Chapter 12

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Die Tür öffnete sich, und Erik betrat das Zimmer. Ich rechnete eigentlich damit, dass er mir jetzt wieder weh tun würde. Stattdessen kam mir ein eingeschüchterter Mann entgegen. Erik traute sich nicht mal, mich richtig anzusehen. Da ich jetzt Bescheid wusste, dass er sich schnell verändern konnte, vermutete ich, dass jetzt entweder Thomas oder Alessandro in ihm steckte.
Erik oder wer auch immer, kam mir näher, aber nicht zu nahe. Er sagte kein Wort, sondern schaute sich nur meine Füße an. "Aua", war das einzige was er sagte. Dann fing er ganz plötzlich zu weinen an, ohne jegliche Vorwarnung. "Ich war das nicht! Ich hab das nicht getan. Tut mir leid!"
Na toll was soll ich jetzt drauf antworten, er hat mir die Schmerzen zugefügt. "Hör auf zu weinen, wer bist du überhaupt? Mit wem von euch rede ich?" Er senkte nur den Kopf und starrte schluchzend meine verunstalteten Zehen an. Zumindest das was davon übrig war. "Sag mir bitte mit wem ich rede!" Ich hasse es im Ungewissen zu stehen, darum kam das wahrscheinlich ein bisschen böse rüber. Denn er senkte den Kopf und weinte wieder vor sich hin. "Tut mir leid, ich hab das nicht böse gemeint, aber sag mir bitte, mit wem ich gerade rede. Wie heißt du?"

Er hob langsam den Kopf und antwortete: "T-T-Tho-Thomas." Thomas, puuh okey, ist er nicht schwul oder so? Dann kommt er mir wenigstens nicht zu nahe, sondern lässt mich in Ruhe. Mit gesenktem Blick stotterte er: "D-D-Du musst d-das verbinden. I-i-Ich h-hole etwas. B-b-bin gleich w-wieder da." Schnell lief er raus und versperrte die Tür.

Na gut dann warte ich halt, aber ich hoffe, dass er nicht als Pascal zurückkommt. Und ich warte und warte und warte. Wo bleibt er denn? Die Zeit verging und Minute für Minute verstrich. Das gibts doch nicht? So langsam meldet sich auch mein Magen zu Wort, und wie auf Kommando trocknete mein Mund aus.

Es waren bestimmt schon fünf Stunden vergangen. Die Zeit habe ich mich mit Nachdenken und Nagel kauen verbracht. Aber bis jetzt hab ich kein Geräusch vernommen. Ein tiefes Broddeln kam aus meinem Bauch. Verdammt habe ich Hunger und Durst. Nach einer weiteren gefühlten Stunde ging ich zur Tür und trommelte mal heftig dagegen. Wenn ich Hunger habe, kann ich ganz schön ungemütlich werden. "Thomas??? Oder Erik??? Wo bleibst du??? Ich habe Hunger!! Verdammt!" Nichts, kein Geräusch. Frustriert lies ich mich auf den Boden fallen und dachte nach. Und als wäre das alles nicht genug, meldete sich auch noch meine Blase. Ich konnte nur noch hoffen, dass er bald kommt, sonst mache ich mir noch in die Hose.

Weitere Stunden vergingen, ich dachte mir mal eine Frauenstimme gehört zu haben. Aber da war ich mir auch nicht so sicher, das einzige was immer wieder mal die Stille durchbrach, war mein brummender Magen. Aber schön langsam ist der Druck mit meiner Blase extrem geworden. Wirklich extrem. Also hämmerte ich nochmal gegen die Tür, aber keiner kam. Dann wurde der Druck zu stark. Soll ich das jetzt wirklich tun? Okey ich tat es, und entledigte mich meines Geschäftes. In einer Ecke. Wie gut das tut. Völlig erleichtert bewegte ich mich zu dem Bett und legte mich nieder.
Eine weitere Stunde verging und so schlief ich ein.

Thomas (Erik) Ansicht: Gedankenverloren putzte ich die Badewanne. Zoey tat mir richtig leid. Das war sicher Pascal, wie kann er ihr so etwas antun? Als ich fertig war und die Putzlappen beiseite legte, hörte ich die Stimme von Alessandro in meinem Kopf. "Thomas hast du nicht etwas vergessen?" Ich dachte nach, was soll ich den vergessen haben. Ich habe alle Zimmer sauber gefegt und raus gewischt. "Was ist mit Zoey? Wolltest du nicht etwas erledigen?" Keine Ahnung was er meint. "Thooomas!!! Hallo!! Du wolltest Zoey Verbandszeug bringen?" Ach Mist... Das hatte ich komplett vergessen, es war sicher schon ein Tag vergangen, seitdem ich bei ihr war. "Warte ich übernehme das für dich!" Mir wurde schwarz vor Augen, nachdem er das gesagt hatte. --->

Alessandro's (Erik) Ansicht: Jetzt muss ich mich aber beeilen. Sie hat sicher Hunger und Durst. Und ihr Rücken gehört endlich verbunden, nicht dass sie sich noch eine Blutvergiftung einfängt. Also begab ich mich schnell in die Küche, schnappte mir ein Tablett, ein Glas Wasser und bereitete zwei Sandwiches zu. Die Sachen stellte ich auf das Tablett und lief ins Bad und suchte Verbandszeug, Gewand, Unterwäsche und machte mich auf den Weg zu Zoey.

