Es ist bereits der nächste Morgen, als ich von einem sanften Kuss auf meine Stirn geweckt werde. Mit einem leisen Stöhnen öffne ich meine Augen und sehe einen, im Anzug gekleideten Wincent vor mir.
"Warum bist du im Anzug?"
"Wir sind vor Gericht Baby. Ich kenn mich da leider ein wenig aus. Da zählt der erste Eindruck."
"Aber dann kann ich doch nicht mit Jeans und Pulli auftauchen."
"Doch genau desshalb. Erstens du warst gestern noch im Krankenhaus und hast eigentlich strenge Bettruhe. Zweitens hast du vor wenigen Tagen sehen müssen, wie dein Vater deine Mutter getötet hat und drittens es ist dein Vater, gegen den du aussagen musst."
"Du hast recht. Sich schick zu machen würde keinen Sinn machen. Wie viel Zeit haben wir noch, bis wir losfahren müssen?"
"Eineinhalb Stunden ca. Was möchtest du frühstücken?"
"Ich hätte Lust auf viel Nutella, Körnersemmeln und Orangensaft."
"Wird bestellt."
Ich quäle mich aus dem Bett und schlendere ins Badezimmer. Dort ziehe ich meine Klamotten aus, ziehe meine Pflaster ab und dusche meinen Körper mit kaltem Wasser ab. Als ich aus der Dusche steige und mich abtrockne suche ich vergebens nach den Pflastern.
"Wincent?"
Ich habe seinen Namen noch nicht wirklich ausgesprochen, da steht er schon im Türrahmen und betrachtet mich mit einem führsorglichen Blick.
"Wie kann ich behilflich sein?", jetzt grinst er mich schief an.
Ja ich stehe nur mit einem Handtuch bekleidet vor ihm aber er kennt meinen Körper sowiso schon auswendig, wesshalb es mir auch kein Stück unangenehm ist halb nackt vor ihm zu stehen.
"Ich find die Pflaster für meine Wunden nicht. Weist du, wo sie sind?"
Wincent geht zu einem kleinen Schub unter dem Waschbecken und hält kurz darauf triumphierend die Pflaster nach oben. Ich trockne mich weiter ab, wickle meine Haare in ein Handtuch und ziehe meine Unterwäsche an, während er mich mit großen Augen dabei beobachtet.
"Soll ich dir mit den Pflastern helfen?"
"Gerne."
Er kommt auf mich zu und fährt sanft um die Wunde, wesshalb ich Gänsehaut bekomme.
"Zuerst die Salbe.", weise ich ihn mit sanfter Stimme an.
Er greift nach der Wundsalbe, trägt sie vorsichtig auf meine Schusswunde auf und klebt ein großes Pflaster darüber. Die Ränder des Pflasters drückt er, mit seinen Fingern, langsam und mit Gefühl gegen meine Haut.
"Und jetzt noch deine Stirn. Muss da auch die Salbe drauf?"
Als Antwort nicke ich nur und warte geduldig, bis er fertig ist.
"Tut es noch weh?"
"Manchmal aber es ist nicht so schlimm, wie es aussieht.", beruhige ich ihn.
Ich lege meine Arme um seinen Hals, ziehe mich an ihn und küsse ihn. Sofort erwiedert er den Kuss, seine Hände legen sich um meine Wangen und unsere Körper reiben sich vorsichtig aneinander, darauf bedacht, dass wir auf meine Schusswunde aufpassen müssen.
Unser Kuss wir vom Klopfen an die Zimmertür unterbrochen.
"Zimmerservice.", dringt eine freundliche Männerstimme durch die Tür.
"Ich geh schon.", sagt Wincent und verlässt das Badezimmer.
Nachdem Wincent die Tür wieder geschlossen hat, verlasse ich das Bad und gehe in den Wohnbereich.
"Wo ist dein Pulli.", mit gespieltem Ernst stelle ich mich in den Raum und warte ab.
"Einen Moment bitte."
Er verlässt das Zimmer und kommt kurz darauf mit einem schwarzen Pulli zurück.
"Bitteschön meine Hübsche."
"Danke."
Ich ziehe mir den Pulli an und beginne zu frühstücken.
Wincent grinst mich an. Ich weis nicht, wann ich das letzte Mal bewusst etwas gegessen habe und er scheint das auch zu merken, wesshalb ich einfach glücklich zurückgrinse.
Ich liebe ihn. Ich bin froh, dass er mir beisteht. Ich habe Angst, Angst vor der Verhandlung aber Wincent und Marco sind ja da. Ich hoffe so, dass ich nicht heulend aus dem Saal renne und mir alles zu viel wird. Der Psychologe hat mir zwar Tipps gegeben, wie ich mich unter Kontrolle halten kann, aber ich weis nicht, ob ich mich im entscheidenden Moment daran erinnern kann.
Fackt ist, dass ich heute meinem Vater erneut gegenüber treten werde und ich habe eine höllische Angst vor ihm und seinen Ausrastern.
...
Da ihr so aktiv seit hau ich heute zwei Kapitel raus. Ich freu mich über eure Kommentare! :)
Ich liebe euch einfach Leute. Ihr seit die Besten!💚💘
Eure Ami💕
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Betonherz | Wincent Weiss💘
Ficção AdolescenteIch kannte ihn nicht. Ich wusste nicht, wer er war. Ich wurde von meiner Freundin auf ein Konzert geschleppt, auf das ich anfangs nicht wollte, bis ich ihn wieder sah... Start: April 2017
