Das werden die Mönche sein, dachte Light, nachdem er hörte, was der Sprecher zu seinen Begleitern sagte. Doch seine Deckung jetzt verlassen, um auf die Mönche zuzulaufen, wäre, als hätte er im letzten Jahr nichts aus den Situationen gelernt, in denen er fast umgekommen war. Es war immer wichtig in dieser Welt als Mensch äußerst wachsam zu bleiben. Und als allein Reisender musste jeder Schritt dreimal überlegt sein. Zu viel Gesindel streifte umher. Es waren nicht nur die Dämonen, die Menschendorfer überfielen: Räuber, Ronin, Piraten und feindliche Heere plünderten sie, töteten die Männer, vergewaltigten die Frauen und Mädchen und brannten die Hütten nieder.
„Ryuk", wandte er sich flüsternd dem Shinigami zu. „Geh zu ihnen, beobachte sie, dann berichte mir, was du gesehen hast."
Ryuks Grinsen, das fast wie ein Markenzeichen des Shinigami war, wurde noch breiter. Ohne zu zögern, flog er an Light vorbei, glitt lautlos durch einen Baum hindurch und näherte sich der Gruppe von Menschen, die Light in der Dunkelheit kaum ausmachen konnte.
Nun erklang ein neues Geräusch, das er vorhin noch nicht gehört hatte. Ein Schellen, als würden Plättchen aus Metall gegeneinanderfallen. Jemand bewegte sich. Schritte erklangen im Gras, begleitet von dem immer wiederkehrenden, hohen Schellen. Im selben Moment riss die Wolkendecke auf, und der Mond ließ sein fahles Licht auf die Lichtung scheinen. Endlich konnte Light sie sehen: vier Gestalten am Waldrand, dicht beieinanderstehend. Sie trugen lange Gewänder und große Hüte aus Schilf, die ihre kahlen Köpfe bedeckten und sie vor dem Schnee schützten, der womöglich heute Nacht noch fiel. Über ihren Gewändern trugen sie Umhänge aus geflochtenem Stroh, die sie gegen die Nässe schützten – ein guter Schutz, besser als das, was Light selbst trug. Allerdings wusste er, dass ihm sein dicker Fellumhang in dieser kalten Nacht lieber war.
Wieder ertönte das Schellen. Im Mondlicht sah Light etwas Goldenes in der Hand eines der Mönche aufblitzen. Beim näheren Hinsehen erkannte er einen Shakujo, einen Schellenstab. Bei jeder Bewegung schlugen die kleinen Metallringe gegeneinander und erzeugten das charakteristische Geräusch. Der Stab war ein typischer Begleiter eines Wandermönchs. Light erinnerte sich daran, dass Miroku immer einen großen Schellenstab mit sich führte. Die Mönche nutzten sie, um Kriechtiere auf ihren Reisen fernzuhalten – eine absurde Ironie, dachte Light, wenn man bedachte, dass die lauten Geräusche ebenso Dämonen anlocken konnten.
Lights Blick wanderte zu der Silhouette über den Köpfen der Mönche. Ryuk schwebte dort, seine lederartigen Flügel ausgebreitet.
„Wir brauchen etwas zu essen," sagte eine neue Stimme, kräftig und jünger. „Unser Proviant ist aufgebraucht. Hungrig den Heimweg anzutreten, kann wohl kaum in unserem Sinne sein. Meister, lasst uns das Dorf von den Geistern verfluchter Seelen reinigen."
Ein belustigtes Grunzen ertönte. „Ich habe nirgendwo im Dorf eine böse Präsenz gespürt, Bruder Yamata," sagte der Sprecher mit einem Hauch von Belustigung in der Stimme.
„Ihr könnt meinetwegen hungern, Bruder Aoto," entgegnete Yamata gereizt. „Meister, verzeiht mir meinen haltlosen Vorschlag." Er wandte sich respektvoll an den alten Mönch. „Es ist nur... die Dorfbewohner – sie werden uns nicht dafür bezahlen, dass wir ihre Neugeborenen und ihr Dorf segnen. Es wird nicht reichen, mit vollen Bäuchen auf unsere lange Heimreise geschickt zu werden..."
„Warum sollten wir mit knurrenden Mägen heimkehren?" ertönte die ruhige, alte Stimme des Meisters. „Derjenige, der heute Nacht unsere Hilfe sucht, wird uns bezahlen. Vertraut in die göttliche Fügung, Bruder Yamato. Kami-sama sorgt sich um seine Diener."
„Hai – natürlich! Verzeihung, Meister," murmelte Yamato und verbeugte sich mehrfach, als wollte er für seine Gedanken Sühne leisten.
Da nur die Person, die das Death Note berührte, den Shinigami sehen konnte, bemerkte keiner der vier Mönche Ryuk, der kopfüber zwischen ihnen hing wie die Gestalt des Gehängten aus den großen Arkana, und sich dabei langsam drehte wie eine Spieluhr. Sein teuflisches Grinsen, selbst in der Dunkelheit erkennbar, ließ einem einen Schauer über den Rücken jagen. Ryuk war auf Augenhöhe mit den Mönchen und beäugte jeden Einzelnen.
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Alpha Sesshoumaru/Sesshomaru x Gefährte LightYagami | Das weiße Feuer des Hundes
FanficLight Yagami landet in der Sengoku-Ära. Ohne die Macht Kiras, in einer Welt, in der Menschen auf dem Speiseplan von Dämonen stehen, ist Light gezwungen sich dem gefürchtetsten unter ihnen, Sesshoumaru, anzuschließen. Auf der Suche nach einem Weg zur...