22. Dezember

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22. Dezember

Irgendetwas schweres lag auf mir, wodurch ich am Morgen wach wurde. Vorsichtig stupste ich Niall an, versuchte ihn wegzudrücken, denn meine Luft wurde knapp. Niall wurde wach und ging sofort von mir runter, wofür ich ihm sehr dankbar war.

Ich konnte ihm jetzt in die Augen sehen. Ich lächelte. Ich wusste nicht wieso, aber er war auf einmal so schön und diese Augen, sie waren Magie auf höchstem Niveau. Sollte es wirklich einen Gott geben, hat dieser es ziemlich gut mit Niall gemeint. Ich sah ihn auf eine andere Sichtweise. Neben mir lag nicht mehr der Idiot, das Arschloch oder der Verräter, nein, er war ein Freund, ein toller Mensch und der Junge, in den ich mich verliebt hatte. Derjenige, der es schaffte, meinen Vater aus einem neuen Winkel zu betrachten.

"Ich sollte mit ihm reden, oder?"

"Irgendwann musst du es. Es wird dir gut tun und ihm auch."

"Danke", sagte ich völlig ehrlich und aufrichtig.

"Wow, kannst du das bitte nochmal sagen?", grinste er. Okay, vielleicht blieb er doch noch ein Idiot. Ich stieß ihm lachend in die Seite, ehe er mich nochmal in seine Arme zog. Ich will nie wieder aufstehen. Nie, nie wieder.

Allerdings konnte er keine Mahlzeit auslassen und da es doch schon relativ spät war, wurde ich gezwungen aufzustehen. Niall ging nach unten, während ich mich im Gästebadezimmer herrichtete. 20 Minuten später saßen wir gemeinsam am Tisch, aber mein Vater fehlte. Mich quälte ein schlechtes Gewissen.

"Maura, es tut mir leid, was gestern passiert ist. Ich weiß nicht, ob mein Vater überhaupt weiß, was ich damals sah, aber es hat mich sehr verletzt. Alles einfach. Du warst so nett zu mir und auch Niall hat so gut wie nie etwas falsch gemacht, bis auf ein, zwei Dinge, aber das ist jetzt nicht wichtig. Es tut mir so furchtbar leid.", sagte ich scheu und sah auf meine Finger.

Maura legte eine Hand auf meine: "Blair ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach für dich ist, auch Niall und ich haben so etwas hinter uns. Es wäre besser wenn ihr miteinander redet. So wie ich das sehe, hast du es ja auch geschafft mit meinem Sohn zu reden". Sie grinste uns beide an, als wüsste sie, dass ich letzte Nacht neben ihm lag. Okay, wahrscheinlich wusste sie es.

Ich erkundigte mich nach dem Standort meines Vaters, der in seinem Schlafzimmer sei. Ich folgte Mauras Wegbeschreibung, klopfte an und die Stimme meines Vaters ertönte. Als ich hineinging, sah er mich nicht an, sondern ein altes Fotoalbum von mir auf meinen Schlittschuhen.

"Der Grand Prix vor 8 Jahren in London. Eine atemberaubende Show mit so talentierten Läufern."

"Blair, ich-" "Schon gut, ich sollte mich entschuldigen für meinen Auftritt gestern. Wir sollten reden, Dad.", seine Lippen zuckten leicht, als ich 'Dad' sagte. Ich setzte mich zu ihm auf die Bettkante.

"Ich bin dir so viele Erklärungen schuldig. Mir tut das alles so leid. Blair, ich hielt es damals nicht mehr aus. Deine Mutter und ich haben uns nur noch gestritten, wir haben uns einfach auseinander gelebt. Ich habe sie wirklich geliebt gehabt und als du geboren wurdest, war es das Schönste überhaupt, aber wir hielten es nicht mehr aus zusammen. Es war nie deine Schuld, hörst du! Ich habe irgendwann Maura kennengelernt. Sie hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen. Ich habe Gefühle für sie entwickelt, die ich noch nie in meinem Leben für deine Mutter empfunden habe. Ich habe dich, aber immer mehr geliebt, glaub mir! Auf jeden Fall, wollte ich es deiner Mum sagen, konnte aber nicht, aus Angst dich zu verlieren. Die Sache hat mir gezeigt, lieber mit offenen Karten zu spielen, denn so hätte ich dich nie verloren. Als ich gegangen bin, habe ich dich auf der Treppe sitzen sehen und es brach mir mein Herz, denn ich wusste, ich habe dich in dem Moment, wo ich aus der Tür gegangen bin, verloren. Maura wusste, dass es dich in meinem Leben gab und ich wusste, dass es Niall in ihrem Leben gab. Es tut mir so leid, Blair. Wirklich.", er sah mich mit Tränen in den Augen an und auch ich hatte die eine oder andere Träne verloren.

