Am Anfang stand das Ende

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Blau.

Ich mag die Farbe an dir. Das Einzige, was ich an dir mag. Die Farbe steht für Vertrauen und Sicherheit – hab' ich nie gefühlt bei dir. Trauer, Kälte, wünschte hätt' mich früher distanziert.

Die Farbe passt zu dir. Kalte Schulter, blaue Augen, wollt' dir alles glauben. Meine Wenigkeit für nichts zu taugen. Taugenichts. „Du bist ein Nichts!", die Stimmen in meinem Kopf hinter zehn Ecken, unmöglich sich vor ihnen zu verstecken.

Wenn ich in deine Augen seh', dann denke ich an Glas, so klar, war nichts von alldem, was wir füreinander fühlten wahr? Verliere mich im Blau, Gedankengänge stumm, Erkenntnisse im Stau.

Ich schau von oben, Vogelperspektive. Stell dich meinen Freunden vor, die du dann stiehlst, wieder mit meinen Gefühlen spielst. Alle gegen mich aufgehetzt, sie folgen dir. Alles, was du sagst für sie wie ein Gesetz. Ich schaue zu perplex.

Marionetten in deinen Händen und du ziehst die Fäden, ich will nie wieder diese Angst, diese Isolation erleben. Nie mehr spüren, nie mehr fühlen.

Der Stich ging mitten ins Herz. Hätte ich nicht mit Glasscherben gespielt, hätte ich mich nicht geschnitten. Splitterfasernackt – Ich offenbar dir alles von mir und du nutzt mich aus. Fühl mich benutzt, nicht mehr als ein Objekt deiner Begier, wie du mein Glück aussaugst, als wärst du ein Vampir.

Beim Abendmahl zu Tisch, tischen Speisen auf, die nächsten Lügen auch. Meine Gedanken schreien: Lauf! Doch ich schluck', trinke von dem Rotwein gemischt mit deinem Gift, spüre wie er immer weniger besinnt, wie er meine Kehle runterrinnt.

Und ich werde verwirrt, höre Worte, leere Versprechungen, die mich einlullen, mich bringen zum Verstummen. Warum bin ich so naiv, warum so dumm?

Ich will dir glauben, will's nicht wissen,
Lass ich dich gehen, würde ich dich in Zukunft missen.
Ich schreie nachts aus Frustration in mein Kissen.

Emotionen, die an die Oberfläche sprudeln und ich ertrinke im Meer. Im Wasser sieht man sie nicht mehr. Ich schütte aus mein Herz, Tränen aus Wut, Tränen aus Schmerz.
Die Luft geht mir aus, bin kurz vorm Ersticken. Dein Körper schlängelt sich um mich, knipst aus mein Licht.

Schlange, du Schlampe.
Deine Worte voll Gift, gespaltene Zunge prägt dein Gesicht.
Worte mal süßlich und dann wieder herb,
Merke wie ich aus dem Inneren verderb'.
Wie ich rotte, weil ich langsam sterb'.

Du bist wie eine Maske, zwei Seiten so kalt,
Ich war dein Besitz, unzählige Male bezahlt.
Du bist wie eine Maske, die kalte Fassade,
Nahmst alles von mir - ohne Gnade.

Und hab' das Gefühl, du hast mich konsumiert, meine Seele gänzlich inhaliert.
Du verschlingst mich wie das Monster, das du bist, meine Eingeweide zerteilt in deinem Biss.

Selbst Mama gefragt, wie mach' ich Schluss, wie hör' ich auf.
Wie sag' ich dir, dass ich dich hass', meine Wangen wieder nass.

Wenn Lügen komprimieren,
Wenn Geständnisse kollabieren,
Wir zwischen uns alles verlieren.
Und keiner von uns kann eine Lösung arrangieren.

Wir lassen zu, wir lassen los,
Nichts mehr zu sagen, was kann man sagen?
Wahrheiten? Lügen? Entschuldigungen?

Zwei Menschen aneinander vorbei,
Zwei Menschen, die Vergangenheit teil'n.
Die sollten nicht mehr zusammen weil'n.
Müsste ich jetzt nicht glücklich sein?

Ich bin es nicht,
Ich bin allein.

Eiskalter Entzug,
Du warst wie der Apfel, den Eva aß,
Verlockung so groß und ich nahm ein Biss.
Hab Angst vor der Rückfälligkeit,
Dass ich erneut verfall' in deine Dunkelheit.

Reue,
Die bis heute an mir nagt.
Weil ich deinem Charme erlag,
obwohl mein Innerstes geklagt.

Ich ließ dich nah, obwohl mein Herz besorgt, beklagt,
du hast nur zerstört, gebrochen und geplagt.
Wir haben wunderschön versagt.

Mit blauen Augen fing es an,
Mit diesen Augen brach es dann.

Blau.

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