Ich hatte versucht, es Lewis zu sagen. Wirklich. Doch es wollte einfach nicht aus meinem Mund heraus. Wenn er da saß und mich anschaute, mit der großen Brille und den wuscheligen Haaren, da konnte ich es einfach nicht. Ich wollte Lewis nicht anlügen. Dafür liebte ich ihn zu sehr. Und möglicherweise war genau das der Grund dafür, dass ich solche Angst vor seiner Reaktion hatte, dass ich Angst hatte, er würde mich nicht verstehen.
Und als ich heute die Post durchsah, war dort der Umschlag, den ich seit Wochen sehnlichst erwartet und unglaublich gefürchtet hatte. Die Antwort des Verlages, an den ich meine zugegebenermaßen noch unausgereifte Geschichte gesendet hatte.
„Was hast du da?", fragte Lewis, der plötzlich vor mir stand, in seinem viel zu großen grauen Pullover, der ihn aussehen ließ wie einen kleinen Jungen.
„Nichts Wichtiges. Hier, das ist für dich", sagte ich ausweichend und drückte ihm den Stapel Briefe in die Hand, bevor ich mich an ihm vorbeiquetschte und meinen heiligen Umschlag ungeöffnet in meine Tasche steckte. Ich konnte ihn nicht öffnen ohne dass Mr Mortimer dabei war. Doch als ich mich umdrehte, stand Lewis immer noch dort und sah mich prüfend an.
„Warum öffnest du deine Post nicht?", fragte er verwirrt. Ich zuckte unbeholfen mit den Schultern.
„Das mache ich später. Ich wollte heute sowieso noch weg."
„Weg? Wohin?"
„Ähm", stotterte ich und wich seinem Blick aus. Mein Magen rebellierte und war dabei, mir die Wahrheit aus dem Hals zu würgen, doch ich schluckte sie wieder hinunter. „Ich wollte noch in die Bibliothek. Lernen."
„Mo, du bist nie in der Bibliothek. Warum lügst du mich an?" Er sah verletzt aus und eine unsichtbare Faust wurde in meinen Magen gerammt.
„Woher weißt du das? Nur weil ich nicht da bin, wenn du da bist, muss das ja nicht heißen, dass ich nicht dort lerne."
„Ich habe nachgefragt, Moira! Ich habe die Bibliothekarin nach dir gefragt, aber sie sagte, du seist schon seit Monaten nicht mehr dort gewesen, um zu lernen", entgegnete Lewis und verschränkte die Arme vor der Brust, genau wie ich.
„Spionierst du mir etwa nach?", fragte ich patzig. „Vertraust du mir etwa nicht?"
„Vertraust du mir nicht?", erwiderte er laut und ich musste schlucken. Er war sauer und verletzt. Es war selten, dass ich ihn so sah, so wütend, so traurig. Ich machte einen Schritt auf ihn zu, doch er wich zurück.
„Ich mache mir Sorgen um dich. Du bist nie hier, du erzählst mir kaum noch etwas", sagte er und hob hilfesuchend die Hände.
„Lewis", sagte ich, aber meine Stimme versagte. Ich spürte den Kloß in meinem Hals, doch ich wollte nicht anfangen zu heulen wie ein kleines Mädchen.
„Ich will für dich da sein, Mo. Immer. Aber in letzter Zeit verstehe ich dich einfach nicht mehr. Was ist los mit dir? Warum vertraust du mir nicht?"
„Das tue ich doch", schluchzte ich und merkte schon, wie mein Blick schwammig wurde. „Ich weiß, dass ich mich seltsam verhalten habe in letzter Zeit. Aber es hat überhaupt nichts mit dir zu tun!"
Er schüttelte den Kopf und ich spürte die heißen Tränen in meinem Augenwinkel. Verzweifelt versuchte ich, sie zurückzublinzeln.
„Hast du einen anderen?", fragte Lewis und ich schüttelte heftig den Kopf. Dann, etwas sanfter, fragte er: „Hat dir jemand weh getan? Weil wenn das so ist, dann schwöre ich-"
„Nein. Nein mir geht es gut. So etwas ist es nicht. Es ist etwas Persönliches."
„Wo bist du denn dann immer? Warum versteckst du dich vor mir? Habe ich dir irgendwas getan?"
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Mr Mortimer
Teen FictionEigentlich wollte Moira nur schnell ein Buch für ihr Jurastudium kaufen, doch der schräge alte Mann und sein vollgestopfter Buchladen lassen sie einfach nicht los. Mr Mortimer und sein gutaussehender, theaterbegeisterter Enkel schaffen es, Moira in...
