Der Flug nach Atollon war still.
Zu still.
Das Summen des ARC hallte durch das Cockpit, als das kleine Shuttle die Atmosphäre von Atollon durchbrach. Die Oberfläche der Wüstenwelt lag unter ihnen, durchzogen von tiefen Felsformationen, deren Schatten sich in den letzten Strahlen der untergehenden Sonne verloren.
Ezra, der ältere Ezra, der als Shadow bekannt war, saß angespannt auf dem Copilotenplatz, die Arme vor der Brust verschränkt. Sein Blick war starr auf den Boden gerichtet, doch seine Gedanken waren überall.
Er hätte nicht mitkommen sollen.
Er hätte verschwinden sollen.
Doch Kanan hatte es nicht zugelassen.
Und jetzt?
Jetzt musste er sich seiner Vergangenheit stellen und einer Crew, die ihn nicht kannte.
Oder schlimmer noch... die ihn kannte.
Sie landeten neben der Ghost. Die Rampe des Shuttles öffnete sich mit einem leisen Zischen, warme Wüstenluft strömte in den Frachtraum.
Ezra blieb einen Moment stehen, als würde ihn ein unsichtbares Band daran hindern, einen weiteren Schritt zu machen.
Kanan legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Sie werden es verstehen."
Ezra lachte trocken.
„Das glaubst du wirklich?"
Bevor Kanan antworten konnte, erklang eine vertraute Stimme aus dem außerhalb des Schiffes.
„Kanan! Shadow! Ihr seid zurück!"
Hera.
Ihr Ton war erleichtert – bis ihr Blick auf Shadow fiel.
Sie erstarrte. Ihre grünen Augen verengten sich.
Ihre Finger zuckten kurz, als hätte sie instinktiv nach ihrem Blaster greifen wollen.
„Ezra...?" Ihre Stimme war leise.
Das Gewicht ihres Blicks war erdrückend.
Ezra hielt es kaum aus.
Er konnte sich kaum ausmalen, was sie dachte, was sie fühlen musste.
Jemand stand vor ihr, der aussah wie eine verzerrte Zukunftsversion ihres Schützlings.
Er schluckte schwer, ließ seinen Helm in den Händen kreisen. Weiter hinten tauchte schon der Rest der Crew auf und blickte ihn an. Die Crew war still, jeder von ihnen versuchte zu begreifen, was gerade vor ihnen stand.
Er.
Ein Mann, den sie kannten und doch nicht kannten.
Ezra Bridger.
Doch nicht ihr Ezra. Denn dieser stand neben ihnen und staunte nicht schlecht.
Seine Hände umklammerten den Helm fester. Seine Brust hob und senkte sich schwer. Er durfte nicht in Panik geraten. Doch wie konnte er ruhig bleiben, wenn Hera ihn so ansah? Er atmete tief durch, zwang seine Stimme ruhig zu bleiben.
„Ich weiß, dass das verwirrend ist. Ich weiß, dass es keinen Sinn ergibt. Aber..."
Er sah ihr direkt in die Augen.
„Ich bin Ezra."
Heras Gesicht blieb ausdruckslos, aber ihre grünen Augen durchbohrten ihn. Natürlich erkannte sie seine Stimme.
Er hatte erwartet, dass sie sein Gesicht sehen und vielleicht einen Moment des Zweifels haben würde. Doch seine Stimme, sie war unverkennbar. Die Stimme eines Jungen, den sie als Familie ansah. Doch dieser Junge stand nun als gebrochener Mann vor ihr. Sie versuchte es zu verstehen. Doch wie kann man so etwas verstehen?
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Der Wanderer
FanfictionIn einer Welt, wo es scheint, als wäre alles in Ordnung, lauern gefahren, die man nicht sieht. Sie schleichen um einen, greifen einen und lassen einen nie wieder los. Wie, als würde man in den Abgrund springen und trotzdem ihren krallen nicht entkom...
