Eine weitere Woche ist vergangen und ich habe die Jungs ignoriert. Beim Frühstück habe ich mich sofort ans Buffet gestellt und habe meine Freundinnen für mich bestellen lassen. Oder ich kam gar nicht erst zum Frühstück. Und egal wie oft es Damon, Liam und Fynn es versucht haben, ich würdigte sie keines Blickes. Das Training mit Fynn lief trotzdem weiter, jedoch redete ich keinen Ton mit ihm. Ich war gekränkt, wütend, traurig. Jedoch konnte ich meine Brüder nicht hassen. Fynn schon. Er hatte sich in etwas eingemischt, das ihn nichts anging. "Ennea!" Ich drehe mich um. Es ist Damon. "Was?", blaffe ich. "Lass uns doch bitte mal reden." Ich schüttele den Kopf. Ich will nicht reden. Ich kann nicht reden. "Nea, bitte komm mit mir." "Wir können doch auch hier reden, wenn du unbedingt reden möchtest." " Nein! Ennea. Komm doch bitte mit zum Schloss." Energisch schüttle ich erneut meinen Kopf. Und drehe ihm wieder meinen Rücken zu. Ich höre wie er sich langsam entfernt. "Was ein Idiot.", flüstere ich Stardust zu. Ich lege mich in das weiche Gras und schaue ihm beim fressen zu. Plötzlich legt sich jemand neben mich. Ich schaue zur Seite und da liegt Liam. Rückartig setzte ich mich auf. "Was machst du denn hier?" "Ennea! Es tut mir leid. Ich wollte das alles nicht. Aber damals gab es keinen anderen Weg. Mum und Nathan, hatten gerade einen Fall abgeschlossen. Jedoch gab es damals ein kleines Problem. Ich war nicht mehr sicher und sie haben mich hier her geschickt. Ich durfte mich nicht mehr bei euch melden. Ich war ja tot. Das einzige was ich behalten durfte war die Halskette. Mum schickte mir ständig neue Bilder. So konnte ich ein wenig an eurem Leben teilhaben. Nathan und Mum haben mir immer versprochen, dass sie, wenn sie die Kerle geschnappt haben, mich euch vorstellt. Doch dann kam Damon auf die Schule und hat mich erkannt, als ich mit Mum gesprochen habe. Dann wurden die Kerle gestellt und die ganze Bande hinter Gitter gebracht, doch bevor sie dir alles erzählen konnten..." Er bricht ab und tränen steigen in seine Augen. "Sind sie gestorben, richtig?", beende ich den Satz. Er nickt traurig. "Ja und ich dachte schon ich sehe dich nie wieder." Jetzt falle ich ihm um den Hals. "Das dachte ich auch." Weinend liegen wir uns in den Armen. Nach einer Weile gehen wir wieder ins Schloss und dort begegnen wir Professor Smith. "Oh Ennea, dich habe ich gesucht. Ich hab eine Nachricht für dich. Komm doch bitte mit." Gemeinsam mit Liam folge ich ihm. Vor seinem Büro halten wir an. "Liam, du musst leider warten." So trete ich alleine mit ihm ins Büro. Dort setzte er sich erstmal. "Ich habe da etwas mitbekommen. Ennea, kann es sein, dass Damon und Liam deine Brüder sind?" Ich nicke. "Kann ich jetzt gehen? Ich würde gerne etwas Zeit mit meinem Bruder verbringen, oder gibt es noch etwas?", frage ich mit zittriger Stimme. "Natürlich, Ennea. Und das mit deinen Eltern tut mir sehr leid. Ich kannte die Beiden." Mit diesen Worten meines Direktors verlasse ich den Raum. Kurz bevor ich die Tür schließe, meine ich nur: "Versprechen sie bitte es noch keinem zu erzählen. Ich möchte das irgendwann selbst tun." Er lächelt und ich schließe die Tür. Gemeinsam mit Liam gehe ich in unser Zimmer, die Mädchen waren bei Maggi. Er schaut sich in dem Zimmer um, und wir klettern auf die Empore. "Was wollte Max von dir?" "Er wollte nur wissen, ob ich deine Schwester bin. Keine Ahnung warum." "Ich weiß es. Er war Mums und Nathans bester Freund. Er war ihr Trauzeuge. Und Elena, seine Frau, war die Trauzeugin deines Vaters. Er fühlt sich für dich verantwortlich. So wie für Damon und mich auch. Er hat die beiden hier begraben lassen. Hinter der Schule ist ein Friedhof und da sind auch deine Eltern begraben. Wenn du willst können wir morgen mal dahin?" Ich schaue meinen großen Bruder an, nicke, beginne zu weinen und schmiege mich dann an ihn. Er streichelt über mein Haar und so schlafe ich ein.
