Die Sonne stand hoch am Himmel, als ich durch die verschlungenen Pfade des Rudelgeländes lief. Der Wind raschelte sanft durch die Blätter der Bäume, doch in mir war nichts von dieser Ruhe zu spüren. Rider war am Morgen früh aufgebrochen, um sich um Geschäfte des Rudels zu kümmern. Ich hatte ihm zum Abschied ein Lächeln geschenkt, das nicht so viel Sicherheit ausstrahlte, wie ich es gern gehabt hätte.
Er wusste nicht, wie sehr mir die Blicke und das Schweigen des Rudels zusetzten. Und das sollte auch so bleiben. Rider hatte genug Verantwortung auf seinen Schultern, und ich wollte ihm nicht noch mehr Sorgen bereiten. Ich hatte beschlossen, das Problem selbst anzugehen. Wenn ich mich bewähren würde, wenn ich zeigen konnte, dass ich mehr war als nur Riders Gefährte, würde das Rudel mich vielleicht akzeptieren.
Mit neuem Elan machte ich mich auf den Weg zur Kindertagesstätte des Rudels. Kinder hatten mich schon immer aufgemuntert, und ich hoffte, dass ich hier etwas beitragen konnte. Als ich das kleine, gemütliche Gebäude betrat, begrüßte mich der vertraute Duft von warmem Holz und frischer Farbe. Eine Gruppe Welpen spielte laut lachend in der Ecke, während eine Erzieherin, eine ältere Frau namens Greta, am Tisch saß und ein Puzzle zusammensetzte.
„Guten Morgen", sagte ich freundlich und trat näher.
Sie blickte auf, ihre Augen musternd. „Henry. Was kann ich für dich tun?"
„Ich wollte fragen, ob ich hier vielleicht aushelfen kann. Ich habe gerade etwas freie Zeit und dachte, ich könnte mich nützlich machen."
Ihre Lippen zogen sich zu einem dünnen Lächeln. „Das ist nett von dir, aber wir haben hier genug helfende Hände. Danke für das Angebot."
Ich öffnete den Mund, um etwas zu entgegnen, doch ihre Haltung ließ keinen Zweifel daran, dass sie das Thema für beendet hielt. Mit einem Kloß im Hals nickte ich und verließ die Kindertagesstätte, die Freude der Welpen hinter mir zurücklassend.
Mein nächster Versuch führte mich zur Baustelle des Rudels. Ein neues Haus wurde gebaut, ein Projekt für ein junges Paar, das bald Nachwuchs erwartete. Vielleicht konnte ich hier helfen – ich hatte zwar keine Erfahrung im Bauwesen, aber ich war bereit zu lernen.
Ich trat vorsichtig an die Baustelle heran, wo mehrere Wölfe eifrig arbeiteten. Staub wirbelte durch die Luft, und das rhythmische Hämmern von Werkzeugen erfüllte den Platz.
„Hey", rief ich einem der Männer zu, den ich als Vorarbeiter identifizierte. „Ich wollte fragen, ob ich hier mithelfen kann."
Er musterte mich kurz, bevor er sich wieder seiner Arbeit zuwandte. „Danke, aber wir kommen gut zurecht."
„Ich könnte Werkzeug holen, Material schleppen oder..."
„Henry", unterbrach er mich, ohne mich anzusehen. „Wir haben alles unter Kontrolle."
Seine Worte ließen keinen Raum für Diskussionen. Ich drehte mich um und ging, meine Enttäuschung schwer auf den Schultern lastend.
Als ich schließlich nach Hause zurückkehrte, spürte ich die Last des Tages deutlicher denn je. Rider war noch nicht zurück, und das Haus war still. Ich zog meine Schuhe aus, ging in den Garten und schnappte mir die kleine Hacke, die an der Wand lehnte.
Unkraut jäten. Das war wohl das Einzige, was ich heute bewältigen konnte.
Während ich mich auf den Boden kniete und begann, die unerwünschten Pflanzen aus der Erde zu ziehen, schwirrten die Gedanken in meinem Kopf wie lästige Fliegen. Die Skepsis des Rudels schnitt tiefer, als ich es erwartet hatte. Egal, was ich tat, es fühlte sich an, als würde ich immer wieder abgelehnt werden.
Die Erde unter meinen Händen war kühl und beruhigend, und doch brannte ein bitterer Knoten in meiner Brust. Ich wollte nicht, dass Rider davon erfuhr, wie sehr mich das alles mitnahm. Er war mein Fels, aber ich wollte auch sein sein.
Ein tiefes Seufzen entfuhr mir, als ich das letzte Stück Unkraut in den Eimer warf und mich auf die Hacke stützte. Die untergehende Sonne tauchte den Garten in ein warmes Licht, das in einem anderen Moment vielleicht tröstlich gewesen wäre.
Doch in diesem Moment fühlte ich mich allein.
Die Sonne war bereits hinter den Bäumen verschwunden, als Rider nach Hause kam. Die Tür öffnete sich mit einem leisen Knarren, und sein vertrauter Duft erfüllte den Raum. Ich stand in der Küche und rührte in einem Topf, das Abendessen fast fertig.
„Henry? Ich bin zurück", rief er, und ich hörte, wie er seine Jacke an die Garderobe hängte.
„In der Küche", antwortete ich und versuchte, meine Stimme so ruhig wie möglich klingen zu lassen.
Er trat ein, ein müdes Lächeln auf den Lippen, und ging direkt auf mich zu. „Hey."
Seine Arme schlangen sich um mich, und ich spürte die Wärme seiner Berührung. „Hey", sagte ich leise zurück, lehnte meinen Kopf kurz gegen seine Brust, bevor ich mich löste, um das Essen aufzutischen.
Wir setzten uns gemeinsam an den Tisch, und ich stellte die Teller mit dem dampfenden Eintopf vor uns ab. Rider griff nach meinem Handgelenk, bevor ich beginnen konnte zu essen.
„Danke, dass du gekocht hast", sagte er, und seine Stimme klang ehrlich dankbar.
„Natürlich", antwortete ich und zwang ein Lächeln auf mein Gesicht.
Während wir aßen, erzählte Rider von seinem Tag. Es war ein langer Tag voller Entscheidungen, die nur der Alpha treffen konnte – Streitereien zwischen Rudelmitgliedern, die Pläne für den Ausbau des Rudelgeländes, Besprechungen mit anderen Alphas. Ich nickte an den richtigen Stellen, sagte hin und wieder „Das klingt anstrengend", doch in Wahrheit war mein Kopf ganz woanders.
Nach einer Weile musterte er mich genauer. „Und du? Wie war dein Tag?"
Die Frage traf mich unerwartet, und ich hielt inne, der Löffel schwebte in der Luft. „Oh, nichts Besonderes", sagte ich schnell. „Ich habe mich ein bisschen im Garten beschäftigt. Nichts, worüber es sich zu reden lohnt."
Er zog die Augenbrauen zusammen, als ob er wusste, dass ich ihm nicht alles erzählte. „Bist du sicher? Du wirkst... nachdenklich."
„Es geht mir gut", antwortete ich und zwang mich, einen lockeren Tonfall anzunehmen. „Ich bin nur ein bisschen müde."
Rider musterte mich noch einen Moment, bevor er nickte. „Okay", sagte er leise.
Ich war ihm dankbar, dass er nicht weiter nachfragte, auch wenn sein Blick mir zeigte, dass er sich Sorgen machte.
Ich ging früh ins Bett und ließ Rider in der Küche zurück, wo er den Abwasch übernahm. Das Zimmer war ruhig und kühl, und ich schlüpfte unter die Decke, zog sie bis zum Kinn. Meine Gedanken wirbelten, aber ich zwang mich, still zu liegen und die Augen zu schließen.
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Mein Leben als Omega (bxb,Mpreg)
FantasyLuke lebt als Omega in einem Werwolf-Rudel, einer Position, die ihm nicht nur geringes Ansehen, sondern auch viele Herausforderungen einbringt. Tief in seinem Herzen sehnt er sich nach Respekt, Akzeptanz und seiner wahren Liebe - seinem Gefährten. H...
