Franzi
Ich stehe noch immer vor Nicks Tür, als plötzlich mein Trainer anruft. "Fiona, ich hab es gerade erfahren. Können wir uns irgendwo treffen?" ruft er verzweifelt durch den Hörer. "Meine Mutter holt mich jetzt ab, wir können uns bei mir zu Hause treffen." schlage ich vor. "Alles klar bis gleich." Sagt er und legt auf. Dann kommt meine Mutter angefahren. "Alles in Ordnung? Du hast so plötzlich angerufen!" fragt meine Mutter. "Auch er hat ein Geheimnis, er hat mich von jetzt auf gleich, einfach aus dem Haus geworfen und ich werde herausfinden warum." erkläre ich ihr.
Vor unserer Haustür steht schon mein Trainer. Er ist völlig aufgelöst. "Fiona. Mein Gott du Arme!" Ruft er und nimmt mich in den Arm. "Was sollen wir nur mit dir jetzt machen?" Er schaut mich verzweifelt an. "Wir brauchen eine Vertretung. Am Liebsten wäre mir mein früherer Tanzpartner, er ist der Beste auf seinem Gebiet, aber der wohnt Kilometer weit weg." "Wenn kannst du denn einweihen?" fragt Lukas. "Nur Luna. Sonst weiß niemand etwas davon und wird auch nie etwas davon erfahren. Ich kann Michael anrufen, vielleicht kommt er ja!" Versuche ich optimistisch zu bleiben. "Ein Versuch ist es wert. Ansonsten müssen wir uns mit deiner Freundin aushelfen. Es wird zwar ein Wunder brauchen, sie wenigstens halbwegs so gut wie dich zu bekommen, aber eine andere Option haben wir dann nicht." Stimmt Lukas zu und ich greife zu meinem Handy. "Fiona? Alles frisch?" Meldet Michael sich. "Könnte besser sein und bei dir?" Antworte ich. "Wieso was ist los?" Fragt Michael. "Du hast doch gehört, dass mein Fuß gebrochen ist oder? Und dass ein Auftritt kurz bevor steht?" Frage ich. "Ja hab ich gehört, du tust mir übrigens richtig leid, Honey!" Wir haben uns früher, als wir noch kleiner waren, lustige Spitznamen gegeben und seitdem heiße ich bei ihm 'Honey' und er bei mir 'Babe'. "Mike, hör zu, du musst mir einen rieeeesigen Gefallen tun!" Rufe ich durch den Hörer. "Welchen denn?" fragt Mike. "Du musst sofort zu mir kommen, ich brauche dich! Du bist der Einzige der das schaffen kann! Du bist der Einzige der besser ist, als ich, der mich ersetzen kann." Beichte ich. "Meinst du echt, dass ich der Einzige bin, der das schafft?" Fragt Michael etwas verwirrt. "Babe, bitte du weißt genau, dass in solchen Hinsichten niemals lüge und erst Recht nicht dich!" Erkläre ich ihm. "Ich würde dir total gerne versprechen zu kommen, aber du weißt doch wie das ist. Ich hab Schule Honey. Ich gebe mir Mühe zu kommen, aber ich kann echt nichts versprechen!" Sagt Mike enttäuscht. "Soll Lukas dir eine Entschuldigung schicken? Bitte Babe ich brauche dich wirklich." Ich flehe ihn an. "Wie gesagt, ich kann es nur versuchen. Such dir auf jeden Fall schon einen Ersatz, falls es doch nicht klappen sollte." Rät er mir, dann verabschieden wir uns. Sofort löchert Lukas mich, was Mike gesagt hat. Ich erkläre ihm kurz die Situation. Er klatscht ironisch in die Hände. "Herzlichen Glückwunsch. Wir sind im Eimer." Sagt er. Ich gebe es ungern zu, aber ich stimme ihm zu. Wenn jetzt kein Wunder passiert, weiß ich auch nicht mehr weiter. Es heißt abwarten, vielleicht kommt er ja doch. Und wenn nicht? Was dann? In Gedanken male ich mir jeden erdenklichen Gedanken aus und bete, dass der beste passiert. Es wäre vielleicht besser, wenn du doch deine Freundin fragst, ob sie für dich einspringen kann. Ich sage währenddessen den Veranstaltern bescheid, dass du nicht kommen kannst, aber wir wohl möglich eine Vertretung schicken." Erklärt Lukas seine Vorgehensweise. Ich werde Luna morgen in der Schule fragen, ob sie Lust hat. "Und was, wenn sie nein sagt?" Frage ich. "Dann wirst du vielleicht doch jemand anderen noch einweihen müssen." Sagt er.
"Mama, was soll ich nur machen. Wenn Luna jetzt doch nein sagt, was soll ich dann machen? Ich kann doch nicht einfach in die Klasse stolzieren und quer durch die Klasse schreien: 'Wer hat Lust auf einer Veranstaltung zu tanzen, als Vertretung für mich?' Das kann ich echt nicht bringen." Ich frage eigentlich immer meine Mutter nach Rat, wenn nicht weiter weiß, aber diesmal ist es mein Vater, der mir einen Rat gibt. "Süße, vertrau auf dein Herz, diese Antwort wird dir niemand abnehmen können. Hoff einfach erst einmal auf das Beste und wenn das nicht funktioniert, wird dir dein Herz die richtige Antwort geben. Vielleicht wird dir jemand einen solchen Vorschlag machen, das wird schon gut gehen, vertrau mir!" Und ich vertraue ihm ich hoffe auf das Beste und denke einfach nicht negativ. "Danke!" Sage ich und gebe meinem Vater einen dicken Schmatzer. Ich bin so glücklich, dass er zu Hause ist. Ich gehe nach oben in mein Zimmer und entspanne mich soweit es geht. Ich sitze eine Weile einfach nur da und dann kann ich nicht mehr still sitzen, ich muss mich bewegen, aber ich kann nicht. Ich versuche auf einem Bein hüpfend irgendwelche Bewegungen der neuen Choreographie nachzuahmen. Wir erwartet mit einem Fuß nicht ganz so leicht, aber es funktioniert. "Du kannst nicht nur Fußball spielen, sondern auch tanzen?" Ich falle vor Schreck beinahe um. Ich drehe mich zur Tür und Nick steht im Türrahmen. "Irgendwas muss ich ja machen, wenn ich schon nicht Fußball spielen darf!" Versuche ich zu erklären. "Was machst du eigentlich hier? Spionierst du mir etwa nach?" Frage ich dann. "Vielleicht!" Schmunzelt Nick. "Ach was, quatsch. Ich wollte dir nur deine Jacke wieder bringen, du hast sie bei mir liegen lassen." Er streckt mir die Jacke hin. "Oh.. Ja.. Danke!" Sage ich. "Ich bin etwas vergesslich." Ergänze ich, mich am Hinterkopf kratzend. "Ich hab es gemerkt. Mega goldig, wie verlegen du wirst." Merkt er an. Ich greife nach der Jacke, weil mir das peinlich ist. "Danke!" Sage ich und nehme die Jacke an mich. Mir schießt ein Gedanke durch den Kopf. "Kannst du tanzen?" Frage ich ihn. Er hebt die Schultern. "Wie keine Ahnung" Will ich wissen. "Ich stehe nicht jeden Tag vorm Spiegel und tanze!" Lacht er. Ich grinse. "Willst du es mal versuchen?" Frage ich ihn. "Ich kenne ein paar Schritte." Lüge ich. "Aber nicht alleine." Ich schaue auf meinen Fuß. "Versuch dich ja nicht rauszureden, gerade konntest du auch tanzen." Sagt er. "Okay. Von mir aus. Kannst du Discofox?" Frage ich. Ich will meinen Fuß nicht zu sehr belasten. "Ja. Ein bisschen." Sagt er. Wir beginnen mit den Schritten. Dafür, dass er Discofox nur 'ein bisschen' kann, kann er den aber erstaunlich gut tanzen. Denke ich. Er kennt jeden Schritt und tanzt ihn fast besser als ich. "Von wegen, ein bisschen, du Lügner, du tanzt in hervorragend!" Lobe ich seine Tanzkünste. "Dankeschön!" Sagt er geschmeichelt. Das ist er. Das ist mein Ersatz. Denke ich überglücklich. Sobald er weg ist, informiere ich Lukas über die grandiosen Nachrichten. Während ich wie ein Storch im Salat, versuche zu tanzen, schmiede ich einen Plan, wie ich Nick dazu bringe zu tanzen, ohne ihm zu sagen, warum mir das so wichtig ist. Ich schiebe den Gedanken, einen Plan zu schmieden auf die Seite und fixiere mich auf Nicks Bewegungen. "Du tanzt aber nicht heimlich oder?" Frage ich etwas mit nach oben gehobenen Mundwinkeln. "Selbes wollte ich dich auch gerade fragen!" Lächelt auch er. "Ich hab zuerst gefragt, mein Lieber." Sage ich. "Nein, mache ich nicht, warum?" Antwortet er. "Du tanzt wundervoll. Ich hab zwar nicht viel Ahnung davon." Doch! "Aber, ich finde du bist der Hammer!" Erkläre ich. "Meinst du?" Fragt Nick. "Ich finde ja." Gebe ich zurück. Nick wirft einen kurzen Blick auf die Uhr. "So spät schon? Ich muss gehen. Bis morgen!" Er umarmt mich kurz und geht aus meinem Zimmer. "Das hätte auch anders ausgehen können" Flüstere ich. Ich werfe mich neben meinem Handy auf die Couch und berichte Lukas die guten Nachrichten. "Ich hab einen Ersatz gefunden und ich weiß sogar, wie ich es schaffe ihn dazu zu bringen mitzumachen oder ihm sagen zu müssen, weshalb ich das so unbedingt will." Ist mein Nachricht an Lukas. Wenige Sekunden später bekomme ich schon eine Antwort. "Echt? Das ist perfekt. Was soll ich machen?" Mein Plan ist es, dass ich ihn dazu bringe in der Öffentlichkeit zu tanzen und ganz zufällig mein Trainer vorbei kommt und ihn sieht. Lukas findet den Plan etwas riskant, aber genau solche Pläne liebt er. Er ist einverstanden. Ich schreibe ihm, dass er morgen in der 1. großen Pause an die Schule kommen soll. "Das klappt schon. Zeig ihm einfach deine Visitenkarte. Du bist der Trainer der Besten!" Versichere ich ihm. "Ich vertrau auf dich." Bekomme ich als Antwort. "Aber bitte, bitte erwähne auf keinen Fall meinen Namen oder, dass du mich kennst!" Warne ich ihn. Darauf keine Antwort mehr. Ich hüpfe überglücklich die Treppe nach unten, soweit es möglich ist. "Warum so glücklich?" Fragen meine Eltern im Chor. "Ich hab einen Ersatz!" Trällere ich fröhlich. "Fantastisch!" Ruft meine Mutter. "Sehr gut!" Applaudiert mein Vater. "Also, es steht noch nicht fest, aber ich weiß wer es sein könnte!" Erkläre ich etwas besser. "An wen denkst du Fiona?" Will mein Vater wissen. "An einen Klassenkamerad." Erkläre ich. Meine Eltern halten mich für verrück, weil ich die Person dann einweihen müsse. "Nein muss ich nicht." lächle ich. Sie verstehen nicht genau wie ich das meine, aber sie vertrauen mir in dieser Sache. Ich hüpfe in die Küche und hole mir Brot, zum Abendessen. Meine Eltern gehen mal wieder zusammen essen, es ist schon eine Weile her, dass die beiden Zeit für sich hatten. "Tschüss Fiona und stell nichts an!" Verabschieden sich die beiden. "Mal schauen!" Gebe ich zurück. Ich entschließe mich, mal wieder bei meiner Schwester anzurufen. Ihre Gast Mutter geht ans Telefon. "Hello, it's Fiona." Begrüße ich die Frau. "One Moment please." Sagt die Frau und ruft meine Schwester. Durch den Hörer höre ich, wie sie meine Schwester informiert, dass die Schwester aus Deutschland dran ist. "Fiona, meine Süße! Wie geht es dir?" Meine Schwester klingt erholt. "War schon besser, kann mich aber nicht beklagen. Und wie geht's dir?" Frage ich. "Mir geht es bestens! Was ist bei dir los?" Fragt sie besorgt. "Erst muss ich dir noch was erzählen. Ich hab am Wochenende die Süddeutschen Meisterschaften gewonnen." Rufe ich begeistert. "Herzlichen Glückwunsch Schwesterchen!" Meine Schwester ist immer überglücklich wenn ich ihr sowas erzähle. "Die eher schlechte Nachricht ist, dass ich eine Weile ausfalle. Aber damit kann ich leben." Erkläre ich. "Was? Wieso was ist passiert? Und als ob du damit leben kannst! Tanzen ist dein Leben! So wie meins Volleyball ist!" Entgegnet sie. Ich erkläre ihr, was passiert ist. "Oh nein, du Arme, aber das wird schon wieder, vertrau mir! Und wie geht es Mama und Papa? Erzähl mal was in letzter Zeit so los war!" quetscht sie mich aus. Ich sage ihr, dass es Mama und Papa sehr gut geht und erzähle ihr alles von der neuen Schule, von der Übernachtungsparty, von meinen neuen Freundinnen und von Nick. Sie hört die ganze Zeit aufmerksam zu. Das liebe ich an meiner Schwester, auch wenn wir uns ab und zu streiten, ich kann mit ihr über alles reden. "Das klingt sehr interessant Fiona. Ich freue mich für dich. Du musst mir unbedingt mal ein Bild von diesem Nick schicken." Antwortet sie. "Klar. Aber ich muss jetzt ins Bett, wie du weißt ist es bei uns gerade 10 Uhr und ich muss morgen früh raus." Erkläre ich. "Alles klar, Gute Nacht. Ich hab dich lieb!" Sagt meine Schwester. "Ich hab dich auch lieb, Alina." Gebe ich zurück, schicke ihr einen Luftkuss und lege auf. Das Gespräch hat mich etwas deprimiert, ich vermisse Alina wirklich sehr. Jedes mal sage ich mir, 'es dauert nicht mehr lange, sie kommt bald wieder.' Ich hinke wieder nach oben in mein Zimmer, ziehe mich um, putze Zähne und werfe mich in mein Bett. Ich bin noch eine Weile an meinem Handy und schreibe mit Luna, die auch noch wach ist. Ich schicke Alina noch das Foto von Nick, dann lege ich das Handy weg und drehe mich um. Die ganze Nacht muss ich an den Plan denken, ich hoffe, dass er wirklich so aufgeht, wie ich das gerne hätte.
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Double Life (Wird überarbeitet)
Teen FictionFranziska und ihre Eltern sind gerade von einer Großstadt in ein Dorf umgezogen. Für ihre neuen Mitschüler ist sie ein ganz normales Mädchen, aber sie verbirgt ein Geheimnis, wegen dem sie aus ihrem alten Wohnort wegziehen musste. Sie versucht alles...