Als ich aufwache, liegt Liam immer noch neben mir und sein Shirt ist ganz nass. Ich habe anscheinend auch im Schlaf geweint. "Na süße?", flüstert Emma "Morgen!", murmele ich und klettere von der Platte. Leise schleiche ich aus dem Zimmer, aus dem Schloss und zu Stardust. Wir kuscheln eine ganze Weile und reiten dann in den Sonnenaufgang. An der kleinen Lichtung, wo ich das erste Mal seit Jahren mit meinem Bruder gesprochen habe, steige ich ab und lege mich in das weiche Gras. Dort schlafe ich wieder ein. Sanft werde ich von Stardust geweckt. Ich steige wieder auf und reite durch den Wald. Nach einer Stunde reite ich zurück zum Schloss, wo schon Liam, Professor und Lady Smith warten. "Wo warst du denn?", fragt Lady Smith beunruhigt. "Im Wald. Ich musste mal den Kopf frei bekommen." Traurig lächele ich in die Runde. Sie wissen alle wie schwer es für mich ist, heute das Grab meiner Eltern zu sehen. Doch auch für Liam und Damon muss es immer noch unglaublich schwer sein. Erst jetzt fällt mir auf, dass mein Bruder fehlt. " Wo ist Damon?" "Er ist schon bei euren Eltern.", antwortet Professor Smith und deutet an, dass wir gehen sollen. Langsam laufen wir hinter den Stall und noch ein wenig weitern an den Waldrand. Dort warten schon Damon und Fynn auf uns. Danach gehen wir in das Büro von Fynns Eltern und reden noch ein wenig. Meine Brüder hatten die ganze Zeit nicht geweint, nicht so wie ich. Aber als Fynn aufsteht, kann Damon seine Tränen nicht zurückhalten. Liam nimmt ihn in den Arm und streicht sanft über sein Haar. "Ich kannte Linn und Nathan seit meiner Geburt. Nathan war, nein, ist mein Patenonkel. Er hat mit meinem Vater zusammen gearbeitet und Linn und meine Mutter waren beste Freundinnen.", er muss schlucken, " und jetzt sind Damon und ich beste Freunde." Fynn schaut zu meinem Bruder und versucht zu lächeln. "Ich weiß gar nicht wie sehr ich den beiden danken soll. Ohne sie hätte ich meinen besten Freund nicht. Sie haben so viel für mich getan und jetzt sind sie nicht mehr da. Aber ich weiß, dass sie immer über mich wachen werden. Und auch über ihre drei wunderbaren Kinder. Sie sind schon immer stolz auf euch drei gewesen und sind es bestimmt immer noch." Mehr bekomme ich von seiner Rede nicht mit, da mir jetzt auch wieder die Tränen die Wange runter laufen und mich Lady Smith, die ich jetzt Elena nennen soll, in den Arm nimmt. Nach dem wir alle etwas gesagt haben, verlassen wir vier Jugendlichen das Büro und gehen getrennte Wege. Ich gehe nochmal auf unser Zimmer und lege mich in mein Bett. In einer Stunde beginnt unser Unterricht fürs Studium. Als es klingelt sitze ich schon längst auf meinem Platz. Nach den sechs Stunden, gehe ich noch zu Kate, der Internatsärztin, und helfe ihr ein wenig auf der Krankenstation. Als ich ins Zimmer komme, sitzen die anderen drei schon auf dem Plateau. "Hey Ennea! Komm rauf.", meint Skye und winkt mich zu ihnen. "Wie war dein Unterricht, fragt Mia gerade als es klopft. Herein!", ruft Emma und die Jungs stehen bei uns im Zimmer.
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WHISPER of Death
RastgeleIm Auto schaue ich aus dem Fenster. Ich kenne die Gegend. früher habe ich mich hier immer Zuhause gefühlt, doch jetzt habe ich einfach nur noch so ein ganz komisches Gefühl im Bauch. "Und aufgeregt?", fragt Ben. Ich nicke. "Lass mich bitte nicht all...