Kapitel 39

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POV: Balthazar

Ich blicke aus dem Fenster, in die Weite der Wälder, die sich bis zum Horizont erstrecken. Der Regen hat aufgehört, aber der Boden ist noch feucht, das Gras glänzt in der Dämmerung. Es ist still hier, zu still für meinen Geschmack. Henry ist fort. Er hat das Rudel verlassen, ist zu seinem Gefährten gezogen, wie er es immer gewollt hat. In meinem Inneren spüre ich eine Mischung aus Stolz und Sorge. Es ist nicht leicht, das eigene Rudel zu verlassen, vor allem nicht, wenn man einen Bruder wie mich zurücklässt. Aber ich weiß, dass er es tut, weil er glücklich sein möchte. Und dafür gönne ich ihm alles.

Ich frage mich, ob er den Übergang schon geschafft hat. Der Wechsel ist nie einfach, das weiß ich nur zu gut. Das Leben ist kein geradliniger Weg. Immer gibt es Hindernisse, Prüfungen, die uns zwingen, uns zu verändern. Und Henry... ich weiß, er wird auf Schwierigkeiten stoßen. Aber er hat immer schon einen klaren Kopf bewahrt, hat das große Ganze im Blick. Ich glaube an ihn, auch wenn der Weg vor ihm schwerer sein könnte, als er denkt.

Ich erinnere mich an die Tage, als wir noch Kinder waren, an die Zeit, in der er und ich gemeinsam durch den Wald streiften, ohne ein Ziel, nur auf der Suche nach Abenteuer. Er war immer der Mutigere von uns beiden, derjenige, der keine Angst davor hatte, sich den Herausforderungen zu stellen. Vielleicht ist er jetzt derjenige, der alles auf sich nimmt, auch wenn es ihn zu seinem Gefährten führt, zu einem neuen Leben.

„Henry wird das überstehen", murmle ich leise, fast als würde ich mich selbst beruhigen. Er ist stark, das weiß ich. Ich hoffe nur, dass er dort wirklich glücklich ist, dass er in dem Rudel seinen Platz findet und nicht den Schmerz spürt, den ich manchmal fühle, wenn ich an ihn denke.

Aber ich weiß auch, dass er nicht alleine ist. Sein Gefährte wird ihm zur Seite stehen, und das ist vielleicht die größte Hilfe, die er bekommen kann. Wenn ich ihm nur all das sagen könnte, wenn ich ihm nur sagen könnte, dass er nicht immer stark sein muss. Dass es auch in Ordnung ist, sich zu verlieren, um wieder zu finden, was wirklich zählt.

Ein leiser Wind zieht durch das offene Fenster, und ich schließe es langsam. Ich stehe auf und gehe zu dem kleinen Schreibtisch, an dem ich oft sitze, um meine Gedanken zu ordnen. Vielleicht muss ich ihm einen Brief schreiben, aber vielleicht ist es auch besser, ihm einfach zu vertrauen. Zu wissen, dass er seinen Weg findet, auch wenn er ihn ohne mich gehen muss.

Ich hoffe, er ist dort glücklich. Mehr kann ich nicht tun.

Am nächsten Morgen stehe ich wieder am Fenster, blicke hinaus in den noch frischen Tag. Mein Haus steht so nah an dem Rudelhaus, dass ich das Gefühl habe, immer Teil des Geschehens zu sein, auch wenn ich mich oft zurückziehe. Direkt vor mir breitet sich der Garten aus, und ich sehe Liam. Er ist heute in seiner Wolfsgestalt, seine Bewegungen geschmeidig und voller Freude, während er mit Silas, dem kleinen Sohn von Jack und Luke, herumalbert. Silas ist einfach zu niedlich, wie er sich bemüht, Liams schnellerer Wolfsgestalt hinterherzukommen, seine kleinen Pfoten tapsen über das Gras.

Ich muss schmunzeln, als ich zusehe. Liam ist noch so jung und doch so voller Leben. Er weiß nicht, dass wir Gefährten sind – noch nicht. Aber ich habe es schon lange gewusst. Der Altersunterschied von fünf Jahren hat mir schon früh gezeigt, dass er derjenige ist, mit dem ich mein Leben teilen werde. Und trotzdem, jedes Mal, wenn ich ihn sehe, ergreift mich etwas, das wie ein leises Versprechen wirkt. Vielleicht ahnt er es schon. Aber für jetzt ist es genug, ihn einfach zu beobachten.

Während Liam weiterhin mit Silas spielt, sehe ich Jack und Luke auf einer Decke im Garten sitzen. Sie sind in ihre eigene kleine Welt versunken, aneinandergekuschelt, die Sonne scheint sanft auf ihre Felle. Es gibt diese Momente, in denen die Welt einfach stillzustehen scheint, und ich habe das Gefühl, dass ich das Glück, das sie teilen, mit ihnen teile. Es ist eine seltsame Mischung aus Nähe und Fernweh, aus Liebe und dem Wissen, dass ich selbst noch am Anfang meines eigenen Weges stehe.

Ich binde meine Haare zusammen und gehe dann nach unten. Die Kinder warten im Kindergarten, und ich weiß, dass heute ein weiterer Tag voller Lachen und Spiel auf mich wartet. Aber mein Blick wird immer wieder zu Liam zurückgezogen, auch wenn er es nicht bemerkt. Es ist eine unbestimmte Freude, die in mir wächst, wenn ich ihn sehe, selbst in den einfachsten Momenten. Vielleicht bin ich schon viel weiter als er. Vielleicht weiß er es bald. Doch für den Moment genieße ich, was ich habe – diesen einen Blick aus der Ferne, der mir schon jetzt so viel bedeutet.

Mein Leben als Omega (bxb,Mpreg)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt