POV: Balthazar
Der schrille Klang meines Weckers durchbrach die Stille meines Zimmers. Es war 5:40 Uhr, wie immer. Doch an diesem Morgen war ich zu müde, um mich mit dem Gedanken an einen neuen Tag auseinanderzusetzen. Ich hatte das Gefühl, der Schlaf würde mir die Energie zurückgeben, die ich für den ganzen Tag brauchen würde. Ich schaltete den Wecker aus, drehte mich auf die andere Seite und vergrub mein Gesicht in den Kissen. Ein paar Minuten... nur noch ein paar Minuten.
Ich war mir sicher, dass ich noch eine Weile schlafen könnte, als ich plötzlich die vertraute Stimme meiner Mutter aus dem unteren Stockwerk hörte. Sie rief meinen Namen, die Töne einer Mischung aus Sorge und Ungeduld in ihrer Stimme. „Balthazar, du wirst schon wieder zu spät kommen!"
Ich hatte schon lange aufgehört, darauf zu reagieren. Es war nichts Neues. Ich drehte mich einfach wieder um und ignorierte die Welt um mich herum. Ich hatte genug Zeit, um mich fertig zu machen. Als ich dann nach einer weiteren halben Stunde das Zimmer verließ, machte ich es mir zur Gewohnheit, mir beim Frühstück noch mehr Zeit zu lassen, nur um meine Mutter ein wenig zu ärgern. Sie wusste, dass es nichts brachte, mich zu hetzen, aber das änderte nichts an ihrem festen Glauben, dass der Tag besser begann, wenn man ihn „pünktlich" begann.
„Balthazar, du wirst das irgendwann bereuen", sagte sie, als ich mich mit einem übertriebenen Lächeln von ihr verabschiedete. Ihr Blick war eine Mischung aus liebevoller Besorgnis und dem ständigen Frust, mich auf Trab zu bringen.
„Glaub mir, Mama, ich bereue das nie", murmelte ich, während ich die letzte Scheibe Brot in meinen Mund schob und schnell das Haus verließ. Draußen war es noch kühl, der Frühnebel hing in der Luft, aber ich spürte, dass der Tag mir sowieso keine Freude bereiten würde – und dennoch fühlte ich mich wie der Herr meines eigenen kleinen Universums.
Auf dem Weg zur Schule hatte ich viel Zeit, nachzudenken. Am meisten dachte ich an ihn. An Liam.
Ich wusste, dass es sinnlos war, aber ich konnte meine Gedanken nicht abstellen. Wie sollte ich mich verhalten? Warum musste er so perfekt sein? Jedes Mal, wenn ich ihn sah, schlug mein Herz schneller. Er war erst 14, hochbegabt und der Bruder von Jack, dem Alpha des Rudels. Das bedeutete, dass er für mich unerreichbar war. Und doch konnte ich den Gedanken nicht ablegen, dass es mehr gab, was ich nicht sehen konnte. Etwas an ihm, das mich unaufhörlich anzog.
Warum nur war ich so ein Idiot? Wieso konnte ich nicht einfach aufhören, von ihm zu träumen? Es würde nie etwas zwischen uns geben, da war ich mir sicher. Trotzdem konnte ich nicht anders, als mir vorzustellen, wie es wohl wäre, ihn näher kennenzulernen. Doch dazu war ich viel zu feige und viel zu bewusst, wie wenig eine Person wie er für jemanden wie mich übrig haben würde.
Als ich das Klassenzimmer betrat, war es wie immer. Es war ein bisschen zu warm und etwas zu chaotisch. Die Schüler quatschten miteinander, der Lehrer, Herr Zech, schien gerade mit seinen Vorbereitungen beschäftigt zu sein. Aber ich konnte mich nur schwer auf irgendetwas konzentrieren, während ich den Raum absuchte.
Dann entdeckte ich ihn – Liam. Er saß ganz hinten und zeichnete etwas in seinem Block. Diese ruhige, konzentrierte Art, mit der er den Stift hielt, ließ mich für einen Moment alles um uns herum vergessen. Ich fragte mich, was er da wohl zeichnete. Vielleicht war es eine Karte, vielleicht ein Bild aus seiner Fantasie. Alles, was ich wusste, war, dass ich für einen Moment alles andere ausblenden konnte, wenn ich nur in seine Richtung sah.
Es war so verdammt schwer, sich nicht in ihm zu verlieren. Seine schlanken Hände, wie sie den Stift führten. Der leise Ausdruck seiner Konzentration, der sein Gesicht durchzog. Jedes Detail an ihm schien perfekt zu sein. Ich wollte wissen, was er dachte, was ihn beschäftigte. Aber ich wusste, dass ich nie genug Mut haben würde, ihn danach zu fragen. Nicht, dass er sich für mich interessieren würde. Ich war nur ein weiterer Typ, der in der Klasse saß und der sich immer wieder in Tagträume über den Jungen verlor, der ihm so unerreichbar schien.
Was noch schlimmer war: Liam hatte es geschafft, in einem Meer von Menschen völlig unauffällig zu bleiben. Selbst jetzt, als ich versuchte, ihn zu beobachten, schien er mich nie wirklich wahrzunehmen. Er war wie ein Leuchtturm in einem Meer aus Dunkelheit, aber er wusste nicht einmal, dass ich da war, in der Nähe, immer nur ein stiller Beobachter.
Das Mädchen vorne an der Tafel hatte inzwischen begonnen, etwas zu erklären, aber ich schenkte ihr keine Beachtung. Es war, als ob alles, was um mich herum geschah, in den Hintergrund trat. Die Stimmen der anderen Schüler, das Rascheln von Papieren – alles war nur ein Rauschen, das in meinen Ohren verklang, während ich weiter Liam betrachtete.
Es war wahrscheinlich dumm, so zu denken. Was sollte das schon bringen? Aber als ich bemerkte, dass er immer noch in seinem Block zeichnete, fühlte ich, wie mein Herz schneller schlug. Vielleicht wollte er mit den Zeichnungen etwas ausdrücken. Vielleicht hatte er Gedanken, die er in seinen Bildern festhielt. Ich konnte nur hoffen, dass eines dieser Bilder irgendwie mich zeigen würde – auch wenn es nur in seinen Träumen war.
Die Stunden vergingen, und ich fand mich immer wieder in den Momenten des Schauens und Trauerns, in denen ich wünschte, mehr über ihn zu erfahren. Doch es war klar, dass er nur ein weiterer Traum blieb. Unerreichbar. Und so musste ich mich wieder auf den Unterricht konzentrieren – auch wenn der Gedanke an ihn nie ganz verschwand.
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Mein Leben als Omega (bxb,Mpreg)
FantasyLuke lebt als Omega in einem Werwolf-Rudel, einer Position, die ihm nicht nur geringes Ansehen, sondern auch viele Herausforderungen einbringt. Tief in seinem Herzen sehnt er sich nach Respekt, Akzeptanz und seiner wahren Liebe - seinem Gefährten. H...