Als ich die Tür öffnete, kam mir ein unangenehmer Geruch entgegen. Es roch nach Urin, und ich konnte mir schon denken, was passiert war. Mein Verdacht bestätigte sich, als ich in der Ecke eine kleine Pfütze entdeckte. Das arme Mädchen, sie hat seit ihrer Ankunft, nichts zu sich genommen und musste sicher schon dringend auf das Klo. Zoey schlief noch, also stellte ich das Tablett ab und holte einen kleinen Putzkübel und einen Putzfetzen aus dem Kasten hervor. Ich wollte gerade alles aufwischen, als ich ein Geräusch hörte. Freudig bemerkte ich, dass Zoey munter ist.

Zoey's Ansicht: Ich wurde aufgeweckt von einem Geräusch, dass sich nach Schritten anhörte. Als ich mich umdrehte, sah ich, das Erik endlich wieder da war. Sogar Essen hatte er mir mitgebracht. Erik schrubbte am Boden herum, und als ich sah was er wegputzen wollte, wurde ich knallrot im Gesicht. Man war das peinlich. "Thomas? Lass -", "Erstens bin ich Alessandro und zweitens, ist schon in Ordnung. Das war Thomas Schuld. Er hat wieder einmal seine Pflichten ver- ." Ich folgte seinen Blick und bemerkte, dass er meine verletzten Zehen betrachtete. "Verdammter Dreckskerl. Warum hat er das getan?" fragte er mich wütend.
"Er wollte sich wieder an mich ranmachen, und ich habe mich gewehrt." Schuldbewusst lies ich meinen Kopf senken und fing zu weinen an. Plötzlich war Alessandro/Erik bei mir und hob mein Kinn. "Das ist nicht deine Schuld, er ist ein Arschloch. Gib dir nicht selber die Schuld!" Ich sah in seine wunderschönen Augen und fragte voller Scham: "Du bist nicht böse auf mich?" "Nein auf keinen Fall, wir wissen alle, wie er Frauen behandelt." Alessandro schob mir das Tablett zu und sagte mir, dass ich essen und trinken soll. Danach würde er meine Wunden verarzten. Gierig schlang ich das Essen herunter und schämte mich für meine Manieren. Ich hörte ihn lachen, aber er sagte nur: "Iss zusammen!" Auch das Glas Wasser trank ich mit einem Schluck, und sofort fühlte ich mich wieder besser.
"Dann verbinden wir mal deine Verletzungen, ich hoffe, dass es nicht all zu weh tut." Zuerst desinfizierte er meinen Rücken, aber das spürte ich nicht einmal. Die Wunden sind anscheinend schon gut verheilt, dachte ich mir freudig. Aber als er sich an meine Zehen ranmachte, und sie desinfizierte entkam mir ein Schrei. "Gleich ist es vorbei! Halt kurz ruhig, Ich weiß das es schmerzt, aber je ruhiger du bleibst, desto schneller haben wir es erledigt." Au verdammt tat das weh. Richtig erleichtert war ich, als er sein Verbandszeug wegräumte. Er holte einen Stapel, der aus einem Kleid und Unterwäsche bestand. "Zieh das an, das sind frische Sachen!" Respektvoll drehte er sich um und wartete, bis ich wieder angezogen war. "Danke!" "Kein Problem Mädel." Er ging wieder zur Tür, aber ich wollte noch was sagen, stoppte aber wieder.
Alessandro hatte das aber bemerkt und fragte mich, was ich will. Beschämt steckte ich den Kopf ein und sagte: "Könntest du nicht ein wenig bei mir bleiben? Ich will nicht wieder alleine sein."
"Gut, aber nicht lange. Ich muss mich um die anderen auch kümmern, okey?" "Danke."
Er setzte sich auf mein Bett und sagte mir, ich soll den Kopf auf seinen Schoss legen und ein wenig schlafen. Ich murmelte vor mich hin, warum er so nett sein kann, und die anderen nicht. Das hatte er anscheinend gehört und erwiderte: "Weil Erik krank ist, und leider auch sehr bösartige Seiten entwickelt hatte."

Ich zog nocheinmal tief den Geruch seines Parfümes ein und nickte ein.

Grauenvolle LiebeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt