Frank
Ich wurde von hellen Sonnenstrahlen geweckt, die Apollo, der Gott der Sonne (und seit einer gewissen Nacht meist abfuckender Gott), offensichtlich gerne direkt in mein Gesicht scheinen ließ. Genervt rieb ich mir über die Augen und wälzte mich stöhnend im Bett herum. Doch auch das nützte nichts. Die Sonnenstrahlen schienen mich zu verspotten und ich glaubte, ein angedeutetes Grinsen in ihnen erkennen zu können. Vielleicht spielten mir meine Augen auch einfach nur einen Streich oder, was noch wahrscheinlicher war, ich wurde allmählich wirklich verrückt. Seit unserem Aufbruch war ich das reinste Nervenbündel und bildete mir andauernd Dinge ein, die es mit höchster Wahrscheinlichkeit gar nicht gab. Gestern zum Beispiel, vor der Schlacht, hatte ich geglaubt, einen neongrünen Ford auf den Wolken fahren zu sehen. Ein anderes Mal war ich davon überzeugt gewesen, eine verbeulte Trompete habe sich mit einem vorbeifliegenden Vogel unterhalten. Doch jedes Mal, waren diese seltsamen Dinge hinter den Wolken verschwunden, bevor ich mich davon überzeugen konnte, dass sie echt waren.
Ich stöhnte genervt und musste wegen der Helligkeit niesen. Im Bett bleiben, wollte ich nun auch nicht mehr. Also schwang ich meine Beine auf den Boden und hievte mich aus dem bequemen Bett. Ächzend streckte und reckte ich mich. Noch ein wenig benommen stapfte ich ins Bad und duschte mich heiß. Das Wasser prasselte auf meinen Kopf nieder und ließ meine Haare nach unten hängen. Mein sonst perfekter Militärschnitt war schon wieder viel zu lang geworden und fiel mir nun ein wenig auf die Stirn. Vielleicht könnte ich Hazel fragen, ob sie mir eventuell die Haare schneiden könnte, da ich wusste, dass ich mich viel zu ungeschickt anstellen würde, und am Ende wahrscheinlich nicht mehr über eine Haarpracht verfügen würde.
Ich stellte das Wasser ab, stieg tropfnass aus der Dusche und trocknete mich ab. Anschließend streifte ich mir das lilafarbene Camp- Jupiter- T-Shirt über und zog mir lockere schwarze Jeans an. Schnell putzte ich mir die Zähne und verließ das Bad. Ich schlüpfte in meine dunklen Sneakers und legte mir danach meinen Brustharnisch aus Kaiserlichem Gold an. Er war zwar eher als Demonstration von Macht und Repräsentation der Stellung gedacht, allerdings eignete er sich auch wunderbar zu meinem eigenen Schutz. Hoffentlich würde ich ihn nicht sofort verbeulen und ihn ruinieren! Meine Ungeschicklichkeit war mir immernoch ein Dorn im Auge, auch wenn sie sich zunehmend weniger zu bemerken machte. Seufzend zurrte ich die Riemen fest und war binnen weniger Sekunden fertig. Immerhin das konnte ich gut: Kriegsrüstung anlegen.
Vorsichtig nahm ich den lilafarbenen Umhang vom Haken und legte auch ihn mir um. Schließlich steckte ich mir noch meine Abzeichen an. Ich schnappte mir den Gladius, den ich bekommen hatte, und befestigte ihn an meinem Gürtel neben den feuerfesten und absolut sicheren Beutel mit dem Stück Feuerholz, das mein Leben bestimmte. Da ich mit zu vielen mächtigen Gaben geboren worden war und zu viel mächtiges Blut in meinen Adern floss, war mein Leben mit einem Brennholz limitiert worden, das mit meiner bloßen Gedankenkraft anfing zu brennen. Und wenn das Holz abgebrannt war, so war auch mein Leben zuende - Mein Leben brannte kurz, aber hell.
Ich hob noch meinen Bogen und den Köcher voller Pfeile auf und legte mir zuerst den Köcher um und band den Bogen so am Rücken fest, dass er beim Gehen nicht störte, ich aber jederzeit ohne große Bemühungen an ihn herankam. Zu guter Letzt versteckte ich noch zwei kleine Dolche unter meiner Kleidung.
Ich trat zur Tür und straffte die Schultern. Ich war bereit zum Frühstück zu gehen!
Der süße Duft von Pfannkuchenteig und Schokolade stieg mir in die Nase. Hazel und Piper, die heute Morgen Frühstücksdienst hatten, hatten wohl jede Menge Spaß beim Pfannkuchenbacken gehabt, denn die beiden Mädchen waren über und über mit Mehl bestäubt. Hazel grinste mich an und schob mir einen Teller hin. Ich gab ihr einen kurzen Kuss, sagte: "Guten Morgen" in die Runde und setzte mich dann. Percy hatte sich mit blauen Pfannkuchen vollgestopft und nuschelte mit vollem Mund: "Morgen", wobei er von Annabeth einen vorwurfsvollen Blick kassierte. Annabeth war trotz ihrer Verletzungen noch immer genau die Alte und ließ sich ihre Schmerzen nicht anmerken, indem sie ihre typische undurchdringliche Maske aufgesetzt hatte. Nur die Tatsache, dass ihr Gesicht aschfahl war, verriet, dass mit ihr keineswegs alles in Ordnung war.
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Helden des Olymp - Gaia erwacht
FanfictionDas Übel beginnt damit, dass Annabeth eines Tages einen Albtraum hat. Eigentlich etwas ganz Normales für einen Halbgott. Jedoch hat das alles ganz andere Ausmaßen, als gewohnt! Denn sie schwebt in Lebensgefahr, da der böse Gott Tartarus sie bedroht...