Nick
"Nick, Marie: geht sie suchen! Isch will, dass Lina sisch beim Direktor meldet.
Dieses Ver'alten war unge'euerlisch!",
schimpft Frau Arammbeln.
Marie und ich stehen auf und gehen raus, um Li zu suchen.Wir suchen in der ganzen Schule nach ihr, doch sie bleibt verschwunden.
Ich setze mich auf die Stufen, der Treppe und stütze mein Gesicht in meine Hände. Minutenlang ist es nur still und Marie sitzt wortlos neben mir. Ich spüre, dass sie mich anstarrt, doch das ist mir gerade egal.
Ich lasse mir noch einmal die letzte Stunde durch den Kopf gehen und muss anfangen zu lachen.
Marie zögert kurz und stimmt dann in mein Lachen mit ein.
"Das war ja jetzt echt unerwartet! Ich hätte nicht gedacht, dass Lina so viel Mut hat." , sagt Marie lächelnd.
"Sie hat eigentlich sehr viel Mut und einen kräftigen Schlag.""Ja ich weiß," meint sie gekränkt," meinst du, ich sehe nicht, dass sie in Sport die beste ist?!"
"Aber ich verstehe, was du meinst. Es gehört mehr Mut dazu Frau Arammbel zu beleidigen, als jemanden im Kampf zu treten!", versuche ich die Situation zu retten.
" Ja, ist schon okey..." sagt sie und lächelt zum Glück.Marie fährt sich durch ihr dunkelbraunes, glattes Haar und sieht mich weiterhin mit ihren braunen Augen an.
"Hey Nick, ich wollt dir schon lange etwas sagen... doch ich weiß nicht wie!" , beginnt sie ein neues Gespräch.
Ich sehe sie fragend an.
Sie kaut unentschlossen auf ihrer Lippe herum.
Sie schaut auf den Boden und dann wieder mich an.
Sie flüstert etwas von "Ach, scheiß egal", bevor sie mich auf den Mund küsst.Moment mal... sie küsst mich?!
Es ist ein kurzer Kuss, denn ich stoße sie schnell von mir weg.Geschockt starre ich sie an.
"Ähm... Marie, ich weiß nicht, ob...ob...", beginne ich stotternd einen Satz, doch ich weder von Marie unterbrochen.
"Nick, ich weiß schon! Du liebst Lina, richtig? Ihr... ihr passt gut zusammen!"
Sie guckt traurig und enttäuscht auf den Boden.
"Was?! Nein! Ich... sie... wir sind nur Freunde!Beste Freunde um genau zu sein. Da läuft nichts zwischen uns!", sage ich schnell.
Nach einer kurzen Pause sage ich:
"Marie, ich mag dich auch sehr gerne und..."Dann küss ich sie!
Ich stelle mir vor, wie ich Steff küssen würde. Ich ziehe sie mit meiner rechten Hand an der Taille zu mir und meine linke liegt auf ihrem Oberschenkel. Sie hat ihre beiden Hände um meinen Hals gelegt.Es ist ein Leidenschaftlicher Kuss und ich spüre, wie sehr Marie ihn begehrt. Glückshormone durchströmen meinen Körper.Es ist ein wundervolles Gefühl. es fühlt sich so an, als ob ich schweben würde. Doch ich hätte lieber meinen ersten Kuss mit Steff.Nach der Schule fahre ich zu Lina. Ich muss mit ihr reden!
Seit Steff's Tod habe ich das Gefühl, dass irgendwas nicht mit ihr stimmt. Manchmal ist sie ganz normal und...Naja, Lina halt. Und dann plötzlich, aufeinmal ist sie anders. Sie zwingt sich dann zu lächeln, glaube ich, sodass keiner ihre Schmerzen bemerkt.
Doch dafür kenne ich sie zu gut!Bei ihrer Tür angekommen klingle ich. Eine junge Frau öffnet sie. Ich brauche ein paar Sekunden, um sie zu erkennen.
"Melinda?!", frage ich ungläubig.
Sie ist Linas große Schwester und war die letzten Jahre in Bolivien um eine ärztliche Ausbildung zu machen."Oh mein Gott, Nick? Bist du das wirklich? Mann, bist du groß geworden, und süß...! Du möchtest bestimmt zu Lina, aber sie ist noch nicht da.
Willst du nicht reinkommen?"
Ich nicke und trete ein. Sie bringt mich in die Küche und stellt sich an den Herd. Auf dem steht ein Topf und eine Pfanne.
Es riecht lecker. Nach Paprika, Tomate, Möhren, Fenchel, Curry und Reis.
"Möchtest du etwas?" , fragt Melinda freundlich.
