Cold, Cold Heart

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Mit klopfendem Herzen und flauem Magen stand Mia vor dem grauen Haus, das einst ihr Familienhaus gewesen sein soll. Das Haus, in dem sie nur zwei Jahre lang aufgewachsen war, bevor die Hölle sie in Empfang genommen hat. In dem ihre Eltern ein neues Leben aufbauen wollten, indem sie ein Kind groß ziehen wollten. Ob sie sauer war, dass sie durch den Tod ihrer Eltern in die Organisation gekommen ist? Nein. Doch vermutlich würde sie in diesem Haus keine Antwort auf die Frage bekommen, wie sie überhaupt in die Organisation gekommen war, wenn sie doch einen Onkel hatte, der auf sie aufpassen konnte und der sichscheinbar mehr um Mia sorgte, als er gezeigt hatte. Das sie nun hier vor dieser Tür stand war Angst einflößend, denn hinter dem Holz befand sich der Anfang der vergangenen Hölle, die kommen sollte. Sie wusste zwar nicht, wie ihr Haus damals ausgesehen hatte, aber sie fragte sich, wie viel sich verändert hatte? Wie waren die Räume? War sie viel durch das Haus gelaufen? Welches Zimmer hatten ihre Eltern bewohnt? Welches hatte ihr gehört? Diese Fragen würden sich eventuell klären, wenn die Dame, die dort leben sollte, mehr über ihre Eltern wusste. Aber ob sie das bezweifeln sollte wusste sie nicht.

Ein Drücken ihrer Hand vergewisserte ihr, dass sie nicht alleine war und somit tat sie den ersten Schritt in Richtung Vergangenheit. Sie lief mit Karma an der Hand die Stufen der kleinen Veranda hinauf, auf der ein alter Schaukelstuhl stand und wenige Blumentöpfe. Ob es diesen Stuhl damals schon gegeben hat und ihre Eltern hin und wieder dort gesessen haben? Auf der Türklingel stand der Name ,,Frey'' und sie zögerte kurz, ob es überhaupt richtig war eine alte Dame so zuüberfallen, die eventuell sogar selbst kaum noch etwas über ihre Eltern wusste. Vielleicht hatte sie Alzheimer? Vielleicht hatte sie ihre Eltern ja gar nicht gemocht? Sie hob einen zitternden Finger und betätigte die Klingel, sodass hinter der Tür ein schrilles Klirren ertönte, was Mia zusammenfahren ließ. Selbst das, was man voraussehen konnte, erschreckte sie und es stimmte sie zunehmend missmutig, dass sie so schreckhaft war. Dennoch gab es nur eine Möglichkeit alles herauszufinden. ,,Coming!'', ertönte eine weibliche, hohe Stimme hinter der Tür, die Mia nicht glauben ließ, dass diese Dame wirklich alt war. Vielleicht waren sie am falschen Haus, so vergewisserte sich Mia erneut und sah auf die Nummer Siebzehn neben der Tür. Als die Schritte der Tür immer näher kamen wich Mia automatisch einen Schritt zurück, wobei Karma sie feste an der Hand hielt und sanft zu sich zog, sodass die Schwarzhaarige halb hinter ihm stand, sich in seinen Mantel krallte. Mal wieder fühlte sich Mia wie ein kleines Kind und sah Karma als den Stärkeren von beiden an. Aber in dieser Situation sollte er es auch ruhig bleiben, denn ob sie selbst die Kraft aufbringen könnte, um stark zu sein, bezweifelte sie. Die Tür wurde entriegelt und eine ältere Frau mit braunen Locken, grün leuchtenden Augen und einem sanften Gesicht, eventuell Ende Vierzig, öffnete ihnen die Tür, sah überrascht zu dem japanischen Jungen und dem starr aussehenden Mädchen hinter ihm.

,,Oh, hello. Such young people in front of my door. How can I help you?'' Ihre Stimme wirkte ohne der Tür zwischen ihnen noch sanfter, freundlicher auch. Die ältere Dame sah zwischen den beiden Teenagern hin und her, so wusste sie nicht, was so junge Leute bei ihr auf der Schwelle taten, wenn sie nicht gerade Zeitung austrugen oder Briefe überreichten. Noch dazu sahen sie aus, als haben sie ein Anliegen.
Karma hatte einen Moment gewartet, dass Mia antwortete, die aber nur mit halb geschlossenen Lidern zu der Dame sah und übernahm es mit seinem japanischen Akzent zu reden, was für Mia beruhigend wirkte:,,We're sorry to bother you, Miss Frey. I'm Karma Akabane and this is Mia Young. We are both from Japan and came to America with an occasion. We wanted to visit you because her parents once lived here and we-'',

,,There were no Youngs here before I moved in. I'm sorry to tell you.'', unterbrach die Dame bedrückt, so sah Mia klar in ihren Augen etwas wie Trauer. Erinnerte sie sich an ihre Eltern? Immerhin waren sie die letzten gewesen, die vor ihr dort gewohnt hatten. Etwas regte sich in Mias Brust, so löste sich ihre Hand von Karmas schwarzen Mantel und mit einem Mal war sie determiniert mehr herauszufinden. Die Emotion in den grünen Augen dieser Dame zogen sie zu den Antworten.

Just let go.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt