23. Grübelein und Alarm

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Annabeth

Skeptisch blickte ich auf meine Zeichnung. Ich musterte sie argwöhnisch. War das wirklich Camp Double - Blood? Könnten hier mehrere hundert Camper leben? Und außerdem noch um die tausend Einwohner in der Stadt? Würden sie sich dort wohlfühlen? War es die richtige Entscheidung, die zwei Marsfelder dorthin zu verlegen? Und waren die Tempel in dem Tempelring wirklich richtig angeordnet?

Ich seufzte frustriert. Seit Tagen schon saß ich an hunderten Plänen für das zukünftige Camp Double - Blood. Ich legte meine drei Favoriten nebeneinander. Welche der Zeichnungen war die Richtige? Ich verglich sie noch einmal miteinander. Schließlich legte ich das linke Papier wieder zur Seite. Die Stallungen für die Pegasoi, die Einhörner und für den Kriegselefanten Hannibal waren irgendwie noch nicht an der richtigen Stelle. Also schaute ich mir die übrigen beiden Pläne genaustens an. Ja, hier gefiel mir der Ort für die Stallungen schon viel mehr. Sie befanden sich im Süden, genauer gesagt im Süd- Osten, umringt von den Wiesen für die Einhörner und Pegasoi, der Kletterwand, dem Bogenschießgelände, den Volley- und Basketball- Feldern, den Gebäuden für das Kunsthandwerk und der Schmiede. Den Feuerwerksstrand mit eingeschlossen, bildeten diese Anlagen und Gebäude die Kunstecke, wie ich sie getauft hatte.

Diese Kunstecke war bei beiden Plänen in der selben Ecke, denn dort gefiel sie mir am meisten. Auch beide Marsfelder hatte ich an der selben Stelle platziert. Denn sie befanden sich im Osten, getrennt von dem Aquädukt. Doch dann begannen auch schon die Unterschiede: In der rechten Version hatte ich die Wohnräume für die Camper, sprich die Hütten für die Kinder einer Gottheit und die Zelte für die Kohorten, direkt über die Marsfelder gesetzt, das heißt, im Nord- Osten. In der linken Version hingegen befanden sie sich über die Fläche des Westens verteilt, in der Nähe des Eingangs, um eventuelle Eindringlinge frühzeitig erledigen zu können, während wir Camper in der rechten Version natürlich geschützter wären.

Die zwei Arenen mit anschließender Waffenkammer, das Lagerfeuer und das Haupthaus lagen an der jeweils umgekehrten Stelle. So fanden sie sich bei der rechten Variante auf der westlichen Fläche, während sie bei dem anderen Plan dort anzutreffen waren, wo bei der rechten Version die Wohnräume lagen.

Ich kreiste meinen Kopf einmal, um meinen steifen Nacken ein wenig zu lockern. Mein Kopf schmerzte von diesem kontinuierlichen Denken. Diese ganze Angelegenheit war ziemlich kompliziert, denn als die Architektin lag eine gewaltige Verantwortung auf mir. Ich musste die richtigen Entscheidungen für Generationen von Halbbluten treffen. Das bedeutete: Noch genauer nachdenken!

Ich war schon wieder mit Grübeln beschäftigt, als ich auf einmal einen warmen Atem an meinem Hals spürte. Verwundert blickte ich auf und bekam gerade einen sanften Kuss auf die Lippen gedrückt. Ich lächelte meinen Freund erschöpft an und er fragte: "Immer noch nicht fertig? Ist die Auswahl denn so groß?"

"Ach, Percy. Hilf mir! Ich weiß einfach nicht, welche Variante ich nehmen soll!", antwortete ich ihm resigniert.

"Na, lass mal sehen. Sind das hier deine Favoriten? Und du siehst so müde aus, hast du überhaupt geschlafen?", fragte er besorgt. Doch ich überhörte den letzten Teil einfach und ging auch nicht auf die Sorge in seiner Stimme ein. Also sagte ich: "Ja, zwischen den beiden hier kann ich mich einfach nicht entscheiden! Was meinst du dazu?"

Percy zögerte und schaute sich den einen Plan ganz genau an. Anschließend musterte er den anderen ausführlich. Dann hielt er beide Zeichnungen nebeneinander, um sie miteinander zu vergleichen, so, wie ich es zuvor auch schon getan hatte.

Schließlich entschied er: "Ich finde die rechte Variante besser, weil dort die Stadt schöner strukturiert ist. Aber warum hast du sie Incipiens genannt? Warte, das ist doch Latein, oder?"

Helden des Olymp - Gaia erwachtWo Geschichten leben. Entdecke jetzt