Chapter 17

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Verwirrt und verängstigt gab ich ihm keine Antwort. Das was ich sah, war einer dieser Horrorfilm- Momente. Einer dieser Momente, wo man am liebsten die Augen schließen würde, und wenn man sie dann öffnet, sich irgendwo anders befindet. So etwas krankes, ekliges habe ich noch nie gesehen in meinem Leben. Ich wollte den Raum gar nicht erst betreten, sondern einfach umdrehen und verschwinden.

Doch Erik war da einer anderen Meinung. "Komm schon, spiel mit mir!" Er sprang herum und klatschte die Hände zusammen. Erik benahm sich wie ein kleines Kind. So ein Verhalten hatte er noch nie an den Tag gelegt. Fiebernd überlegte ich, wer er nun sei. Doch das Verhalten passte nicht zu Thomas, nicht zu Alessandro und keinesfalls zu Pascal. Dann fiel mir aber ein, dass mir Pascal von vier Persönlichkeiten erzählt hatte, und eine davon wäre zurückgeblieben. Aber wie hieß diese? "Ich will spielen, komm jetzt!" "Sag mir deinen Namen!" Plötzlich setzte er sich wieder in die Mitte des Raumes und antwortete mit einem traurigen Unterton: "Erst wenn du mit mir spielst!" Seufzend ging ich zu ihm, und setzt mich zu ihm auf den Boden.
Die Stimmung hier ist wirklich seltsam und gruselig. Schätzungsweise 1000 Knochen lagen in diesem Raum. Manche säuberlich gestapelt, manche lagen wild umeinander und andere ergaben verschiedene Figuren. Verschiedenste Knochen waren zu sehen, mitunter sogar Schädelknochen. Der ganze Raum war in einer dunklen Farbe gehalten und es gab auch keine Fenster. In der Ecke hingen an einer Leiste Cutter und andere Messer. Was soll das hier alles für einen Zweck erfüllen?

"Niklas! Mein Name ist Niklas und jetzt spiel endlich mit mir!" Ja genau Niklas... Wie konnte ich diesen Namen vergessen. Es war sehr komisch, dies zu einem erwachsenen Mann zu sagen, aber ich tat es. "Na gut Niklas dann hol deine Spielsachen!"
Ich rechnete eigentlich damit, dass er jetzt eine Spielbox mit Spielzeug brachte, aber er blieb einfach sitzen.

"Hier sind doch meine Spielsachen?" Verdutzt schaute ich ihn an, ich verstand nicht. Niklas stand auf und holte verschiedene Knochen. "Na hier! Das sind meine Spielsachen!" Er will mich doch verarschen, er spielt doch nicht mit... Knochen? Das tun doch nur Hunde, aber keine Menschen. Entsetzt sagte ich: "Das sind doch Knochen! Menschenknochen! Das ist kein Spielzeug!" Trotzig verschränkte er die Arme und drehte sich um. "Wenn du nicht spielen willst, dann halt nicht! Dann spiel ich halt alleine!"

Ich blieb sitzen und sah ihn zu, wie er "spielte". Seine Art des Spielen's bestand darin, dass er die Knochen säuberlich ableckt, und sie dann mit Kleber zusammen klebt. Das ging für ein paar Minuten so und als er fertig war, war eine Figur entstanden, die einem Hund ähnelte. Niklas drehte sich um, und stolz fragte er mich: "Weißt du was das ist?" Ich wollte ihm nicht antworten, denn ich weiß nicht wie er reagiert, wenn ich die falsche Antwort gebe. Aber den Part nahm er mir gottseidank ab. "Es ist eine Katze? Siehst du das etwa nicht?" Zum Glück habe ich geschwiegen, aber da fiel mir auf, dass ich eigentlich dringend auf das Klo müsste.

"Niklas? Würdest du mir das Klo zeigen, wenn ich danach mit dir spielen würde?" Er drehte sich um und musterte mich skeptisch. "Aber du spielst dann wirklich mit mir?" "Natürlich! Habe ich doch gerade gesagt?" Das war jetzt zugegeben gelogen, aber ich wollte ihn keineswegs verärgern. "Na gut, dann komm mit!" Ich folgte ihm und mir fiel auf, dass er wie ein kleines Kind herum hüpfte. Ein paar Türen später, öffnete er eine auf der rechten Seite.
Ich erledigte mein Geschäft und wusch mir die Hände. "Wann bist du endlich fertig?" "Jaja ich komme ja schon." Da ich kein Handtuch finden konnte, wischte ich mir die Hände an meiner Hose ab, und folgte Niklas wieder zurück in das gruselige Zimmer.

Als ich mich gerade hinsetzen wollte, bemerkte ich einen sehr intensiven Gestank. Plötzlich stand Victor hinter uns mit einem Eimer, und ich musste mich fast übergeben, als ich sah was sich darin befand. Doch Niklas rümpfte sich nicht mal die Nase. Er schien sich sogar zu freuen, denn seine Augen leuchteten, und er rieb sich die Hände. Victor zwinkerte Niklas zu und wünschte ihm viel Spass. Danach ging er wieder.

"Du musst mir helfen!" Mit diesen Worten stellte Niklas mir den Kübel vor die Nase, und dann war es zu spät. Ich lief in eine Ecke und übergab mich. Mir war so schlecht, und der Geruch war nicht auszuhalten. Der ganze Raum roch nach Verwesung. Ich konnte es nicht fassen, im Eimer befanden sich viele kleine Knochen, die in Blut eingetaucht waren. "Niklas ich kann dir nicht hel....!"

Niklas hatte den Eimer in der Hand und setzte zum Trinken an. "Niklas nicht!" Erschrocken über meinen Schrei, fiel ihm der Eimer runter und das ganze Blut verteilte sich am Boden. Sein Mund war voller Blut, und er wischte sich zufrieden alles ab. "Ist nicht so schlimm, das Blut war sowieso nicht so gut! Aber jetzt komm her, du musst mir helfen, die Knochen zu säubern. Ich zeige es dir, wie es geht!"

Niklas vergewisserte sich, dass ich ihm zusah und nahm dann die Knochen in den Mund und schleckte das Blut ab. So etwas ekeliges habe ich wirklich noch nie erlebt. Er gab mir einen Knochen und deutete mir, ihm das nachzumachen. "Nein das mache ich sicher nicht, das ist total gestört!" Wütend und angeekelt schmiss ich den Knochen in die Ecke und lief aus dem Zimmer. Weit kam ich nicht, denn der Psychopath war mir dicht auf den Fersen. Da verspürte einen harten Tritt in meiner Kniekehle und meine Füsse gaben nach, sodass ich zu Boden fiel. Ein schweres Gewicht drückte sich auf meinen Rücken, und als ich meinen Kopf umdrehte, sah ich, das Niklas mit einem Baseballschläger auf mir saß und ausholte. Da ereilte mich ein harter Schlag in mein Gesicht, und ein Knacken war zu hören. Warme Flüssigkeit kam aus meiner Nase, und ich konnte Blut schmecken.
Plötzlich hörte ich Schritte und dann Victors Stimme: "Toll du hast ihr die Nase gebrochen und mir damit ein großes Stück Arbeit abgenommen, dann kann ich ja gleich beginnen!" Das letzte was ich sah, war wie mir Victor eine Spritze in den Oberarm verpasste.

Grauenvolle LiebeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt