Dylans POV
Endlich hörte ich die Schritte meiner Schwester, die in ihr Zimmer ging und das Klicken des Schalters, als sie das Licht ausmachte. Ich wartete noch eine Weile, bis ich - Dank des guten Gehörs, dass man als Vampir besitzt - hörte, wie ihre Atemzüge gleichmäßiger wurden. Vorsichtig stand ich auf, ging auf mein Fenster zu und wollte dieses gerade öffnen, als ich die Stimme meines älteren Bruders hörte.
"Was machst du denn da, kleiner Bruder?" Derek stand im Türrahmen und sah mich misstrauisch an.
Soviel zu deinem super Gehör! Dieser Kommentar hilft mir weder weiter, noch ist er angebracht!
"Äääh.... Ich habe Hunger bekommen und wollte deshalb noch kurz jagen gehen." Wow, dass klang sogar plausibel! Aber ich belüge meine eigene Familie...!
Der misstrauische Ausdruck verschwand aus dem Gesicht meines Bruders und er fing an zu grinsen: "Das war dann wohl Gedankenübertragung; ich habe auch das dringende Bedürfnis mal wieder Blut zu trinken! Zum Glück ist morgen die große Jagd, bei der wir auch im Territorium von Anderen jagen dürfen - Abwechslung schadet nicht!"
Na super, das hatte mir gerade noch gefehlt; wenn ich Derek jetzt anders Backe hatte würde aus meinem eigentlichen Vorhaben nichts mehr werden! Tja, Lügen haben halt auch ihre Kehrseiten. Hilfreich, lobte ich meine innere Stimme ironisch. Wirklich sehr hilfreich! Danke, danke, Autogramme gibt's später.
"Kommst du?", Derek sah mich abwartend an und ich nickte schnell.
Die Augen meines Bruder nahmen einen leichten roten Schimmer an und er fuhr sich vor 'Vorfreude' mit der Zunge über seine Eckzähne. Ich hörte noch ein 'Na dann los', bevor auch ich in eine Art Blutrausch kam, alles andere nicht mehr richtig wahrnahm und lossprintete, auf der Suche nach dem nächsten durchbluteten Lebewesen.
"Das tat mal wieder gut!" Als ich zurückkam, traf ich auf meinen Bruder, der sich die letzten Reste Blut mit dem Handrücken vom Mund abwischte.
"Allerdings!", stimmte ich zu. "War schön, mal wieder mit dir jagen zu gehen! Ich hau mich in die Falle, Nacht."
Dieses Mal lag ich fast eine ganze Stunde im Bett und lauschte, um sicher zu gehen, dass nun wirklich alle schliefen. Als ich der Meinung war, es wäre so, schlich ich wieder zu meinem Fenster, öffnete dieses und stieg leise hinaus. Sobald ich ein paar Meter von unserem Haus entfernt war, sprintete ich erneut los, dieses Mal aber nicht auf der Jagd, sondern auf dem Weg zu meiner Freundin.
Diese fand ich friedlich schlafend in ihrem Zimmer vor - das Fenster hatte sie, wie so oft, aufgelassen. Ich betrachtete sie eine Weile beim Schlafen und musterte sie immer und immer wieder, prägte mir jedes noch so kleine Detail von ihr ein, da ich nicht wusste, was morgen alles passieren würde. Du verhältst dich gerade wie so ein kranker Stalker, so wie du da stehst und das arme Mädchen die ganze Zeit anstarrst, als würdest du erwarten, dass sie in der nächsten Sekunde anders aussehen würde! Ich musste leicht grinsen, auch wenn es dazu eigentlich gar keinen Grund gab, doch wurde dann auch wieder ernst, bei dem Gedanken daran, was morgen alles passieren könnte. Mir war klar, dass ich sie vor Allem beschützen würde, doch Nachts... Wenn ich morgen Nacht auch in einen Blutrausch verfallen würde, was jedem Vampir in der Nacht der großen Jagd fast automatisch passierte, dann würde ich Hazel nicht vor mir selber schützen können... Denk so etwas nicht! Immer positiv denken! Sagt meine innere Stimme, die selber meistens die deprimierenden Gedanken aufkommen lässt. Stimmt gar nicht, ich hole dich bloß immer wieder auf den Boden, der Tatsachen zurück! Schon klar....
Irgendwann sah ich, wie der dunkle Nachthimmel langsam heller wurde und beschloss, dass es Zeit war, zurück zu gehen und noch ein wenig Kraft für den bevorstehenden Tag zu sammeln. Bevor ich aus Hazel's Fenster stieg, warf ich ihr noch einen kurzen Blick zu und fragte mich, wann sie nach diesem Tag jemals wieder so friedlich schlafen können würde... Abgesehen von dem Tag, an dem sie stirbt, und damit automatisch für ewig so ruhig und friedlich schlafen wird.
Hazel's POV
Geburtstag zu haben ist schon komisch für mich, da meine Eltern an diesem einen Tag im Jahr meistens den kompletten Tag zu Hause waren. Morgens gab es ein sogenannten "Geburtstagsessen", bei dem wir alle - also auch Mrs Elliot und ihr Mann - zusammen aßen. Heute war es natürlich auch Dylan anwesend, was bedeutete, dass ich ihn meinen Eltern vorstellen musste. Zum Glück war es gar nicht so schlimm, wie erwartet; meine Mutter und er verstanden sich auf Anhieb und auch mein Vater schien ihn, nach kurzem Mustern, zu mögen.
"Darf ich Ihre Tochter kurz entführen?", fragte Dylan meine Eltern nach dem Frühstück scherzhaft.
"Natürlich, aber du darfst uns ruhig duzen", meinte meine Mutter lächelnd. "Ich bin Kathrin und das ist George."
Mein Freund lächelte, nahm dann meine Hand und zog mich aus dem Esszimmer heraus. Kurz bevor er durch die Tür nach draußen trat, schlüpfte ich schnell in meine Schuhe und Dylan tat es mir gleich.
"Wo willst du denn hin?", fragte ich ihn lachend, als wir immer weiter in den Wald gingen.
"Nicht so ungeduldig, Geburtstagskind!", meinte dieser nur, ebenfalls lachend, blieb jedoch irgendwann stehen.
"Meine Lichtung", stellte ich überrascht fest.
"Richtig, irgendwie mag ich diesen Ort gerne." Er setzte sich ins Gras und zog mich zu sich runter. "So, und jetzt kommen wir zu deinem Geschenk."
"Du musst mir doch nichts schenken!"
"Ich will aber." Na da hat ja jemand gelernt, wie man sich bei Frauen einschleimt! Ja, stimmte ich zu und musste grinsen. "Also, schließ deine Augen..." Eindeutig; der hat davor gelesen, wie man Frauen ein Geschenk überreicht! "Und jetzt gib mir deine Hand." Ich bewegte meine Hand in die Richtung, in der ich Dylan vermutete, während meine 'Stimme im Kopf' - Gott, dass hörte sich ja an, als wäre ich geisteskrank und würde schon Stimmen hören - es sich zur Aufgabe machte, dass ganze Geschehen zu moderieren.
Ich spürte, wie Dylan vorsichtig meine Hand in seine nahm und mir dann etwas kühles, dünnes um das Handgelenk machte.
"Uuund... jetzt darfst du die Augen wieder öffnen."
Ihr blieb wortwörtlich der Mund offen stehen, als sie das schmale Armbändchen um ihr Handgelenk sah. Es war vergoldet und hatte einen kleinen, flachen Anhänger, in Herzchenform, auf dem in winziger Schrift etwas stand.
"No matter, what happened, I will always love you", las ich vor.
Kitschig, aber süß, lies mich die Stimme wissen und ich musste ihr Recht geben. Aber egal wie kitschig es irgendwie war, ich fand die Geste und das ganze an sich einfach süß!
"Danke!", ich gab ihm einen Kuss.
"Nicht dafür", winkte Dylan lächelnd ab, aber ich sah die Erleichterung von ihm, dass es mir gefiel.
Wir blieben sitzen, lehnten unsere Schultern gegeneinander und genossen die Sonne, die sich heute noch einmal zeigte.
"Ich liebe dich", rutschte es mir plötzlich heraus und errötete.
So viel zum Warten, bis ich mir zu 100% sicher wäre, dass ich ihn liebe...! Also erstens mal, wäre das sowieso dumm gewesen, denn, mal ganz ehrlich, zu 100% sicher sein ist so eine Sache, die nie leicht ist und zweitens bis du dir zu mindestens 99,9% schon sicher! Egal, jetzt war es sowieso raus und ich konnte meine Worte nicht mehr zurücknehmen.
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Little Vampire Secrets
مصاص دماءEr ist ein Vampir und sie ein einfacher Mensch. Sie gehen in die selbe Klasse, doch zwischen ihnen liegen Welten. Als sie sich jedoch trotzdem immer näher kommen, spielen Erpressung, Entführung und Flucht eine große Rolle. Wird sie je wieder ohne Fu...