Leise schlugen kleine Regentropfen gegen die klare Fensterscheibe, lieferten sich nach und nach einen erbitterten Kampf hinab, wo sie mit den anderen Regentropfen einen Wasserstreifen bildeten, von dem sich nach und nach weiteres salziges Wasser löste und gen Boden fiel. Ein Bleistift wurde in einem stetigen Rhythmus auf den Tisch getippt, so starrten zwei violett/rote Augen auf das Arbeitsblatt vor ihr, dessen Mathematikaufgaben bereits gelöst waren, doch die Gedanken des Mädchens schwirrten schon lange nicht mehr in diesem Themenkomplex, sondern drifteten immer wieder zu dem rothaarigen Jungen, der hinter ihr in seinem Bett lag und leise ein neues Spiel spielte, darauf wartend, dass das Mädchen seine erstellten Aufgaben löste. Die Schwarzhaarige dachte über die Geschehnisse der vergangenen Stunden und Tage nach, ebenso über ihre Gefühle, so wie das, was sie in den kommenden Wochen mit sich bringen könnten. Allmählich bekam sie Kopfschmerzen, wenn sie so darüber nachdachte, so plagten sie nicht nur Schuldgefühle, da Gakushuu die Situation ohne Erklärung nicht verstehen könnte, sondern auch die Gewissheit, dass er eine Entscheidung getroffen hatte, die Mia nicht ändern konnte und an der sie keine Schuld trug. Dennoch konnten sich ihre Gedanken nicht beruhigen, egal wie oft ihre Freunde zu ihr sprachen, dass es nicht ihre Schuld und Gakushuu stur sei, zumal er die Chance auf ein Gespräch mit ihr drei Mal abgewiesen hatte. Das Tippen des Bleistifts hörte auf, wurde von einem leisen Seufzen ersetzt als sie die Erkenntnis traf, dass sie mal wieder nichts mit ihren eigenen Gedanken anfangen konnte. Zumal sie sich auf etwas anderes konzentrieren musste, weshalb sie kurz die Augen schloss und all ihre Motivation sammelte, ehe sie laut genug zu sprechen begann, sodass der Rothaarige sie hören konnte.
,,Du, Karma?'', ,,Hm? Hast du die Aufgabe schon fertig?'', ,,Schon. Ich habe aber eine andere Frage.'' Damit sie ihm ins Gesicht sehen und eventuell irgendwelche Hinweise finden konnte, drehte Mia ihren Oberkörper zu Karma auf dem Bett um, die Hände auf die Rückenlehne des Stuhls und das Kinn auf ihre Hände legend. Sie erlaubte sich ihn wenige Sekunden zu beobachten, wie er mit Jogginghose und dunkelblauem Pullover im Bett lag, den DS über seinen Kopf haltend. Das rote Haar lag luftig wie immer auf seiner Stirn, so warf diese leichte Falten der Konzentration auf. ,,Was möchtest du zu Weihnachten?'' Die Schwarzhaarige beobachtete, wie die Falten auf seiner Stirn überrascht verschwanden und seine goldenen Augen kurz zu ihr spähten. Bei ihrem Anblick zogen sich seine Mundwinkel in das typische Lächeln und der DS wurde neben sich auf das Bett gelegt, schenkte er ihr somit seine vollste Aufmerksamkeit und sein vollstes Amusement. ,,Will mir Mia-chan etwa ein Geschenk machen? Ich würde mich über neue Kostüme für dich freuen oder Senfsorten.'' Mia rollte bei der für ihn typischen Antwort die Augen und seufzte erneut leise, während das Lächeln ihres Gegenübers nicht verschwand, der sich im Bett aufsetzte und gegen die Wand im Rücken lehnte. ,,Nicht so etwas. Ein richtiges Geschenk, das ich dir geben kann. Vielleicht ein bestimmtes Spiel oder etwas, was du schon länger haben wolltest.'' Beinahe hätte Karma aufgelacht, so schien das Mädchen nicht zu verstehen, dass er nun endlich das wieder für sich hatte, was er vor vielen Monaten verloren hatte. Bei dem Gedanken beließ er es bei seinem amüsierten Lächeln. ,,Meine Eltern haben mir schon recht viel aus verschiedenen Ländern geschickt, ich habe irgendwann aufgehört welche haben zu wollen.'' Ergeben pustete Mia sich eine schwarze Strähne aus dem Gesicht, so schien die Suche nach einem schönen Geschenk für Karma schwerer zu werden als gedacht. Nicht nur hatte sie das erwartet, da seine Eltern ihm viele Geschenke machen konnten. Sie vermutete stark, dass er einerseits tatsächliche kein Interesse an seinem Geburtstag und Weihnachten hat, aber andererseits sie nur ärgern wollte um zu gucken, was sie sich einfallen lassen würde. Doch sie war so planlos wie ein weißes Papier. ,,Hast du wirklich keinen Wunsch? Nicht einmal eine kleine Idee?'', ,,Nope.'' Mia seufzte erneut, aber nickte mit geschlossenen Augen. ,,Dann lasse ich mir was einfallen.'', ,,Was möchtest du denn zu Weihnachten?'' Überrascht über diese Gegenfrage, auch wenn sie mehr als zu erwarten war, öffnete sie wieder die Augen und dachte kurz nach, während sie zu ihm sah. Seine Lippen waren noch immer von einem neckischen Lächeln geziert, weshalb auch ihre Mundwinkel plötzlich zu zucken begannen. ,,Ein Sexy-Miss-Claus Kostüm. So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe, wenn du schon neue Kostüme für mich haben möchtest.'' Sie erinnerte sich an die vielen Momente, in denen sie versucht hatte Karma in Verlegenheit zu bringen und seine roten Wangen zu sehen, um sich für all die Momente zu rächen, in denen er ihr stattdessen die Röte auf die blasse Haut gebracht hatte. Nie war es ihr gelungen, bis auf ein paar seltene Fälle. Umso mehr zog sich ihr Lächeln in die Breite, wie Karma seinen Mund in eine Gerade zog und ein feines Rosa auf seine Wangen kam, das beinahe zu übersehen war, wenn Mia nicht darauf geachtet hätte. ,,Nicht so bescheiden, Karma, ich dachte ein kleiner Witz würde dich zum lachen bringen und nicht in Verlegenheit. Aber um deine Frage zu beantworten: ich schätze ein erstes Weihnachten wäre das schönste Geschenk. Ich würde gerne einen kleinen Weihnachtsbaum mit dir zusammen schmücken und vielleicht Kekse backen. Oh, und ich möchte eine Weihnachtsmütze mit Bommel!'' Karma schmunzelte bei den bescheidenen Wünschen, die für Mia umso mehr zu bedeuten schienen, da sie noch nie ein echtes Weihnachten erlebt hat. Sie sah aus wie ein Kind. Er hatte soeben ein neues Ziel für sich gefunden: Mia ein schönes Weihnachten zu bescheren. Auch Mia selbst schien begeistert zu sein, so stand sie enthusiastisch von dem Stuhl auf, den ausgefüllten Zettel mit hoch nehmend. ,,Das war's? Mehr nicht?'' Wieder stellte er zwei Fragen, weil er ihr eigentlich etwas viel größeres holen wollte. Aber wenn das ihr Wunsch war, war das seine Priorität. ,,Mehr nicht und ich denke, wenn ich mein erstes Weihnachten bei dir verbringen kann, wäre das genug.'' Das sie den letzten Teil des Satzes eher flüsternd aussprach brachte Karma dazu seine Zähne in einem charmanten Lächeln zu zeigen, so wussten die beiden Teenager nicht, dass sie mit ihren Gesten und Worten das Herz des Gegenübers zum Schmelzen brachten. Nun zierte Mias Wangen ein leichtes Rosa, ergeben von ihren eigenen Gefühlen, auch wenn sie ihm standhaft und ehrlich in das Gesicht sah, den Zettel dabei überreichte. Bei seinen nächsten Worten überflog er ihre Rechnungen mit angehobenen Mundwinkeln. ,,Kein Weihnachtsessen?'', ,,Ich meine, wenn du noch kochen würdest wäre ich das glücklichste Mädchen dieser Welt.'' Bei der ungewohnten Süße ihrer Stimme sah er sich gezwungen von den Rechnungen aufzublicken, so präsentierte sie ihm ein unschuldiges Lächeln, was ihn erneut an das kleine Mädchen erinnerte, das er nun schützend in seinen Armen hielt. Wie könnte er diesem Mädchen nur etwas ausschlagen? Und gleichzeitig fragte er sich, wie er sich selbst verweigern könnte, sie etwas zu ärgern. ,,Wie ich sehe willst du Weihnachten gut ausnutzen.'', ,,Irgendwie muss ich dich ja dazu bringen mal wieder für mich zu kochen.'', ,,Du hättest auch einfach sagen können, dass du es anziehend findest, wenn ich koche. Vielleicht hätte ich dir den Gefallen ohne weiteres getan.'' Er beobachtete, wie sie fast unmerklich zusammenfuhr, als habe er sie bei ihren Gedanken erwischt, das Rot ihrer Wangen wurde etwas dunkler, was ihn selbstgefällig auflachen ließ. Er senkte seinen Blick wieder auf die Rechnungen. ,,Arroganter Idiot.'', ,,Also stimmt es.'' Für einige Minuten saßen die beiden schweigend nebeneinander auf dem Bett, so nahm Mia es sich nicht ihre Augen über sein Antlitz fahren zu lassen. ,,Du hast alles richtig.'' Augenblicklich hob Mia stumm eine Faust und dankte jeder geheimen Macht auf dieser Welt, dass sie nach zwei Stunden Mathe endlich schlafen könnte, was er ihr natürlich vorher unmöglich gemacht hatte. Nur unter der Bedingung, dass sie alle Aufgaben lösen und richtig haben würde, würde sie schlafen dürfen, andernfalls hätte er nicht aufgehört sie zu nerven, bis sie die Aufgaben bearbeitete. Er legte den Zettel auf seinen Nachttisch und rutschte ein Stück zur Seite, sodass Mia sogleich unter seine Decke kriechen konnte und mit dem Gesicht von ihm weg lag, selig die Augen schließend. Allerdings hörte sie nicht, wie er sein Spiel wieder startete und spürte nur, wie er seine Position auf dem Bett hinter ihr änderte. ,,Ich weiß jetzt, was ich zu Weihnachten möchte.'', ,,Hm?'', mummte Mia bei der neuen Chance hellhörig. Erneut raschelte die Decke und die Matratze senkte sich unmittelbar hinter ihr, ließ sie somit wissen, dass er nun genau bei ihr war. Eine Gänsehaut durchfuhr ihren Körper bei dem Wissen, so brachte sie das plötzliche Vibrieren seiner Stimme direkt neben ihrem Ohr ins wanken und ihre Beine zum zittern. Um noch mehr Druck und Gefühl in seine kommenden Worte zu legen, platzierte er eine Hand sanft auf ihrer Taille und nahm mit der anderen eine Strähne von Mia in seine Hand, um mit ihr zu spielen.
,,Ich möchte eine lederne Peitsche so wie verschiedene Fesseln, die zu meinem Bett und deinem künftigen Kostüm passen.'' Als sein dunkles Lachen an ihr Ohr drang musste sie ergeben die Decke über ihr Gesicht ziehen, um seine Hände von ihr zu lösen und das dunkle Rot zu verstecken.
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Just let go.
RomanceAbgeschlossen✅ Mia Young, eine amerikanisch ausgebildete Assassine, wird nach ihrer Zulassung ein Teil der A-Klasse der Kunugigaoka Mittelschule. Doch als Assassine soll sie auch der 3-E dabei helfen ihren Lehrer zu töten und die Erde zu retten. Unb...
