Ich öffne noch einmal die Augen um nachzusehen, wie lange es noch dauern könnte. Aber auch Nicks Gesicht scheint wie angewachsen zu sein. Ich sehe, dass noch genügend Abstand ist, also atme ich noch einmal tief durch und hoffe, dass dieser Abstand auch bleiben wird, doch sein Gesicht setzt sich wieder in Bewegung. Ich bekomme innerliche Schnappatmung. Ich kneife die Augen wieder zusammen und als ich seinen warmen Atem in meinem Gesicht spüre, schiebe ich meine Hand zwischen unsere beiden Gesichter. Er presst seinen Mund darauf. Ich höre wie die anderen den Atem anhalten. Ich öffne vorsichtig ein rechtes Auge und blicke in seine aufgerissenen Augen. Er greift sich an den Nasenrücken, entschuldigt sich und rennt davon. Ich hab's ja echt drauf. Denke ich. Ich muss ihm das erklären. Schießt es mir durch den Kopf. Ich stehe auf und schlittere auf Socken hinterher. Ich weiß nicht woran ich es erkenne, aber ich weiß, dass er im Bad ist, jedoch ist die Tür verschlossen. "Nick, bitte lass mich rein!" Rufe ich durch die Tür. "Nein!" Er weigert sich. "Lass es mich dir wenigstens erklären." Bitte ich. Er sagt irgendwas, was ich nicht ganz verstehen kann. "Hör mir bitte zu!" Sage ich. Ohne eine Antwort zu bekommen, fange ich einfach an zu reden und hoffe, dass er mir zuhört: "Es tut mir so leid, ehrlich. Aber ich war dafür noch nicht bereit." Versuche ich ihm zu erklären. "Ich weiß, dass du verletzt oder enttäuscht bist, aber glaub mir, du brauchst mir nicht zu erzählen, dass du es bist und wie sehr das wehtut." Erkläre ich. Es fällt jedem schwer mir zuzuhören, niemand nimmt mich Ernst und gerade so werde ich immer wieder verletzt. Man nimmt mich nicht Ernst, weil ich, eben ich bin, weil man mich immer als das Mädchen gesehen hat, dass sich für was besseres hält und auch niemanden Ernst nimmt, die auch nur mit jeden umspringt, wie sie will. Aber jetzt will ich meinen Respekt haben, ich will, dass Nick mir zuhört. "Nick. Verdammt hör mir bitte zu." Schreie ich. Ich werde sauer. "Keiner wird besser wissen wie du dich gerade fühlst, wie ich. Ich weiß 'Aber warum machst du das dann?' schon klar. Ich bin dazu einfach nicht bereit. Ich kenne dich gerade seit einer Woche, es war schon in meinem alten Wohnort schwer genug für mich, ich will nicht, dass das hier so weiter geht. Ich will mich erstmal mit dir anfreunden. Nimm es nicht persönlich, dass ich nichts überstürzen will, das liegt an mir. Wenn du mich besser kennst, verstehst du mich da vielleicht." Mir fangen an Tränen zu kommen bei den Erinnerungen an meinen alten Wohnort, an mein Leben dort. Es war schrecklich. Ich hatte meine 4 besten Freunde und das war es. Der Rest hat mich verabscheut. Es bleibt lange still und niemand bewegt sich. Nur mir kullern immer mehr Tränen über die Wangen. Bis ich eine Bewegung hinter der Tür höre. Der Riegel fällt aus dem Schloss und die Klinke wird nach unten gedrückt. Er lässt mich herein und verschließt die Tür wieder. Seine Lippen bewegen sich und ich warte bis ein Ton von ihnen weicht. Ich schlage meine Hand vor das Gesicht und versuche mein schluchzen zu unterdrücken. Ich will nicht wie ein Weichei dastehen. "Warum hast du nichts gesagt?" Fragt er dann, nach einer gefühlten Ewigkeit. "Und dann als Memme oder Spaß Bremse und was es nicht sonst noch alles gibt, dastehen? Nein danke. Ich dachte eigentlich ich würde das durchziehen, aber kurz vorher, habe ich gekniffen." Antworte ich. "Glaub mir bitte, dass es mir leid tut. Ich kann mich nicht oft genug entschuldigen." Sage ich und wische mir die letzten Tränen aus dem Gesicht. "Ich glaube dir. Aber es ist schon verletzend. Als ich gemerkt habe, dass dir Tränen aus den Augen kullern, habe ich gemerkt, dass du die Wahrheit sagst, dass das an dir liegt und nicht so reagieren wolltest." Bemerkt er. Ich zittere am ganzen Leib. Das ist das erste Mal, dass ich mich mit einem Jungen anfreunde und dann verkacke ich es gleich. Typisch für mich. Nick kommt auf mich zu streckt mir die Arme entgegen und umarmt mich. Er will mich, obwohl ich so schrecklich war, trotzdem beschützen und glücklich sehen. Denke ich. Ich lehne meinen Kopf gegen seine Brust und lächle. Ich bin doch sehr viel kleiner als ich dachte. "Danke" Flüstere ich und schließe die Augen. Er legt seinen Kopf auf meinem ab und wartet. Man hört die anderen vor der Tür flüstern, aber das stört im Moment keine von uns. Sie haben uns die Zeit, in der ich im Bad bin, zugehört. Langsam löse ich mich aus seiner Umarmung und schaue ihm das erste Mal wieder ins Gesicht. "Es ist in Ordnung." Murmelt Nick. "Nein. Für mich nicht." Sage ich und meine das sehr Ernst. Das schlechte Gewissen wird mich nicht verlassen. Mindestens für 2 Monate nicht. "Du machst dir da einen größeren Kopf als ich." Lächelt er. Ich finde das nicht so lustig. Ich beschließe wieder nach draußen zu gehen, nachdem jetzt alles geklärt ist. Vor der Tür hört man Getuschel: "Weg, sie kommen." Aber sie sind zu langsam, ich reiße die Tür auf uns einer nach dem anderen fällt die Tür herein. Nick und ich lachen. "Nachdem ihr ja schon längst wisst, über was wir geredet haben, brauchen wir euch ja nichts zu erzählen und können wieder ins Wohnzimmer gehen." Täusche ich ein Lachen vor und beobachte den auf dem Boden liegenden Menschen Haufen. Mittlerweile ist es 2 Uhr und die Nacht ist noch jung. Wir wollen noch ein paar Runden Wahrheit oder Pflicht spielen. Die restlichen Runden sind total entspannt. Wir erfahren immer mehr über uns. Um 4 Uhr entschließen wir uns dann allmählich schlafen zu gehen. Und gerade, als ich für 2 Minuten meine Augen geschlossen hatte: "Scheiße!" Rufe ich. "Und das war zu laut!" Flüstere ich und halte mir die Hand vor den Mund. Meine Augen weit aufgerissen. Ich habe morgen früh einen verdammten Wettkampf! Denke ich erschrocken. An den habe ich ja gar nicht mehr gedacht. Füge ich meinem Gedanken hinzu. "Franzi, alles in Ordnung?" Fragt Sophie, die gegenüber von mir liegt. "Ja, alles bestens. Leg dich wieder schlafen!" Sage ich und lege mich auch wieder hin. "Du kannst zwar Sophie und die anderen an lügen, aber mich kannst du nicht anlügen. Was ist los?" Fragt Nick. In diesem Moment blitzt der Bildschirm meines Handys auf. Luna: "Was ist los?" Fragt auch sie. Ich antworte: "Schreib ich dir gleich. Muss erst Nick ablenken." "Ich hab vergessen, dass ich morgen früh raus muss. Und jetzt leg dich wieder schlafen." Sage ich ehrlich, warum erwähne ich aber nicht. Dann nehme ich mein Handy in die Hand und antworte Luna. "Deshalb würde ich jetzt gerne schlafen." Beende ich. Ich bekomme ein "Okay. Gute Nacht" Und einen schlafenden Smiley, sowie ein Herz als Antwort, dann drehe ich mich um.
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Double Life (Wird überarbeitet)
Teen FictionFranziska und ihre Eltern sind gerade von einer Großstadt in ein Dorf umgezogen. Für ihre neuen Mitschüler ist sie ein ganz normales Mädchen, aber sie verbirgt ein Geheimnis, wegen dem sie aus ihrem alten Wohnort wegziehen musste. Sie versucht alles...