Tag 45 einer ungewöhnlichen Freundschaft

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Mein Nacken war steif und meine Finger schon ganz wund. Ich hatte fast die ganze Nacht in der Küche am Schreibtisch gesessen und geschrieben, alles wieder gelöscht und von vorn angefangen, bis ich endlich einmal zufrieden war mit dem, was meine Fantasie zustande brachte.

Leise hatte ich mich ins Bett geschlichen, um Lewis nicht zu wecken, doch der war selbst schon wach. Mit gerunzelter Stirn sah er mich an.

„Guten Morgen", sagte ich und gähnte. Lewis' Haare standen von seinem Kopf ab wie Äste von einem Baum, und seine Augen waren schmal und schläfrig. Auf seinem Schoß lag das dicke Gesetzbuch.

„Wie lange bist du denn schon wach?", fragte er verwirrt und schaute auf die Uhr. „Normalerweise muss ich dich immer mit Gewalt aus dem Bett zerren."

Ich lächelte und krabbelte zu ihm, lehnte meinen Kopf an seine dünne Schulter und schloss die Augen.

„Ich konnte nicht richtig schlafen, da habe ich ein bisschen gearbeitet", sagte ich, und eigentlich war es keine Lüge gewesen. Streng genommen hatte ich gearbeitet.

Lewis lange, schlanke Finger malten Kreise auf meinen Handrücken und jagten kleine Schauer durch meinen Körper. Plötzlich dachte ich an Karans Brust an meinem Rücken und zog beschämt die Hand weg.

„Ich wollte heute mit einem Kumpel ans Meer fahren und die letzten freien Tage genießen, bevor der Unistress wieder anfängt", flüsterte er und ich schmollte enttäuscht.

„Ich dachte, wie wollten uns heute einen ruhigen Tag zusammen machen und ins Kino gehen", entgegnete ich. Er seufzte.

„Ich weiß. Aber das können wir doch immer machen, Mo. Mein Freund kommt aus Irland, ich sehe ihn also nicht so oft. Deshalb würde ich lieber heute mit ihm etwas machen. Sei bitte nicht sauer, Baby."

Ich zog meinen Kopf weg und sah ihn an. Dann nickte ich nur.

„Ist schon okay, Lewis. Dann mache ich heute einfach alleine etwas."

Er beugte sich zu mir und vergrub seinen Kopf in meiner Halsbeuge. „Tut mir leid, Moira", brummte er. „Ich verspreche ich mache es wieder gut."

Allein und gelangweilt saß ich vor dem Fernseher und zappte durch die Kanäle, ohne wirklich irgendwas zu schauen. Ich war immer noch ein bisschen sauer auf Lewis, der mich einfach hatte sitzen lassen für diesen Iren, und ich war sauer auf das Wetter, das mit seinem Schneesturm jegliche Hoffnung auf einen schönen Ausflug zunichtemachte. Ich hoffte nur, dass Lewis an der Küste genauso schlechtes Wetter haben würde, wie ich hier in der Stadt.

Schließlich beschloss ich, Mr Mortimer einen Besuch abzustatten, auch wenn ich ihm eigentlich gesagt hatte, dass ich heute nicht kommen würde. So schnell konnten Pläne sich ändern.

Doch als ich den kalten Laden betrat, war es nicht Mr Mortimer, der in eine Decke gewickelt hinter dem Verkaufstresen saß und las, sondern Karan. Als er das Glöckchen hörte, schaute er überrascht auf.

„Was machst du denn hier?", fragte er mit gerunzelter Stirn. Ich lächelte entschuldigend.

„Meine Pläne sind mit einem Iren an die Küste gefahren", antwortete ich mit bitterem Ton und Karan zog die buschigen Augenbrauen hoch.

„Heute ist vielleicht nicht der beste Tag, um meinen Großvater zu besuchen."

Ich kam näher zu ihm hinter den Tresen und schaute mich um, doch Mr Mortimer war nirgends zu sehen. Wahrscheinlich schlief er im Hinterzimmer.

„Ist er etwa krank?" ich deutete auf die Teekanne, die neben Karan auf dem Tisch stand.

„Nein", sagte er lachend. „Die ist für mich, weil es verdammt kalt ist. Die Heizung ist ausgefallen und wird erst morgen wieder repariert. Deshalb würde ich an deiner Stelle diesem Mantel nicht ausziehen."

Mr MortimerGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt