht, aber ändern konnte er es nicht, also machte er das Beste daraus. Er war heilfroh, dass Sesshōmaru am Lagerfeuer bei ihm geblieben und nicht auf die Idee gekommen war, ohne ihn zur Insel zu fliegen. Sesshōmaru hätte es tun können und Inuyasha wäre mit dem Ruderboot niemals rechtzeitig hinterhergekommen. Wenn er dann endlich die Insel erreicht hätte, wäre der Kampf schon längst vorbeigewesen. Dass Sesshōmaru stattdessen bei ihm blieb und sogar bis zum Morgengrauen wartete, um gemeinsam aufzubrechen, gab Inuyasha ein unerwartetes Gefühl von Trost. Es fühlte sich an, als würde Sesshōmaru auf seine Bedürfnisse als Halbdämon Rücksicht nehmen. Obwohl Inuyasha nicht so viel Schlaf brauchte wie ein Mensch, hatte er nichts dagegen, für ein paar Stunden sich auf Ohr zu hauen, bevor er seine Revanche gegen das verrückte Weib bekam.
Inuyasha biss herzhaft in einen der Fische, die er über dem Feuer geröstet hatte. Der Geschmack war angenehm salzig, aber seine Gedanken schweiften immer wieder ab zu dem bevorstehenden Kampf. Das verrückte Weib hatte ihn bereits einmal besiegt, und er konnte kaum abwarten ihr erneut gegenüberzutreten. Auch wenn sie zusammen auf der Insel ankamen, musste er verhindern, dass Sesshōmaru die Dämonin besiegte, bevor er die Chance dazu bekam, seine Ehre wiederherzustellen. Es war Inuyasha klar, dass es diesmal anders verlaufen musste. Einfach nur mit roher Gewalt auf die Dämonin loszustürmen, wie er es gewohnt war, hatte beim letzten Mal nicht funktioniert. Diese Frau war stark und gerissen.
Er erinnerte sich an die Worte von Sesshōmarus Beta, der ihm geraten hatte, Sesshōmaru im Kampf den Vortritt zu lassen. „Lasst Sesshōmaru-sama kämpfen", hatte der Krähendämon ihm gesagt. „Er wird die Schwachstellen des Yōkais aufdecken. Und dann könnt Ihr zuschlagen, wenn der Moment gekommen ist."
Inuyasha war sich unsicher, ob er das wirklich konnte. Zurückhaltung war nie seine Stärke gewesen. Er stellte sich seinen Gegnern immer direkt, ohne zu zögern. Doch diesmal fragte er sich, ob das der beste Ansatz war. Nachdenklich fuhr er sich durch sein kurzes Haar und seufzte. „Taktik", murmelte er leise, als ihm die Worte von Sesshōmarus Beta in den Sinn kamen. Strategie war nie sein Ding gewesen. In seiner alten Gruppe war es immer Miroku gewesen, der die Pläne schmiedete. Inuyasha wusste, dass ihm dieses Talent fehlte.
Als sie Naraku schließlich vernichtet hatten, war er unglaublich erleichtert gewesen. All die Jahre des Kampfes gegen Naraku und seine Abkömmlinge waren endlich vorbei. Jeder von ihnen hatte unter Narakus Einfluss gelitten: Kagome, Sango, Miroku, er selbst – und auch Kikyo, Kohaku und sogar Rin. Manchmal wünschte er sich, er könnte die Zeit zurückdrehen, nur um wieder mit seinen Freunden und Kagome gemeinsam zu reisen und zu kämpfen. Doch bei diesem Gedanken schämte er sich. Sango und Miroku hatten nun ein glückliches Leben mit ihren drei Kindern, und sie hatten es sich mehr als verdient.
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Alpha Sesshoumaru/Sesshomaru x Gefährte LightYagami | Das weiße Feuer des Hundes
FanfictionLight Yagami landet in der Sengoku-Ära. Ohne die Macht Kiras, in einer Welt, in der Menschen auf dem Speiseplan von Dämonen stehen, ist Light gezwungen sich dem gefürchtetsten unter ihnen, Sesshoumaru, anzuschließen. Auf der Suche nach einem Weg zur...