Kapitel 38

233 6 1
                                        

Der Tag begann wie jeder andere, doch heute spürte ich eine andere Energie in mir. Es war ein Funken Entschlossenheit, der in meinem Inneren flackerte und mich vorwärts trieb. Rider war schon früh aufgebrochen, um sich um die Geschäfte des Rudels zu kümmern, und ich stand auf, als der erste Sonnenstrahl durch das Fenster drang. Es war ein neuer Tag, und ich hatte beschlossen, dass ich nicht mehr in den Schatten der Ablehnung stehen würde. Dieses Mal würde ich es anders machen.

Ich hatte es satt, mich von den ständigen Zurückweisungen der letzten Tage brechen zu lassen. Die Wunden, die sie mir geschlagen hatten, waren noch frisch, doch ich hatte genug von der passiven Rolle, die ich in diesem Rudel einnahm. In meinem alten Rudel wusste ich, dass eine helfende Hand immer willkommen war – in der Küche, bei der Pflege, bei der Arbeit. Ich wollte genau das tun.

Mit festem Schritt machte ich mich auf den Weg zum Rudelkrankenhaus. Der weiße, moderne Bau stand etwas abseits des Hauptgeländes und wirkte schon von außen geschäftig. Das war genau das, wonach ich suchte: ein Ort, an dem immer Hilfe gebraucht wurde.

Als ich die Tür aufschob, wehte mir der dezente Geruch von Desinfektionsmittel entgegen. Krankenschwestern und Pfleger eilten an mir vorbei, und die Empfangsdame war so beschäftigt, dass sie mich kaum bemerkte. Das störte mich nicht. Ich wusste, wo ich hinmusste.

Ich fand das Büro des Chefarztes schnell. Auf dem Namensschild an der Tür stand „Dr. Franklin". Ich klopfte an und trat ein, ohne lange zu zögern.

Dr. Franklin, eine ältere Frau mit strengem Blick und grauem Haar, schaute von ihrem Schreibtisch auf. „Kann ich Ihnen helfen?" fragte sie knapp.

„Ja, ich möchte hier helfen", sagte ich bestimmt.

Sie zog die Augenbrauen hoch. „Wir haben genügend Personal."

Ich ließ sie gar nicht erst weiterreden. „Ich habe regelmäßige Erste-Hilfe-Kurse gemacht", begann ich, meine Stimme fest und klar. „In meiner alten Stadt war ich freiwilliger Rettungssanitäter bei den Junioren, und in der Schule habe ich den Kurs für medizinische Grundlagen belegt. Ich bin also durchaus qualifiziert für leichte Pflegearbeiten – und ich möchte diese Fähigkeiten nutzen, um hier zu helfen."

Für einen Moment schien sie sprachlos. Dann nickte sie langsam, ein anerkennender Ausdruck in ihren Augen. „Das ist beeindruckend", sagte sie schließlich. „Na gut. Es gibt immer Arbeit, die liegen bleibt. Mal sehen, was Sie leisten können."

Sie gab mir ein paar einfache Aufgaben: Medikamente nachfüllen, Patientenakten sortieren, und später durfte ich sogar bei der Versorgung kleinerer Verletzungen assistieren. Doch für mich war es ein befreiendes Gefühl. Ich konnte endlich etwas tun, und das Gefühl, einer der eigenen zu sein, erfüllte mich mit einer Ruhe, die ich lange nicht gekannt hatte.

Im Laufe des Tages wuchs meine Zuversicht. Ich merkte, wie sich mein Wolf beruhigte, wie die Unsicherheit langsam wich. Ich hatte meine Aufgabe gefunden, und ich wollte mehr davon. Dr. Franklin lobte mich am Ende des Tages für meine schnelle Auffassungsgabe und meine ruhige Art im Umgang mit den Patienten. Es fühlte sich gut an, wirklich gebraucht zu werden.

Ich verließ das Krankenhaus mit einem Lächeln auf den Lippen und einer neuen Energie in mir. Die Frustrationen der letzten Tage schienen plötzlich in den Hintergrund zu treten. Ich wusste, dass ich noch viel mehr zu geben hatte, und ich war bereit, dafür zu kämpfen, dass das Rudel mich als Henry akzeptierte.

Als ich nach Hause kam, hatte ich das Abendessen bereits vorbereitet. Rider war noch immer mit Rudelangelegenheiten beschäftigt und kam später als gewöhnlich zurück. Aber als er durch die Tür trat und mich mit einem kurzen Lächeln begrüßte, spürte ich, dass er merkte, dass etwas anders war.

Mein Leben als Omega (bxb,Mpreg)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt