Ich saß neben Lewis auf unserem neuen Sofa und kraulte seinen Kopf, den er mir auf den Schoß gelegt hatte. Er war beinahe eingeschlafen. Zoe saß mir gegenüber auf einem kleinen Sessel, in den sie gerade eben noch hineinpasste. Ihre grünen Augen passten perfekt zum Stoffbezug.
„Hast du ein Weihnachtsgeschenk für Mama?", fragte sie, während sie mit kritischem Blick ihre Nägel begutachtete. Ich schüttelte den Kopf.
„Moira, ist das dein Ernst? In zwei Tagen ist Heiligabend!" Jetzt sah sie mich endlich an, mit ihrem stechenden, skeptischen Blick.
„Ich weiß! Aber sie hat doch schon alles. Was könnte ich ihr denn schon noch schenken?"
Zoes Blick wurde noch ein bisschen mehr kritisch, was ich eigentlich nicht für möglich gehalten hätte.
„Du warst niemals gut darin, materielle Geschenke zu finden. Aber weißt du, sie hat sich immer mehr über deine Geschenke gefreut als über meine. Du warst kreativ. Ich habe einfach nur gekauft, was sie gerne haben wollte."
„Sei nicht albern, Zoe", sagte ich und grinste. „Damals habe ich ihr kleine Gedichte geschrieben oder Bilder gemalt. So etwas will sie jetzt bestimmt nicht von mir haben."
„Da wäre ich mir nicht so sicher", widersprach Zoe. „Alle Geschichten und Bilder, die du ihr Geschenkt hast, hat sie rahmen lassen. Sie hängen in ihrem Arbeitszimmer."
Nachdenklich blickte ich auf Lewis' helle Locken auf meinem Schoß. Er atmete gleichmäßig und hatte seine Hand im Schlaf ausgestreckt, als wolle er nach etwas greifen. Ich legte meine Hand in seine.
Als ich wieder aufblickte, begegnete ich Zoes skeptischem Blick. Was auch immer sie gegen Lewis hatte, sie sprach es nie aus.
„Schenk ihr etwas Schönes. Sei kreativ, Moira. Das kannst du doch so gut."
Am Nachmittag setzte Lewis mich an der Bibliothek ab, damit ich lernen konnte. Ich gab ihm einen Kuss und wartete, bis er um die Ecke gefahren war. Dann drehte ich mich um und flüchtete vor den Gesetzbüchern wie ein Hase vor einem Waldbrand.
Als ich Mr Mortimers Laden betrat, schlug mir wieder der mittlerweile allzu vertraute Geruch nach Papier und altem Leder entgegen. Ich nahm einen tiefen Atemzug. Mr Mortimer war nicht hinter dem Tresen, obwohl er das zu dieser Uhrzeit eigentlich immer war.
„Hallo, Mr Mortimer?", rief ich und schon wenige Sekunden später kam er aus dem Hinterzimmer, die Finger voller Tinte und seinen Mantel unter den Arm geklemmt.
„Moira, da bist du ja endlich! Ich habe mir schon Sorgen gemacht, du würdest heute nicht kommen."
„Ich muss auch irgendwann für mein Studium lernen, wissen Sie. Ich kann nicht jeden Tag hier bei Ihnen sein", sagte ich und blickte ihn fragend an, während er seinen Mantel anzog und den langen Schal um den Hals wickelte.
„Wie gut, dass wir heute auch nicht hier sein werden", sagte er und schob mich wieder aus dem Laden.
„Wie meinen Sie das?"
„Karan hat uns eingeladen, ihn zu besuchen", erklärte er, während er an seinem überfüllten Schlüsselbund nach den Ladenschlüsseln suchte. „Also, eigentlich hat er nur mich eingeladen, aber ich habe mir gedacht, dass dieser Ausflug dir in deiner Situation bestimmt weiterhelfen würde."
„In meiner Situation?", fragte ich und verschränkte die Arme. „Und was ist mit Ihren Kunden? Sie können doch nicht einfach schließen, mitten am Tag."
Er sah mich über den Rand seiner Brille an und runzelte die Stirn.
„Mein Kind, falls es dir noch nicht aufgefallen ist, ich habe kaum Kundschaft. Die werden gar nicht merken, dass ich nicht hier bin."
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Mr Mortimer
Teen FictionEigentlich wollte Moira nur schnell ein Buch für ihr Jurastudium kaufen, doch der schräge alte Mann und sein vollgestopfter Buchladen lassen sie einfach nicht los. Mr Mortimer und sein gutaussehender, theaterbegeisterter Enkel schaffen es, Moira in...
