Kapitel 12

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POV: Liam

Die Nacht war wieder einmal eine dieser endlosen Stunden, in denen ich einfach nicht schlafen konnte. Keine Ahnung, warum. Vielleicht lag es an den Gedanken, die in meinem Kopf herumwirbelten, oder an der Tatsache, dass ich einfach nicht abschalten konnte. Jedenfalls war der Schlaf, den ich so dringend brauchte, wieder einmal nicht zu finden.

Ich hatte mich in die Decke eingewickelt und mich in meinem Bett hin und her gewälzt, aber es half nichts. Also machte ich, was ich immer tat, wenn der Schlaf mich verließ: Ich lag da und dachte nach. Dachte an Balthazar. Dachte an uns. Denn irgendwie wusste ich, dass ich bei ihm angekommen war. Er war mein Mate, derjenige, der mir das Gefühl gab, dass irgendetwas Großes zwischen uns lag. Es war keine einfache Verknalltheit, es war mehr als das. Eine Art Liebe, die über das hinausging, was ich kannte, aber gleichzeitig auch eine Liebe, die ich nie wirklich ausdrücken konnte.

Am liebsten hätte ich ihm alles gesagt – all die Gedanken, die ich den ganzen Tag über in meinem Kopf trug. Aber es war kompliziert. Er war älter, erfahrener und ein bisschen außerhalb meiner Reichweite, auch wenn er das wahrscheinlich nicht wusste. Und dazu kam noch das Rudel-Ding. Jack war mein älterer Bruder, der Alpha, und das machte alles noch schwieriger. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie Balthazar auf all das reagieren würde, was ich für ihn empfand.

Trotzdem musste ich irgendwie funktionstüchtig bleiben. Ich zwang mich, aufzustehen, das Frühstück zu essen und Jack zu ignorieren, der, wie immer, mit einem fragenden Blick in der Küche stand. Aber was sollte ich ihm auch sagen? Dass ich immer noch an Balthazar dachte, auch wenn ich es besser nicht tun sollte?

„Komm schon, Liam, du musst los", sagte Jack, der mich mit einem genervten Blick ansah, als ich mich langsam in meinen Mantel warf. Doch auch seine Worte konnten mich nicht wirklich erreichen. Ich war in Gedanken bei Balthazar, bei dem, was ich mir für uns beide wünschte, und das machte alles andere unwichtig. Ich verabschiedete mich und machte mich auf den Weg zur Schule.

Der Tag zog sich, wie jeder andere auch. Als ich meinen Platz in der vierten Reihe einnahm, bemerkte ich, dass Balthazar noch nicht da war. Eigentlich war das nichts Ungewöhnliches, aber heute war ich besonders nervös. Ich wollte ihn sehen, wollte, dass er einfach hier war. Er war das, woran ich dachte, seit ich aufgewacht war. Die Vorstellung, dass er nicht kommen würde, ließ einen stechenden Schmerz in meiner Brust zurück.

„Wo bleibt Balthazar?" flüsterte Niall neben mir, während er versuchte, mich in ein Gespräch zu verwickeln, aber ich konnte kaum zuhören. Meine Gedanken waren bei Balthazar.

Als schließlich die Minuten verstrichen und er immer noch nicht da war, begann ich mir Sorgen zu machen. „Er muss eigentlich schon längst hier sein", murmelte ich, und Niall sah mich mit einem besorgten Blick an. „Du bist doch nicht nervös, oder?", fragte er, was ich mit einem leichten Kopfschütteln abtat.

Aber in mir wuchs ein mulmiges Gefühl, das ich nicht abschütteln konnte. Nach zehn Minuten, als ich schon fast den Glauben an die Vorstellung verloren hatte, dass er noch auftauchen würde, hörte ich ein Klopfen an der Tür. Alle Blicke der Schüler richteten sich sofort auf die Tür, und ich wusste, dass jetzt etwas Ungewöhnliches passieren würde.

Ich spürte, wie sich meine Brust zusammenzog, als die Tür sich öffnete und ein braunhaariges Mädchen den Raum betrat. Alle hielten den Atem an. Sie war niemand, den ich kannte, und ich bemerkte, wie sich die Blicke der anderen Jungs auf sie richteten. Natürlich. Sie war hübsch, das konnte man nicht leugnen.

Doch mein Blick blieb an der Tür hängen, als sie sich plötzlich wieder öffnete und Balthazar hereinkam. Endlich. Ich war froh, ihn zu sehen, doch das merkte ich wohl nur an der Erleichterung in meinem Gesicht. Gleichzeitig war da ein stechendes Gefühl, das mich übermannte, als ich ihn in seinem Outfit sah – wie immer gut gekleidet, wie immer dieser gewisse Charme, der ihn so besonders machte. Und dieser Duft. Dieser Duft, den ich immer wieder erkannte. Er war wie eine Droge für mich, und jedes Mal, wenn ich ihn roch, konnte ich mich nicht dagegen wehren.

Er ging ohne ein weiteres Wort zu sagen an den Tisch, nahm seinen Platz in der letzten Reihe ein und ignorierte die lauten Kommentare der anderen, die sich über seine Verspätung lustig machten. Es war immer dasselbe, aber für mich war es kein Grund zur Belustigung. Ich konnte nicht aufhören, ihn zu beobachten. Er sah einfach so gut aus.

Ich wollte ihm am liebsten einfach sagen, wie sehr ich ihn mochte, wie sehr er mir bedeutete. Doch in diesem Moment war mir klar, dass er mich wahrscheinlich nicht in der gleichen Weise sehen würde. Vielleicht war das auch besser so, dachte ich, aber gleichzeitig fragte ich mich, wie lange ich noch an ihm festhalten konnte.

Während das Mädchen sich dann vorstellte und alle möglichen Fragen über ihre Vergangenheit gestellt wurden, dachte ich nur an Balthazar. Wie er immer wieder mit seinen Händen durch sein braunes Haar fuhr, wie er versuchte, den Unterricht zu ertragen, als würde er damit nichts zu tun haben. Dabei wusste ich, dass er genauso wenig auf Mathe stand wie ich. Aber der Unterricht war für uns beide nur ein Nebenschauplatz.

Und als Herr Zech endlich mit dem Unterricht fortfuhr, konnte ich mich nicht wirklich darauf konzentrieren. Meine Gedanken waren immer bei Balthazar. Und wahrscheinlich würde das auch so bleiben, solange er in meiner Nähe war. Denn eines war sicher: In meinem Kopf gab es nur einen Namen, den ich immer wieder murmelte – Balthazar.

Mein Leben als Omega (bxb,Mpreg)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt