Schwarze Sonne

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– Ich halte es für angebracht, wenn Sie zu uns in den Nordflügel ziehen –

Die Fassungslosigkeit war einen Moment lang so groß, dass Harry erstarrt war und sein Gehirn nicht verstand, was gerade passiert war. Und warum.
Er bekam das Handgelenk von Lucius zu fassen und grub instinktiv die Finger in die warme, weiche Haut. Erneut streifte ihn der Atem von dem blonden Schönling.

Was glauben Sie, warum Sie hier sind?

Der Gryffindor verzog das Gesicht. Ja, was glaubte er eigentlich, warum er hier war? Fieberhaft zerbrach er sich den Kopf und biss sich auf die Lippen.

– Denk nach, Harry. Denk nach. –

Wenn Lucius vorschlug, dass er zu ihnen ziehen sollte, bedeutete es zweifellos, dass er einen Wert für die beiden hatte. Einen Wert, den er zweifellos unterschätzt hatte.
„Wann haben Sie das entschieden?"
„Gerade eben, Mr Potter."
„Nicht im Ernst ..."
Harry versuchte das Gefühlschaos in sich zu ordnen und kniff die Augen zusammen. Snapes Fingerspitzen strichen leicht über seine Wangenknochen und er konnte den Atem seines anderen Widersachers auf sich spüren.
„Ich bin nicht hier, um Ihre Spielchen zu spielen. So viel sollte gesagt sein."
Aufgebracht stemmte der Bursche die Beine in den Boden und drückte sich, so fest er konnte, gegen Lucius, um Snapes Finger abzuschütteln.
Es half leider nicht. Vor allem dann nicht, als er am Kinn gepackt und festgehalten wurde.
Einen Wimpernschlag später gab der Gryffindor sich seiner Frustration hin. Er ignorierte die drohenden Konsequenzen, riss den Fuß hoch und ließ ihn warnend nieder krachen. Snape riss die Augen auf, zögerte allerdings. Dieser Sekundenbruchteil wurde seinem verhassten Lehrer zum Verhängnis.
Mit Wucht trat er der schmierigen Fledermaus gegen Schienbein und grinste böse, als Severus zurückzuckte und sein Gesicht losließ.
„Verflucht, POTTER!", knurrte er ungehalten und stieß einen langen, kehligen Fluch aus.
Harry trat abermals mit voller Kraft aus, doch diesmal wich Snape rechtzeitig aus.

– Schade.–

„Was erlauben Sie sich?"
„Alles, was ich will, wie Sie sehen. Sind Sie nicht immer auf alles vorbereitet?", höhnte der Gryffindor zähneknirschend und versuchte sich erneut aus der Umklammerung zu winden. Verdammt, egal wie sehr er auch versuchte, er konnte sich nicht befreien. Lucius ließ nicht locker und wagte es, sogar das Kinn auf seinen Scheitel zu legen.
„Mit dieser Reaktion hätte ich nicht gerechnet", fauchte der Lehrer ungehalten zurück und der Goldjunge verdrehte die Augen.
„Wie man unschwer sehen konnte, Professor."
„Hegen Sie etwa Todessehnsüchte?", knurrte der Zaubertrankmeister und der Bursche fragte sich dasselbe.
Er zog die linke Augenbraue nach oben und ihm kamen Hunderte entsprechende Antworten in den Sinn, doch er war wieder einmal erstarrt.
„Irgendwie schon, glaube ich", erwiderte Harry leise.
„Ach, wirklich? Sie haben keine Angst vor dem Tod?"
Snape zischte wie eine Schlange.
„Warum sollte ich?", donnerte der Bursche ungehalten zurück.
„Ich wusste schon immer, dass ich früh sterben werde."
„Warum?"
Snapes Stimme war der Eiszeit entsprungen und er wirkte wie ein dunkler Schatten. Vielleicht hatte der Zaubertrankmeister doch ein paar Dementoren in seiner Verwandtschaft.
„Ich fragte Sie, warum, Potter?"
Harry lachte dunkel und düster auf. Ein beruhigend dunkles Gefühl durchfuhr ihn und es fühlte sich gut an.
„Ich denke nicht, dass ich das erklären muss."
Snape straffte die Schultern und richtete den Kopf gerade. Der Gryffindor schluckte, als die dunklen Augen ihn durchbohrten. Wieder rückte der Ältere näher, hielt aber inne, als sich seine Lippen zu kräuseln begannen.
„Wollen wir herausfinden, wie zielgerichtet Sie wirklich sind?"
Er hob langsam die Hand und legte sie Harry um den Hals und drückte zu. Die kühlen Fingerspitzen gruben sich tief in seine Haut und das Innenleben des Burschen fing Feuer. Für den Bruchteil weniger Sekunden bekam er keine Luft, dann wurde es anders. Die innere Stimme, die so verhasst war, meldete sich zu Wort.

Three souls - one fate Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt