Kapitel 8

7.9K 224 6
                                        

Nach 90 Minuten Qual, die sich anfühlten wie ein ganzes Leben, haben wir es endlich geschafft. Das Klingeln ertönte, und wie immer stürmten alle aus dem Klassenraum, als ob sie um ihr Leben rannten. Alle, außer mir, natürlich.

Ich wäre nicht ich, wenn ich mir nicht immer alle Zeit der Welt ließe. Denn wer hat gesagt, dass hektisches Packen unbedingt gesund ist? Für mich war das ein Sport, den ich nicht betreiben wollte. Langsam packte ich meine Sachen, schob alles, was auf meinem Tisch lag, in meine Tasche und tippte noch schnell eine Nachricht, bevor ich mich endgültig auf den Weg machte. Schließlich bin ich ja immer der Letzte, der den Raum verlässt, das wusste jeder.

„Komm schon, Luke, du verschläfst gleich den Rest des Tages", rief mir Henry von der Tür aus zu. Er hatte es natürlich schon wieder geschafft, sich als Erster fertig zu machen.

„Komm, du bist doch auch nicht der Schnellste", antwortete ich grinsend und schloss noch schnell meinen Laptop, bevor ich meine Tasche schultern wollte.

„Du bist wirklich der Letzte, der immer geht, oder?" Henry lachte, als ich endlich das Klassenzimmer verließ. „Na ja, wie auch immer, viel Spaß noch, alter Langsamstarter."

„Schau dir bloß dein Tempo an", erwiderte ich, als ich das Klassenzimmer verließ. Doch dann, auf dem Flur, sah ich ihn. Jack.

Er stand da mit einem breiten Grinsen und kam auf mich zu. In dem Moment konnte ich nicht anders, als ebenfalls zu lächeln. Es war einfach so – jedes Mal, wenn er mich ansah, konnte ich nicht aufhören zu grinsen. Es war fast schon unangenehm, wie schnell man in jemanden verliebt werden konnte, vor allem in jemanden wie Jack.

„Na, was machst du denn so lange?" fragte er, und seine Stimme klang warm und einladend.

„Ich bin eben kein Fan von Hektik", antwortete ich mit einem Lächeln.

„Du solltest dich mal anstrengen", grinste er zurück und deutete auf die Tür, als ob er mir den Weg zeigen wollte. „Willst du, dass ich dir den Raum halte?"

„Ich kann das selbst, danke." Ich rollte mit den Augen, aber innerlich war ich ein bisschen gerührt, dass er so auf mich achtete.

„Bist du sicher, dass es dir nichts ausmacht?" fragte er dann, als er näherkam. „Stört es dich, wenn ich dich jetzt immer von deinen Räumen abhole und zum nächsten bringe?" Die Frage kam fast schon schüchtern, als wäre er unsicher, ob das okay für mich war.

„Ehm... nein, es stört mich nicht", antwortete ich, überrascht, wie süß er das alles machte. Er schien sich wirklich Gedanken zu machen, und das war einfach... unglaublich.

„Okay, dann abgemacht", sagte er und nickte mir zu, als er sich entschied, mit mir zu gehen. „Ich hole dich immer ab, bis du es nicht mehr willst."

Als wir bei der Tür des nächsten Raumes angekommen waren, gab er mir einen Kuss auf die Wange, wie gestern. Wieder war es ein Moment, in dem ich einfach dahinschmelzte. Doch wenn ich jetzt so drüber nachdenke, dann glaube ich, dass dieser Kuss ein kleines Stückchen näher an den Mundwinkel gewandert war als der letzte. Ein klitzekleines Stück nur – aber trotzdem.

„Na, was ist los? Alles okay?" fragte Jack, als er sah, dass ich einen Moment lang einfach nur da stand und grinste.

„Äh, ja... alles gut", antwortete ich und versuchte, meine Gedanken zu ordnen. „Ich... ich geh dann mal rein, bevor der Unterricht beginnt."

„Viel Spaß", sagte er mit einem Augenzwinkern. „Ich hol dich nach der Stunde ab."

„Okay", erwiderte ich, während ich in den Raum ging und mich auf meinen Platz setzte.

Es war seltsam, aber auch irgendwie beruhigend. Der Unterricht verlief wie immer, doch meine Gedanken drifteten immer wieder zu Jack ab. Was war das zwischen uns? Was, wenn es nur eine Phase war? Oder war es mehr?

Die Stunde verging schneller als erwartet, und als das Klingeln ertönte, war ich froh, dass die Pause kam. Jack hatte mir versprochen, mich abzuholen, und ich konnte es kaum erwarten, ihn wiederzusehen.

Als ich vor der Tür stand, kam er schon auf mich zu, diesmal mit einem selbstbewussten Grinsen. „Bereit für die nächste Runde?" fragte er und öffnete mir die Tür zu meinem nächsten Klassenzimmer.

„Für was?" fragte ich, aber ein Lächeln spielte auf meinen Lippen.

„Für das Abenteuer deines Lebens", sagte er mit einem Zwinkern, und ich musste lachen.

„Abenteuer, hm? Mal sehen, was du dir so darunter vorstellst", antwortete ich, als wir den Gang entlanggingen.

In der Mittagspause gingen Jack und ich dann zu meinen und jetzt auch seinen Freunden, Henry und Balthazar. Ich hatte am Anfang ein mulmiges Gefühl. Was, wenn Jack sie nicht leiden konnte? Was, wenn sie ihn nicht mochten? Doch dann bemerkte ich, wie sie miteinander redeten. Sie scherzten, lachten, und es schien, als würden sie sich wirklich gut verstehen.

„Alles klar bei euch?" fragte Henry und sah von Jack zu mir. Es war offensichtlich, dass er sich freute, Jack zu sehen. „Du bist ja jetzt ein fester Teil der Gruppe, oder?"

„Sieht so aus", antwortete Jack mit einem Grinsen. „Ich hoffe, das ist okay."

„Klar, auf jeden Fall", sagte Balthazar, und seine Miene erweckte den Eindruck, dass er wirklich hinter der Sache stand.

„Ich freu mich wirklich, dass ihr euch so gut versteht", sagte ich und lächelte, als ich Jack ansah.

„Ich mich auch", antwortete Jack und legte seine Hand auf meinen Rücken, als er sich zu mir beugte. Es war eine einfache Geste, aber sie bedeutete mir so viel. Und in diesem Moment wusste ich, dass alles irgendwie möglich war – und dass das, was zwischen uns war, vielleicht etwas ganz Besonderes wurde.

„Was habt ihr heute noch vor?" fragte Henry, als er sich zu uns drehte.

„Eigentlich nichts geplant", antwortete ich. „Aber vielleicht könnten wir später noch etwas zusammen machen."

„Klingt gut", sagte Jack, und wir setzten unser Gespräch fort, während der Rest des Mittagessens vor sich hinplätscherte.

Es fühlte sich irgendwie leicht an, einfach nur zusammen zu sitzen, zu reden und zu lachen. Und in diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass vielleicht alles, was zwischen uns stand, nicht so unüberwindbar war. Vielleicht war das der Beginn von etwas, das größer war als wir beide.

Mein Leben als Omega (bxb,Mpreg)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt