Kapitel 3

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Dylan's POV

Schon von weitem konnte ich meiner Artgenossen hören. Als ich auf die Lichtung trat lagen alle Augen auf mir. Mir war dies ziemlich unangenehm, da ich meine Familie und meine Artgenossen enttäuschen musste. Ich war zu FEIGE gewesen, meinen Auftrag auszuführen, wo ich doch schon viele so erfolgreich und zuverlässig erledigt hatte!

"Na, hat das arme, kleine Menschenmädchen leiden müssen, oder hast du ihr kurzen Prozess gemacht?", fragte mich unser Anführer böse grinsend.

"Hunter, ich muss Sie leider enttäuschen. Am ersten Abend verlief anfangs alles nach Plan, doch plötzlich wachte das Mädchen auf und sah mich, weshalb ich verschwinden musste, bevor mich jemand erkennt und unsere Sicherheit gefährdet wird, Sir", fing ich an und Hunter's Miene verfinsterte sich. "Heute observierte ich das Mädchen, um ihr Verhalten zu beobachten, jedoch war dies nicht ganz möglich, da sie sich nur ein Mal und in Begleitung zwei weiterer Mädchen draußen aufhielt und ansonsten im Haus blieb. Vorhin war ich dann erneut dort, als ich aber hinein schleichen wollte, öffnete sich ihr Fenster und sie beobachtete den Himmel. Dies wollte ich zwar ausnutzen, jedoch entdeckte sie mich kurz davor und rannte ins Haus hinein. Sie kam mit den gleichen Mädchen, mit denen sie vorher draußen war zurück, und ich wollte nicht riskieren, Zeugen zu haben. Das Problem ist nun, dass sie mich glaube ich trotzdem erkannt hat. Sie denkt jedoch noch, dass sie geträumt habe und mich einfach vorher schon mal gesehen hat. Um diesen Schein zu wahren würde ich gerne ihren Tod noch etwas herauszögern, denn sie hat alles ihren Freundinnen erzählt und diese könnten das Ganze dann an die Polizei weitergeben, was wiederum unsere Identität vorerst gefährden könnte. Der Vorteil ist, dass ich in ihre Klasse gekommen bin und es somit leichter hätte, sie weiterhin zu überwachen, und den richtigen Moment abzupassen."

Mit hochgezogenen Augenbrauen sah Hunter mich an: "Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, du hättest Angst sie zu töten oder würdest sie gar schützen wollen, da du sie mögen würdest, obwohl sie ein Mensch ist. Ich muss sagen, ich bin etwas enttäuscht von dir; bisher hast du alle Aufträge ohne Widerspruch oder Zwischenfall erledigt. Ich erwarte von dir, dass du dies auch weiterhin tust! Ich werde deiner Aussage, dass du unsere Identität schützen willst, zu vertrauen. Du wirst mir jedoch unter Beweis stellen müssen, dass du dieses Vertrauen auch verdient hast, also missbrauche es bitte nicht!"

Ich wusste, das dies keine Bitte war, sondern ein Befehl, aber ich nickte trotzdem. Ich würde die nächsten 4 Wochen Zeit bekommen, Hazel's Verhalten zu studieren. Währenddessen würde ich regelmäßig Bericht ausstatten müssen und am Ende der Frist würde Hunter Hazel tot sehen wollen....

≈ drei Tage später (Montag) ≈

Ein helles, fröhliches Lachen riss mich aus meinen Gedanken und ich blickte auf. Hazel und ihre beiden Freundinnen betraten fröhlich lachend den Klassenraum. Als ich sie so fröhlich sah, bekam ich fast schon ein schlechtes Gewissen, bei dem Gedanken das ich sie töten musste.

"Hey Dylan! Hast du Lust mit mir und den anderen Jungs heute was trinken zu gehen?", ich hatte gar nicht bemerkt, wie sich Brandon neben mich gesetzt hatte.

"Mal schauen...", meinte ich und versank wieder in meinen Gedanken.

"Du wirkst so traurig! Hol dir mal 'n Mädchen Kumpel!", grinste Brandon.

Im Moment hatte ich eigentlich echt andere Probleme, aber ich wollte ja nicht auffallen und außerdem konnte es ja auch nicht schaden, sich ein wenig mit den anderen Typen aus meiner Klasse anzufreunden. Also nickte ich und beschloss, mir eine möglichst coole Fassade gegenüber den anderen aufzusetzen. 

Spätestens seit der Pause bereute ich es nicht; es war schon amüsant zu sehen, wie die Mädchen rot wurden oder möglichst toll wirken wollten wenn man sie ansprach. Ich weiß, das klingt ziemlich.. nun ja komisch, aber ich bin nun mal ein Typ und mag es, wenn einem die Mädchen hinterherschauen und anfangen aufgeregt mit ihren Freundinnen über einen zu tuscheln, wenn man in ihre Nähe kommt. So konnte ich wenigstens für ein paar Momente mein Vampir-Dasein und meine Aufgabe vergessen...


Hazel's POV 

≈ 2 Tage später (Mittwoch) ≈

Nach der gruseligen Nacht am Freitag gab es keine weiteren, ähnlichen Vorfälle. Alles schien normal; vielleicht hatte ich mich wirklich geirrt und ich hatte Dylan einfach schon mal gesehen und dann von ihm geträumt....

An ihm ist mir in den letzten Tagen auch nicht wirklich etwas Auffälliges - vom seinem guten Aussehen mal abgesehen. Er hielt sich immer bei der "coolen" Junggruppe auf und flirtete mit gut aussehenden Mädchen - leider auch mit solchen arroganten, eingebildeten Mädchen, die mindestens einen Kilo Schminke auf ihrem Gesicht verteilt hatten.... Aber eigentlich konnte mir das ja auch egal sein! 

Irgendwie war mir mein ängstliches Verhalten in der letzten Woche im Nachhinein schon fast peinlich... Mir war der Traum halt so real vorgekommen... Ich entschuldigte mich auch mehrmals bei meinen Freundinnen, für die ganze Aufregung, doch diese meinten nur, dass es kein Problem wäre und sich jeder ja mal irren könnte. Sie schafften es sogar, dass ich mittlerweile selber darüber lachen konnte und mir es nicht mehr ganz so peinlich war.

So vergingen die Tage und ehe ich mich versah war schon wieder Wochenende. Nächste Woche stand ein Tests an, also würde ich das Wochenende über wohl lernen müssen... Mit meinen Freundinnen verabredete ich, dass wir uns Samstags treffen würden, um unser Referat für Biologie vorzubereiten. Das waren ja schöne Voraussichten..., aber ich hatte ja keine andere Wahl; ich würde dieses Schuljahr meinen Abschluss machen und dieser sollte gut sein, also brauchte ich auch gute Noten. )-:

Am Montagmorgen quälte ich mich müde aus meinem Bett. Ich hatte gestern noch bis spät in die Nacht hinein gelernt und das Resultat war, dass ich mir erst einmal zwei Kaffees runterkippen musste. In der Mittagspause holte ich mir einen Espresso, um in Religion nicht einzuschlafen. Das war schwer, denn mein Lehrer redete mit einer monotonen Stimme über religiöse Fakten, die später noch nicht einmal in einer Klassenarbeit abgefragt werden würden... 

In der Mittagspause setzte ich mich auf eine etwas abgelegene Bank, am Ende des Pausenhofes, um ein wenig zu lernen. 

"Hey", sprach mich plötzlich eine leicht raue, tiefe Stimme an, bei der mir ein leichtes Kribbeln durch den Körper fuhr.

Als ich aufsah entdeckte ich erstaunt, dass es Dylan war, der mich angesprochen hatte. Ich sah mich kurz um. Ein paar Meter hinter ihm standen die Jungs, mit denen er immer zusammen war.

"Hallo", antwortete ich etwas distanziert und leicht kühl, um ihm klar zu machen, das ich nicht so wie andere Mädchen jetzt mit ihm flirten und versuchen ihn anzumachen würde.

Leicht irritiert von meinem Tonfall blickte Dylan kurz zu den anderen Jungs und sagte erst einmal nichts. Ich zog fragend eine Augenbraue hoch, woraufhin er nervös anfing auf seiner Unterlippe zu kauen.

"Na ja, also ich wollte dich fragen, ob du ähm...., ob du mir Mathe erklären könntest. Du weißt schon, die Hausaufgabe, die Mr Human uns aufgegeben hat. Naja, ich hatte das noch nie in meiner alten Schule gelernt..."

Ich runzelte die Stirn; war das wirklich das, was er eigentlich eben wollte? Etwas verwirrt nickte ich. Er nickt und zögerte kurz.

"Äh, und", er räusperte sich unsicher. "Dürfte ich dich danach zu einem Eis einladen?"


Little Vampire SecretsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt