Kapitel 2

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Ich wache auf. Ich höre Li neben mir schluchzen.

"Lina?" frage ich besorgt

" Ich... es ist alles in Ordnung, wirklich. Schlaf weiter."

"Nein, Li es ist nicht alles Ordnung. Du weinst sonst nie."

"Doch" sagt sie mit tränenerstickter Stimme "Seit Steffs Tod weine ich jede Nacht."

Ich weiß nicht was ich antworten soll. Es kommt selten vor das ich ratslos bin, aber ich habe Li noch nie weinen sehen. Also nehme ich sie einfach in den Arm und streichel ihr unsicher über den Rücken. Ihr Zittern wird immer weniger und an ihrem gleichmäßigen Atmen merke ich das sie eingeschlafen ist. Ich seufze erleichert und drifte ins Land der Träume ab.

Am nächsten Morgen richte mich auf und stupse Li an.

Sie wacht sofort auf. Während ich meine Klamotten schnappe und in die Dusche verschwinde, wühlt sie sich aus den Decken.

Als ich gewaschen und angezogen aus dem Badezimmer komme, steht sie schon vor der Tür und trällert mir ein
"Guten Morgen!"
zu, bevor sie in der Dusche verschwindet.

Ich gehe runter in die Küche, und bereite schon mal das Frühstück vor.
Rührei mit Toast alá Steff. Immer wenn Steff, Li und ich gemeinsam frühstückten rührte sie ein Gummibärchen in den Teig und wer es am Ende in seinem Rührei hatte, musste abwaschen.

Li kommt runter, schnappt sich ihren Teller und setzt sich auf das Sofa.
Ich setzte mich ebenfalls mit meinem dampfenden Teller dazu.

Schweigend essen wir unser Ei.
Nach zwei Bissen merke ich, dass ich das Gummibärchen haben! Verdammt, wieso immer ich?!

Nach dem Abwaschen hole ich das Tagebuch aus meinem Zimmer und setze mich zurück aufs Sofa.
"Öffne es!"
flüstert Li.

Ich schlage das Tagebuch auf und gebe es ihr, damit sie die ersten beiden Seiten lesen kann.

Als sie fertig ist, liest sie die nächsten Seiten vor.

12 . Januar 2016

Hi ihr Süßen!♡

Ich schreibe diese Zeit hier nach, denn ich denke ihr sollt wissen was ich in dieser Zeit gefühlt und gedacht habe.

Heute hatte ich Jugenduntersuchung. Das einzige Positive ist, dass ich nicht zur Schule musste, denn wir schreiben heute eine Klassenarbeit.

"Ja ich erinnere mich, das war doch Bio."
Sagt Li  und lächelt.

Ich lächle zurück und Li liest weiter vor.

Also , ich bin ich mit meiner Mutter zum Arzt gegangen.
Wir warteten fast eine Stunde auf den Arzt. In der zwischen Zeit füllte ich sämtliche Fragebögen aus , zum Beispiel was ich werden will und so.

Ich weiß gar nicht warum Ärzte immer so lange brauchen, obwohl sie doch so viel planen.
Als mich die Krankenschwester aufrief, gingen meine Mutter und ich in das Krankenzimmer. Dort begrüßte uns dann die Ärztin. Sie ist sehr hübsch und auch sehr nett zu mir, ich glaube wenn Ich älter bin, studiere ich Medizin.
Meine Mutter wurde auf meinen Wunsch rausgebeten und Ich musste mich bis auf meine Unterwäsche entkleiden und anschließend unendliche Tests machen.

Nach zwei Stunden und einer Urinprobe wurde ich endlich entlassen, aber ich musste noch zum Augenarzt, damit er mir eine Brille verpasst.
Nach seiner Untersuchung schickte er mich dringend zum Neurologen. Langsam wurde ich nervös.

Ich hatte noch nie so ein seltsames Gefühl. Es war immer alles in Ordnung gewesen. Kein Mumps, keine Masern oder Windpocken... mit meinem Immunsystem war immer alles in Ordnung

Was war jetzt los?

Also gingen wir zum Neurologen.

Das nächste große Krankenhaus ist eine Stunde Autofahrt entfernt.
Ich verpasse Karate, mist!

"Sie liebte Sport. Weißt du noch, im Sportunterricht war sie ja immer die beste, sogar besser als die Jungs."
sage ich in Gedanken versunken.

"Ja, auch in Kickboxen war sie die Beste. Einmal hat sie dem Lehrer eine gebrochene Nase verpasst ... Sie durfte ein Monat nicht mehr zum Kickboxen, sie war total depri."
Sagt Li lachend.

Wir lesen weiter.

Als wir im Krankenhaus angekamen, gingen wir zur Rezeption und fragten nach Dr. Müller. Wir wurden in ein Wartezimmer gebeten und saßen dort schweigend. Meine Mutter hat mich die ganze Zeit besorgt angesehen.
Manchmal wünschte ich, ich könnte Gedanken lesen...

Ungefähr eine Stunde später wurden wir aufgerufen.
Der Arzt machte ein paar Tests und leuchtete mir mit einer Lampe ins Auge um meine Pupillenreaktion zu testen. Dr. Müller und meine Mutter verließen das Untersuchungszimmer, während sie sich unterhielten beobachtete ich, wie der Gesichtsausdruck meiner Mutter immer besorgter wurde.
Nach dieser ausgiebigen Unterhaltung betraten meine Mutter und der Doktor wieder das Zimmer. Mir wurde ein Rollstuhl gebracht und meine Mutter und ich fuhren in das nächste Stockwerk zum CT.

Es war seltsam, ich wurde in eine komischen Röhre geschoben, und meine ganzer Kopf wurde gescannt.

Als ich wieder aus dem CT kam, sah ich wie der Arzt noch besorgter schaute als vorher und meine Mutter vor Schock die Hand vor den Mund genommen hatte und ihr Tränen über die Wangen liefen.

"WAS IST HIER LOS?

ICH WILL ES VERDAMMT NOCHMAL WISSEN!",

wollte ich rufen doch da erhaschte ich ein Blick auf den Bildschirm und mein dort abgebildetes Gehirn.
Ich bin nicht gut in Biologie aber ich erkannte, das auf dem Bild, in meinem Gehirn ein riesiger Klumpen war!

Ein Tumor.

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