6. Dezember

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6. Dezember

Nikolaustag. Einer der Tage, die ich am allermeisten hasste, denn heute würde man überall fröhliche Erwachsene, Kinder, Großeltern und Jugendliche sehen. Alle hätten sie die beste Laune, denn ihre Eltern, hätten ihnen mal wieder alles Geld der Welt in den Arsch geschoben und ihnen ihr iPad in den Stiefel gelegt.

Heute würde keiner mehr sich mit einer Mandarine, einem Apfel, Nüsse und, wenn man Glück hatte, einem Stück Schokolade zufrieden geben. Einige würden den Stiefel wütend vor den Füßen ihrer Eltern werfen, sie anschreien und dann in ihr Zimmer laufen und sich einschließen, bis Mami vor der Tür mit einem MacBook steht.

Klar denken sich einige, ich übertreibe gerade maßlos, aber es die Realität.

Ich wollte schon seit Ewigkeiten nichts mehr zum Nikolaus oder zu Weihnachten, da wir selbst nicht viel hatten, meine Mum und ich, aber sie konnte es immer nicht mit an sehen, wenn Hailey oder andere in meinem Alter tolle Geschenke bekamen und kaufte deswegen immer ein Parfum oder so etwas ähnliches, was nicht ganz so teuer war und ich gut gebrauchen konnte. Trotzdem bekam meine Mutter dafür wenigstens einen bösen Blick.

So kam ich am späten, sehr späten Morgen dieses Sonntages runter in die Küche und frühstückte erstmal. Meine Mutter war schon fertig mit dem Essen, weswegen wir uns einfach normal unterhielten, wie jede normale Familie, auch wenn wir nur zu zweit waren.

Ein Blick zur Tür verriet mir, dass sie es wieder getan hatte. Ein gefüllter Stiefel mit Mandarinen und Schokolade stand dort, aber es ragte noch ein kleiner Umschlag heraus. Es war ein Gutschein für einen meiner liebsten Klamottenläden.

Natürlich bedankte ich mich bei Mum, aber sie bekam auch den bösen Blick, den sie lachend entgegennahm.

Zwei Stunden später stand dann auch schon Hailey vor meiner Tür. Zusammen machten wir uns fertig für das Kino und Mama fuhr uns anschließend hin, da es draußen mal wieder schneite und es mal wieder Temperaturen unter dem Nullpunkt waren.

Da Hailey heute die vollen Kosten trug und ich heute freie Wahl hatte sowohl beim Film als auch beim Essen, nutzte ich dieses in vollen Zügen. Es liefen zwar Weihnachtsfilme, aber einer Sprang mir voll ins Auge: Disney Die Eiskönigin.

Mittlerweile lief dieser Film jedes Jahr im Kino und ich liebte Disney auch wenn es um Schnee ging, ging es wenigstens nicht um Weihnachten, sondern mehr um die wahre Liebe und Freundschaft. Damit konnte ich leben.

Hailey und ich waren uns von Anfang an einig, dass Hans nichts Gutes im Sinn hatte, umso besser fanden wir natürlich den Schneemann Olaf und Sven. Auch die 'Beziehung' zwischen Anna und Christoph war für uns einzigartig. Oft mussten wir über Olaf lachen, da dieser so unglaublich süß, unwissend und unschuldig war.

Am Ende des Films gingen wir als letztes raus und als wir in der Eingangshalle standen stupste mich Hailey an und sah in eine Richtung. Und wer stand da?

Ich fühlte mich langsam verarscht vom Schicksal. Dass konnte doch wohl nicht wahr sein oder?! Was machte er an einem Sonntag im Kino?

"Blair! Hailey! Was für eine Überraschung! Was macht ihr hier?", fragte er uns direkt.

"Dasselbe wie du, mit dem Unterschied, dass wir jetzt gehen. Bye, Niall.", sagte ich sofort und wollte Hailey wegziehen, welche standhaft blieb. Leider.

"Wir waren im Disneyfilm und du?", fragte Hailey ihn. "Ich bin mit ein paar Freunden hier. Wir wollen Fast and Furious 7 gucken.", daraufhin nickte ich und sagte schnell: "Alles klar. Hailey und ich haben noch was vor. Bye."

Ehe Hailey wieder antworten konnte, zog ich sie hinaus in die Kälte. Sie wollte natürlich noch auf den Weihnachtsmarkt Süßigkeiten und heiße Schokolade holen. Ich, als gute Freundin, tat ihr diesen Gefallen und ging mit ihr, trotz meiner Zicken, auf den Weihnachtsmarkt. Da es dort auch normales nicht weihnachtliches Essen gab, holte ich mir eine Brezeln und Hailey holte sich kandierte Äpfel und für uns beide eine heiße Schokolade. Ja, wenn ich mal relativ gute Laune hatte im Dezember, trank ich auch mal eine heiße Schokolade.

"Hast du Niall gesehen, Blair? Sah er nicht unglaublich gut aus?", sagte sie nach einiger Zeit und schwärmte förmlich. Ich sah sie schräg von der Seite an: "Ist dass dein Ernst? Hailey, Niall ist unmännlich blond und wahrscheinlich genau so ein Arsch wie Hans in dem Film!"

Hailey war nun diejenige die lachte "Na? Neidisch? Keine Angst, ich würde dir Niall doch nicht wegschnappen. Er hat doch schon längst ein Auge auf dich geworfen, so wie er dich anschaut.", zwinkerte sie.

"Hast du irgendwie zu viele Schneebälle an den Kopf bekommen oder wie?"

"Nö, ich habe Augen im Kopf."

Ich glaubte ihr kein Wort zu diesem Zeitpunkt, aber ich wusste da auch noch nicht, dass dieses Weihnachten anders wird.

Eisblume {Niall Horan}Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt