Es war einmal ein kleiner, unscheinbarer Junge, der mit seinen Eltern in einem hübschen, unscheinbaren Haus wohnte und in einer kleinen, unscheinbaren Stadt lebte.
Doch Schein ist trügerisch. Denn der Junge war alles andere als durchschnittlich.
Wenn er allein im Garten war, wenn seine Freunde, Nachbarn und Eltern nicht hinsahen, vollbrachte er sein magisches Werk. Er brauchte sich nur vorzustellen, wie die Blumen aus dem Boden schossen, und es geschah. Er dachte an ein hübsches, schattiges Bäumchen, unter dem er sich hinlegen konnte, und es wuchs heran. Er berührte die vertrockneten Topfpflanzen seiner Mutter und sie erstrahlten wieder in dem hellsten grün.
Eines Tages war der beste Freund des Jungen zu Besuch, und weil der kleine Junge seine Gabe so gerne mit jemandem teilen wollte, beschloss er, seinen Freund einzuweihen. Zur Demonstration ließ er einen Blaubeerstrauch wachsen, und die beiden Jungen teilten die Beeren gerecht auf.
Von da an kam sein Freund oft zu Besuch, um sich von den Fähigkeiten des kleinen Jungen bezaubern zu lassen und mit ihm die langen Sommertage zu genießen.
Doch leider blieb die unerklärliche Pracht des Gartens nicht unbemerkt von den Eltern, die von den Nachbarn immer wieder Komplimente für den wunderschönen Hinterhof erhielten, in dem sie sich doch eigentlich kaum selbst aufhielten. Der Vater ahnte, dass es nicht mit rechten Dingen zugehen konnte, und installierte eine kleine, versteckte Sicherheitskamera im Garten, um den heimlichen Gärtner zu entlarven.
Bald fanden sie heraus, wozu ihr Sohn in der Lage war, und die Mutter witterte ihren Profit. Sie ließ ihren Sohn alle möglichen Pflanzen wachsen, bevor sie mit ihm zum Zirkus ging.
Der Junge weinte, als seine Mutter ihn zwang, einen Pflaumenbaum wachsen zu lassen, doch er gehorchte ihr dennoch. Der Zirkusdirektor war hellauf begeistert, und bot eine immense Summe für den Jungen, der als „Der Baumjunge" einen festen Bestandteil seiner Vorführungen ausmachen und ihm große Berühmtheit verschaffen sollte.
Der kleine Junge war totunglücklich, denn er vermisste seine Freunde und seinen wunderschönen Garten, um den sich nun niemand mehr kümmern würde.
Eines Tages allerdings kamen zwei Männer in schwarzen Anzügen, und nahmen den kleinen Jungen mit. Doch sie brachten ihn nicht zurück nach Hause.
Er wurde eingesperrt, in eine kleine, sterile Zelle, ohne Fenster und ohne Blumen. Bald wurden Blutproben genommen und verschiedene Tests durchgeführt. Jedes Mal fragte der Junge verzweifelt, wann er wieder nach Hause kommen könne, und jedes Mal antworteten die Ärzte, sie müssen nur noch einen Versuch durchführen.
Doch dieser letzte Versuch kam nie.
Eines Tages, nach langen Jahren voller Versuche und Zwang, entschied der Junge, dass es genug sein musste. Ruhig setzte er sich auf den kalten Steinboden, schloss die Augen, und rammte die Fäuste in den Boden. Der Zement gab nach, die Risse wurden größer, und kleine, feine Äste wanden sich aus der Erde hinauf, kletterten seine Arme entlang und umfingen sein Gesicht mit zarten, tastenden, tröstenden Fingern.
Als die Ärzte die Zellentür erneut öffneten, um den nächsten Versuch durchzuführen, fanden sie nichts, als einen großen, prächtigen Baum, mitten im Zimmer. Von dem Jungen fehlte seit jeher jede Spur.
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Mr Mortimer
Fiksi RemajaEigentlich wollte Moira nur schnell ein Buch für ihr Jurastudium kaufen, doch der schräge alte Mann und sein vollgestopfter Buchladen lassen sie einfach nicht los. Mr Mortimer und sein gutaussehender, theaterbegeisterter Enkel schaffen es, Moira in...