"Dad, ich habe dich so oft gebraucht in meinem Leben. Zu irgendwelchen Aufführungen oder als Trainer. Nachdem du gegangen bist, bin ich gefallen, so oft, habe ich mich noch nie auf das Eis gelegt. Ich hatte dann keine Lust mehr, weil ich dich so vermisst habe. Es hat mir aber so gefehlt, dass ich ein halbes Jahr oder noch später wieder auf dem Eis stand. Ich habe dich belogen, Daddy, ich laufe immer noch. Ich wollte, dass du meinen Schmerz fühlst, denn ich empfunden habe. Ich habe die ersten Jahre geweint bei den Geburtstagskarten, weil ich dich haben wollte und nicht deine Handschrift auf einem Stück Papier. Irgendwann tat es nur noch weh und ich habe mich von Weihnachten distanziert, um den Schmerz aus dem Weg zu gehen. Ich habe dich vermisst und gebraucht in meinem Leben. Wenn Niall nicht gewesen wäre, würde ich wahrscheinlich immer noch kein Wort mit dir wechseln. Ich kenne seine Geschichte und die von Maura. Ihr habt ihn nicht schlecht großgezogen.", sagte ich zum Schluss immer lächelnder und legte ihm eine Hand auf die Schulter, dabei sah ich ihm ehrlich in die Augen.

"Ich hab dich lieb, Blair. Ich habe dich nie vergessen und werde es auch nie. Du bist mein Ein und Alles, meine Tochter. Mein Champion. Ich bin so froh, dass du noch läufst, denn es ist ein Teil von dir.", er wischte sich seine Tränen weg. "Und von dir, Dad.", ich lächelte. Er nahm mich in seinen Arm und ich weinte. Ich habe solange meinen Vater nicht mehr in dem Arm gehabt. Jetzt habe ich es und merke, dass diese gute Beziehung von früher immer noch da ist. Er musste mir nicht mehr viel sagen, ich habe ihm im Herzen schon gestern Abend verziehen.

Ich erzählte ihm noch von Hailey und der Schule, aber auch wie ich auf Niall traf. Sein dümmliches Grinsen konnte er sich bei Niall nicht verkneifen. Er fragte mich auch dazu, aber das ist die einzige berechtigte Lüge, die man seinen Eltern auftischen darf, wenn sie fragen, ob man verliebt ist. Es kann peinlich enden, wenn man es manchmal nicht tut.

Ich musste Dad versprechen mit ihm auf das Eis zu gehen. Ich hingegen konnte nicht warten und wollte direkt los. Natürlich habe ich meine zu Hause gelassen. Als ich vor der Tür stand, hätte Mum mir beinahe die Tür in die Fresse geschlagen. Ich schrie dann nur durch diese, dass ich meine Schlittschuhe vergessen hätte und diese holen wollte. Danach fuhren wir alle vier in die Eishalle, in der ich mit Niall bereits schon war.

Natürlich trafen wir auf Herbie, dem ich die ganze Situation erklären durfte. Er lachte nur und meinte, wenn wir etwas brauchen würden, sollten wir uns melden.

"Zeigst du mir heute dein berüchtigtes Talent mal richtig?", fragte mich Niall.

"Ich werde mich nie wieder zurückhalten.", sagte ich als ich das Eis betrat und mich warm lief. Nachdem ich warm war, sah ich den herausfordernden Blick meines Dads.

"Kannst du sie noch?", fragte er mit hochgezogener Augenbraue.

"Du willst mich wohl auf dem Arm nehmen!",rief ich zurück und fragte Herbie, ob er die Musik anmachen könnte. Speziell fragte ich nach 'Let It Go'. Ich stellte mich hin, machte mich bereit und fühlte die Musik in meinem Körper, während ich die gesamte Choreografie aufführte. Es fühlte sich an, wie damals, als wäre alles wieder so richtig, als hätte alles wieder Sinn.

Die Sprünge saßen, so wie alles andere auch. Mein Vater hatte nichts anderes erwartet, dass sah ich in seinen Augen. Niall hingegen stand nur da mit offenem Mund.

"Du willst mich doch verarschen, oder? Wie kann man sich so dumm anstellen, wenn man das drauf hat?!", ich lachte nur. Unsere Eltern verstanden das nicht ganz, aber es sind Eltern, sie mussten es nicht verstehen oder wissen.

Maura war noch etwas wacklig auf den Beinen, aber mein Vater half ihr, während ich Niall Tricks lehrte. Es klappte überraschend gut, außer ein mal, da legte er sich quer über das Eis.

Es war ein wunderschöner Tag, wie ich ihn lange nicht mehr erlebt hatte.

Eisblume {Niall Horan}Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt