Kapitel 16

1K 100 8
                                        

noah

Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.

noah

„Du findest mich jetzt aber nicht herzlos?"

„Wieso sollte ich?"

„Weil ich mich erst nicht für deine Verletzungen interessiert und dir die kalte Schulter gezeigt habe. Ich hab irgendwie ein schlechte Gewissen."

Simon sah mich einfach nur an und seufzte.

„Was ist?"

„Nichts", erwiderte Simon und lachte kurz auf. „Du bist süß."

Ich verdrehte die Augen und sah mich in dem Zimmer um, in dem wir uns befanden. Es war ein kleines Behandlungszimmer und wir warteten auf den Arzt, der Simons Schulter wieder einrenken sollte. Seine Nase war bereits gerichtet und er trug nun ein dickes Pflaster mitten im Gesicht. Die Schwester hatte gesagt, es sei reines Glück im Unglück gewesen, dass sein Wangenknochen nicht gebrochen war. Sein Auge war schlimm blau angelaufen, doch ansonsten hatte er bloß weitere blaue Flecken verteilt auf seinem Körper.

In dem Raum waren lauter Hängeschränke, auf denen  Aufkleber waren, die den Inhalt der Schränke preisgaben. Ansonsten hatte der Raum nicht viel zu bieten. Eine Liege, auf der Simon saß, ein Ultraschallgerät und zwei weitere Stühle. Ich stand neben der Liege, weil ich gerade absolut keine Lust hatte zu sitzen. Ich fuhr mir durch meine blonden Haare und streckte mich kurz. Morgen war Montag und ich hatte keine Ahnung, wie ich den Tag morgen überleben sollte.

Ich sah zu Simon, der sich ein Plakat über Füße an der Wand durchlas. 

"Was passiert jetzt mit deinem Vater und dir?", fragte ich und lehnte mich an die Wand. Simon schwieg und starrte weiter auf das Plakat. Er blieb lange still und dann sagte er: "Er meinte, wir würden wieder umziehen." 

Ich sah zu Boden und spürte wie mein Herz zu rasen begann. Das war doch alles nicht wahr. Es blieb still. Bis auf unsere Atmung war nichts zu hören. Durch die geschlossene Tür drängten sich nur gedämpfte Geräusche des Betriebes in dem Krankenhaus.

"Weißt du, Simon. Seit du hier aufgetaucht bist, sind so viele wichtige Dinge in meinem Leben passiert. Ich weiß jetzt, wieso ich nie eine Freundin hatte, was mein bester Freund wirklich von mir hält und was es bedeutet meine Wut in etwas schönes umzuwandeln. Trotzdem waren die letzten Wochen die Anstrengendsten in meinem ganzen Leben. Ich versuche deinen Vater zu verstehen, aber es gelingt mir nicht. Meine Mutter akzeptiert mich so wie ich bin und ich glaube, dass ist einer der Gründe wieso ich mir nicht die Schuld für deine Verletzungen geben kann. Ich sehe es ein, dass es falsch war, deinen Vater so damit zu überfallen, aber was ich nicht einsehe ist, mich verstecken zu müssen. Verstehst du das? Und wenn du jetzt wegziehst, dann weiß ich nicht was ich machen soll. Außerdem weiß ich nicht, ob du mich nicht doch wieder verleugnen wirst. Das macht mir Angst."

Simon schwieg und kämpfte sichtlich mit den Tränen. Er schluchzte auf und presste sich die Hand vor den Mund, um die nächsten Schluchzer abzudämpfen. Es tat mir weh ihn so zu sehen, doch in diesem Moment war ich einfach ratlos. 

colorblind Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt