Kapitel 37

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Als die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster fielen, war Rider bereits aus dem Haus, um sich um seine Aufgaben als Alpha zu kümmern. Ich hatte ihm ein flüchtiges „Pass auf dich auf" hinterhergerufen, doch die Worte fühlten sich hohl an. Der Knoten in meiner Brust von gestern war noch da, und obwohl ich mich nach einem Moment des Zögerns in den Tag stürzte, wurde es nicht besser.

Mein Plan war klar: Ich wollte weiterhin versuchen, mich nützlich zu machen und mich so Stück für Stück in das Rudel einfügen. Doch genau wie am Tag zuvor schien niemand bereit, mich wirklich einzulassen.

Ich begann meinen Tag auf der Baustelle. Dort herrschte bereits geschäftiges Treiben, und das Klirren von Werkzeugen war schon aus der Ferne zu hören. Vielleicht hatte der Vorarbeiter es sich anders überlegt? Vielleicht konnte ich heute etwas beitragen?

Mit vorsichtigem Optimismus trat ich näher. Doch kaum hatte ich den ersten Arbeiter gegrüßt, kam der Vorarbeiter erneut auf mich zu.

„Henry, was machst du hier?" fragte er direkt, ohne Umschweife.

„Ich dachte, ich könnte vielleicht heute helfen", antwortete ich, bemüht, freundlich und bestimmt zugleich zu klingen. „Ich habe etwas Zeit und möchte mich einbringen."

Er zog die Stirn kraus und schüttelte den Kopf. „Hör zu, das ist wirklich nett von dir, aber wir haben genug Leute. Hier ist kein Platz für jemanden ohne Erfahrung."

Ich wollte widersprechen, wollte ihm erklären, dass ich bereit war zu lernen, doch sein Tonfall ließ keine Diskussion zu. Die Zurückweisung fühlte sich wie ein Schlag in die Magengrube an.

Nach der Baustelle versuchte ich es in der Gemeinschaftsküche des Rudelhauses. Vielleicht brauchten sie Hilfe bei der Zubereitung der Mahlzeiten? Es war fast Mittag, und ich konnte mir vorstellen, dass zusätzliche Hände willkommen wären.

Doch auch hier stieß ich auf eine verschlossene Tür. Eine der Köchinnen, eine ältere Frau mit grauem Haar, winkte nur ab, als ich meine Hilfe anbot. „Danke, Henry, aber wir haben alles im Griff", sagte sie kurz und wandte sich wieder ihren Pfannen zu.

Schließlich landete ich wieder dort, wo ich gestern geendet hatte – im Garten. Die Blumen, die ich gestern umgepflanzt hatte, standen jetzt ordentlich in Reih und Glied, und das Unkraut war fast vollständig beseitigt. Doch es gab immer noch genug zu tun, und so griff ich wieder zur Hacke, um mich abzulenken.

Während ich arbeitete, überkamen mich die Gedanken, die ich so verzweifelt zu unterdrücken versuchte. Die ständigen Ablehnungen nagten an mir. Ich hatte das Gefühl, dass das Rudel mich nie wirklich akzeptieren würde, egal, was ich tat.

Der Schmerz der Einsamkeit wuchs in meiner Brust, und ich kämpfte gegen die Tränen an. Ich wollte Rider nicht mit diesen Gefühlen belasten, aber die Wahrheit war, dass ich langsam nicht mehr wusste, wie ich damit umgehen sollte.

Als ich meine Arbeit schließlich beendete, stand die Sonne bereits tief am Himmel. Ein weiteres Gefühl des Scheiterns lastete auf meinen Schultern, während ich ins Haus zurückkehrte. Rider würde bald nach Hause kommen, und ich musste einen Weg finden, mich zusammenzureißen, bevor er merkte, wie sehr mich das alles mitnahm.

Als die Sonne längst untergegangen war und die Dunkelheit das Haus umhüllte, zog ich mich früh ins Bett zurück. Rider war noch mit etwas in der Küche beschäftigt, und ich nutzte die Gelegenheit, um einer weiteren Konfrontation auszuweichen. Ich wusste, dass er spürte, dass etwas nicht stimmte – seine Wolfssinne machten es unmöglich, meine Anspannung und meinen inneren Tumult zu verbergen.

Doch ich war noch nicht bereit, darüber zu reden. Noch nicht bereit, ihm die Last meiner Unsicherheit und meines Frusts aufzubürden.

Ich legte mich auf die Seite, zog die Decke fest um mich und schloss die Augen. Mein Atem war bewusst ruhig und gleichmäßig, doch in mir tobte ein Sturm. Ich hörte, wie Rider in der Küche hantierte, das leise Klirren von Geschirr, das Rauschen des Wassers aus dem Hahn.

Ein Teil von mir wollte aufstehen, wollte ihn umarmen und alles aussprechen, was mich belastete. Aber die Angst, ihn zu enttäuschen oder noch mehr Druck auf ihn auszuüben, hielt mich zurück. Also blieb ich still und unbeweglich, während er schließlich die Lichter ausschaltete und ins Schlafzimmer kam.

Ich hörte, wie er leise die Kleidung ablegte und seine Bewegungen sanft und bedacht waren, als wolle er mich nicht stören. Doch dann, anstatt sich einfach neben mich zu legen, spürte ich die Veränderung im Raum. Es war ein vertrautes Gefühl, ein leises Rascheln und eine beinahe unmerkliche Erschütterung des Bettes – Rider hatte sich in seine Wolfsform verwandelt.

Ich spürte die Wärme seines großen Körpers, als er sich neben mich legte, seinen Kopf sanft an meine Schulter schmiegte. Sein Fell war weich und warm, und ich konnte die ruhige Kraft seines Atems spüren. Es war, als wollte er mich ohne Worte trösten, mich in seiner Präsenz beruhigen.

Seine Schnauze stupste leicht gegen meine Wange, und ich musste mich zusammenreißen, um nicht die Augen zu öffnen. Ich wusste, dass er wusste, dass ich nicht wirklich schlief. Seine Wolfssinne erkannten den leichten Zitterschlag meines Herzens und die Spannung in meinem Körper. Aber er sagte nichts – tat nichts, um mich zu zwingen, zu reden.

Stattdessen blieb er einfach da, nah bei mir, als wollte er mir zeigen, dass ich nicht allein war.

Nach einer Weile spürte ich, wie sich die Anspannung in mir langsam löste. Die Wärme seines Körpers, die Ruhe seiner Anwesenheit – all das wirkte wie ein Balsam auf meine zerrissenen Gedanken. Ich drehte mich ein wenig, lehnte mich an ihn, ohne die Augen zu öffnen.

Es war keine Lösung für die Probleme, die ich mit dem Rudel hatte. Aber in diesem Moment, mit Rider an meiner Seite, fühlte ich mich für einen kurzen Augenblick sicher und geborgen.

Mein Leben als Omega (bxb,Mpreg)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt