Kapitel 23

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Ezra stand nun in der Stille der Welt zwischen den Welten, umgeben von einer Ruhe, die fast unheimlich wirkte. Er spürte es, noch bevor er es sah. Eine Präsenz. Dunkel, verzerrt und fremd, doch vertraut. Es war der gleiche Schatten, der in seiner Vision war. Der Schatten, der ihn verfolgte, ohne dass er wusste, wie er ihm entkommen konnte. Die Gestalt trat aus dem Nichts hervor, eine dunkle Silhouette, die sich allmählich zu einer klareren Form verdichtete.

„Du bist also gekommen", sagte eine kalte, gutturale Stimme aus der Dunkelheit, die den Raum um ihn herum füllte. Die Gestalt hatte einen Mantel um, der sein Gesicht verdeckte. Die Gestalt kam immer näher, bis sie vor ihm stand. Die Hände glitten zu seiner Kapuze und zogen diese Runter.

„Du kannst nicht ewig von mir Fliehen", sprach er ruhig und seine gelben Augen leuchteten auf.

Er selber stand vor ihm, aber es war doch nicht ganz er, es war etwas viel Dunkleres. Etwas was er nie gehofft hatte mehr zu sehen. Eine Version von ihm selbst, aber so entstellt, dass er kaum glauben konnte, dass sie die gleiche Person war. Sein Blick war von Hass und Verachtung durchzogen, und die Aura um ihn herum pulsierte mit einer bedrohlichen Energie.

„Ich wusste, dass du es nicht auf dich beruhen lassen würdest", antwortete Ezra ruhig, obwohl sein Herz schneller schlug.

„Was willst du von mir?"

Die dunkle Version von Ezra grinste höhnisch.

„Du hast dich nie wirklich verstanden, oder? Du hast nie die wahre Macht erkannt, die du in dir hast. Du hast sie immer zurückgehalten, weil du Angst hattest, dich selbst zu verlieren. Aber du hast nicht gemerkt, dass du dich längst verloren hast."

Ezra spürte den Schmerz der Worte, doch er wusste, dass er sich jetzt nicht von ihnen ablenken lassen durfte. Diese dunkle Version von ihm war mehr als nur ein Feind. Sie war ein Teil von ihm, den er nie vollständig akzeptiert hatte. Der Teil von ihm, der vor vielen Jahren auf der dunklen Seite gewandelt war, der seinen Meister getötet hatte und der sich von ihm getrennt hatte.

„Du bist nicht mehr ich", sagte Shadow, seine Stimme fest, aber die Worte kamen ihm schwer über die Lippen.

„Du hast alles zerstört, was uns einst ausmachte."

Die dunkle Gestalt lachte rau und verstärkt die Dunkelheit um sich.

„Weil du zu schwach bist, dich zu erlauben, vollständig zu sein. Du hast dich immer von deiner eigenen Dunkelheit ferngehalten, aber sie ist ein Teil von dir."

Mit diesen Worten griff die dunkle Version von Ezra nach einem Lichtschwert, das in seiner Hand materialisierte, und stürzte sich auf ihn. Shadow zog sein eigenes Lichtschwert, dass ihm genauso vertraut war wie der Atem in seiner Brust. Der Kampf begann, wild und gnadenlos, mit Lichtstrahlen, die durch die Dunkelheit zuckte, und jedem Hieb, der die Luft erzittern ließ.

Sie kämpften auf eine Weise, die Ezra fast schon überforderte. Der Angriff war präzise, fast wie eine Erweiterung seiner eigenen Bewegungen, doch jede Berührung der Klingen ließ ihn ein Stück tiefer in die Dunkelheit fallen. Seine eigene Wut und seine Unzufriedenheit kamen an die Oberfläche, als er den unaufhörlichen Druck der Angriffe der dunklen Gestalt spürte.

Es war ein Kampf gegen sich selbst.

Mit jedem Hieb des dunklen Ezras spürte er, wie der Schmerz aus seiner Vergangenheit wiedererwachte. Erinnerungen an den Tod seines Meisters, die Dunkelheit, die ihn verführt hatte. Die Erinnerungen daran, wie er geglaubt hatte, dass er stärker wäre, wenn er sich von denjenigen trennen würde, die ihn versuchten zu retten. Doch jetzt wusste er, dass er sich von dieser Dunkelheit nie hatte trennen können. Sie war immer ein Teil von ihm.

Der WandererWo Geschichten leben. Entdecke jetzt