"Was hast du denn gekocht?"
"Ach, nur eine Kleinigkeit. Etwas Curryreis mit Gemüsepfanne.", sagt sie locker.
"Ou ja, klingt lecker. Seit wann bist du eigentlich schon hier?", frage ich.
"Erst seit ein paar Tagen. Ich habe mir Urlaub genommen und dachte, es wäre schön mal wieder hier zu sein."
Melinda nimmt einen Teller aus dem Regal und etwas von dem Gemüse auf eine Kelle.
"Wie viel möchtest du?" , fragt sie.
"Nur ein wenig. Ich hab in der Schule schon gegessen.", meine ich.
Melinda tut mit etwas von dem Gemüse und dem Reis auf den Teller und dann auf ihren.
"Wie kommt es, dass du jetzt schon da bist und Lina noch nicht?"
"Weiß ich auch nicht. Lina hätte eigentlich auch 8 Stunden. Doch sie ist schon vorher gegangen." bringe ich zwischen zwei Bissen hervor.
"Echt? Was ist denn passiert?" , fragt sie besorgt.
Ich erzähle ihr die Geschichte, während wir essen. Im Anschluss erwähne ich noch meine Theorie, wie Lina sich seit Steff's Tod verändert hat. Melinda quittiert alles mit einem Nicken.Plötzlich hören wir, wie die Tür aufgeschlossen wird.
"Wenn man vom Teufel spricht!",
sagt Melinda lächelnd.
Ich stehe auf und gehe zu Lina.
Sie sieht mich kurz an. Lina hat rote Augen, anscheinend hat sie geweint. Oh, nein nicht schon wieder.
"Lina, ich muss mit dir reden!", sage ich sofort.
"Nick, lass mich in Ruhe!" , sagt sie ernst.
"Lina!?"
Sie läuft die Treppe hoch.
Ganz oben bleibt sie stehen und dreht sich ruckartig um "Nein Nick! VERSCHWINDE, sonst schlage ich dich!" Lina schaut mich wütend an. Sie meint es Ernst. Ich weiß, dass sie keine leeren Drohungen ausspricht, doch ich ignoriere es bewusst.
Ich schnappe mir ihren Arm und halte sie fest.
"Lina, du musst mir zuhören! Ich weiß, dass es dir nicht gut geht! Ich will dir doch nur..."
Doch weiter komm ich nicht, denn plötzlich spüre ich einen stechenden Schmerz an meinen Kiefer.Ich taumel zurück und halte mich an dem Treppengeländer fest, damit ich nicht runterfalle.
Mein Kopf pocht vor Schmerz."Sorry!", murmelt Lina kurz, bevor sie in ihr Zimmer verschwindet.
Ich höre das Klicken des Schlosses."Nick!? Alles okay?", höre ich plötzlich Melinda's besorgte Stimme.
"Ja ja! Geht schon", sage ich, während ich mit meiner Hand meinen Unterkiefer bewege.
"Kann ich mir das mal kurz angucken? Nur um sicher zu gehen!"
Ich nicke, sie untersucht meinen Kiefer und sagt:"Ja okay, ist alles in Ordnung. Nichts gebrochen."
"Ich glaub, ich geh dann mal. Ich kann sowieso nicht mehr mit ihr reden."
"Bis bald", sage ich noch, bevor ich aus der Tür verschwinde.Zuhause hole ich mein Schlüssel aus meiner Tasche und schließe auf.
"Hallo, bin wieder da!". grüße ich ins Haus hinein.
"Hi Nick! Lina war gerade da.... sie wollt etwas aus deinem Zimmer holen. Ich hab es ihr erlaubt. Ich hoffe es ist okay.", sagt meine Mutter aus ihrem Arbeitszimmer heraus.
"Ja okay. Danke!", antworte ich verwirrt, dann gehe ich in mein Zimmer.Ich schaue mich um, was fehlt?
Moment mal, Nick, was würde Lina mitnehmen? Ja, klar!
Steff's Tagebuch!Ich schaue auf meinen Schreibtisch, wo ich es gestern Abend hingelegt habe.
Dort liegt es nun nicht mehr.Plötzlich höre ich mein Handy vibrieren.
Eine Nachricht von Marie.~Wollen wir uns morgen nach der Schule treffen?:*
>Okay
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15 Wishes
Ficção AdolescenteSteffanie Koblinski ist erst 15, als sie an Krebs stirbt. Sie hinterlässt ein Tagebuch, indem sie die letzten Wochen vor ihrem Tod festhält, und eine Liste mit 15 Dingen, die sie vor ihren Tod erledigen möchte. Da sie nicht alle Punkte erledigen kon...