Kapitel 5

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Am nächsten Morgen treffe ich mich wieder mit Fynn in der Turnhalle. Er trainiert schon am Boxsack. Als ich reinkomme, dreht er sich um und kommt auf mich zu. "Heute fangen wir erstmal am Boxsack an. Du musst lernen dich zu verteidigen. Gegen Henry war ja ziemlich armselig, obwohl ich echt sagen muss, dass du ganz schon flink bist und eigentlich auch ganz gut ausweichen kannst." Ich schmunzle. Er hat mir ein Kompliment gemacht. "Na komm schon, Kleine." Okay, er hat es gemerkt und ist zurück gerudert. Naja, ich trete an den Boxsack. Stelle mich schulterbreit hin, mit dem rechten Fuß vorne. Dann schlage ich zu. Der Boxsack bewegt sich kein Stück. Fynn steht neben mir und lacht. "Also das geht schon mal nicht. Drehe bei jedem Schlag mit der Hüfte aus und auch mit der Schulter und nicht schwingen. Kurze direkte Schläge! Stehe schulterbreit und der linke Fuß immer zum rechten Fuß vom Gegner ausgerichtet und der linke Fuß ist vorne. Die linke Faust ist bei der Deckung auch vorne und deine Schlaghand also die Rechte ist enger am Körper." Ich nicke und schlage noch mal zu. Jetzt bewegt sich der Sack schon mehr. So trainiere ich fast eine Stunde. "Okay und jetzt komm mal her." Ich gehe zu Fynn. "Okay, dann zeig mal wie viel Kraft du in den Beinen hast." Er hält seine Hände auf eine Höhe, damit ich meine Beine um 90 Grad hoch heben muss. Ich trete zu und Fynn stolpert einige Schritte zurück. Und schaut mich erstaunt an. "Woher hast du so viel Kraft in den Beinen?" "Ich tanze und turne seit meinem achten Lebensjahr. Also jetzt schon seit acht Jahren." Bewundernd sieht er mich an. "Okay dann müssen wir daran nicht mehr arbeiten. Dann machen wir jetzt Schluss und einfach jetzt jeden Tag um diese Uhrzeit." Ich nicke, schnappe mir meine Tasche und laufe ins Internat. In den ersten sechs Stunden haben wir ganz normalen Unterricht. So wie auf meiner alten Schule auch. Ich habe keinerlei Probleme mitzukommen. In der Mittagspause holen meine Freundinnen und Mitbewohnerinnen und ich ein Lunchpaket von Maggi und setzen uns zu Neun auf die Koppel. Am liebsten würde ich ihnen jetzt erzählen, dass ich gestern nicht alleine unterwegs war, sondern mit Damon. Doch ich tue es nicht. Ich habe es ihm versprochen. Und als ich jetzt so an den vorherigen Abend denke, fällt mir ein Name für Neun ein. "Ich muss nochmal schnell weg!", rufe ich, springe auf und laufe los. Ich laufe und laufe. Den kleinen Hügel zu unserer Schule hinunter, dann die Gänge entlang, bis ich vor dem Zimmer von Fynn, Noah, Henry und Damon stehe. Jetzt muss ich erstmal Luft holen und lehne mich kurz an die Wand. Schließlich stelle ich mich vor die Tür und will gerade klopfen, als Fynn hinter mir auftaucht. "Was machst du denn hier?", blafft er. Ich zucke mit den Schultern. "Ich wollte nur mit Damon sprechen." Irgendwie schüchtert Fynn mich ein. Sein Blick verfinstert sich. "Was habt ihr zwei nur." "Naja es ist wegen Neun. Mir ist ein Name eingefallen." "Das kann ja noch warten. Damon ist bei Liam." Ich nicke, quetsche mich an Fynn vorbei und stürme wieder los. Ich renne noch ein Stockwerk höher und stehe dann vor Liams Zimmer. Ohne zu klopfen, platze ich rein und rufe: "Stardust!" Erschrocken drehen sich die beiden Jungs um. "Was?", lacht Liam und Damon sieht mich genervt an. "Neun. Stardust ist sein neuer Name." Jetzt steht Liam auf. "Das ist eine schöne Idee, Patita." Bei diesem Spitznamen zucke ich zusammen. So hat mich seit meiner jüngsten Kindheit keiner mehr genannt. Früher hat mich der erste Sohn meiner Mutter immer so genannt, er hieß Liam. Aber er ist gestorben als ich sechs Jahre alt war. "Sorry, ich wollte euch nicht stören. Ich geh dann jetzt wieder. Ich wollte es dir nur mitteilen, Damon. Tschüss." Schnell schließe ich die Tür hinter mir wieder. Und gehe zurück in mein Zimmer. Dort lege ich mich auf mein Bett und denke über Liams Worte nach. Patita. Pfötchen. Wie kommt er darauf. Er kann es nicht wissen. Er hat die Narbe doch noch nie gesehen. Und jemanden Pfötchen zu nennen. Ich kann mir daraus keinen Reim machen. Doch ich habe keine Zeit mehr mir Gedanken darüber zu machen, denn in diesem Moment klingelt es zur nächsten Stunde. Ich springe auf und laufe zur Turnhalle, wo wir jetzt bei Mr. Peak Unterricht haben. Ich muss gegen Damon kämpfen. Komischerweise schlägt er kein einziges Mal richtig zu. So dass ich ganz einfach gewinne. Als ich wieder bei meinen Freundinnen bin, höre ich wie er zu seinen Freunden sagt: "Ich kann sie einfach nicht schlagen."

WHISPER of DeathWo Geschichten leben. Entdecke jetzt