Hinweise Teil 1

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Ein kühler Wind streifte meine Haare und fuhr sanft in meine Schuluniform. Die Tage wurden langsam kürzer und die Nächte länger. Der Herbst neigte sich dem Ende. Auf dem Gras bildete sich Morgentau und ein leichter Nebel bedeckte die Landschaft, sodass der Wald noch düsterer erschien.
„Sind denn jetzt alle Schüler da?" schrie eine aufgeregte Stimme.
Die sichtlich nervöse Lehrerin stöckelte durch unsere Schülergruppe und zählte ihre Schäfchen.
„Wir sind alle vollzählig" entgegnete Yuki, welche es sich zur Aufgabe gemacht hatte, unsere Lehrerin zu unterstützen. Heute fand der Schulausflug statt.

„Weißt du auf was ich mich schon so sehr freue, Suri?" fragte Romilda während sie ihre Haare zu einem Zopf zusammen band.
Ich schüttelte den Kopf und starrte aus dem Busfenster. In Gedanken noch immer an meinen Albtraum. Auch wenn ich mir einredete, dass es ein Albtraum war, fühlte es sich so real an.
Konnte es vielleicht sein, dass ich durch Ridos Blut einen Bruchteil meiner Erinnerung wiedererlangt hatte?
Nachdenklich seufzte ich und versuchte meine Gedanken zu ordnen.
„In zwei Tagen ist der Oktoberball an unserer Academy" kreischte Romilda und holte mich schlagartig in die Realität zurück.
„Bitte was ist der Oktoberball?" fragte ich und blickte sie verwundert an.
„Das ist eine Tanzveranstaltung, die zur Feier des Tages im Oktober stattfindet, deswegen der Name. Außerdem werden beide Schulklassen zusammenkommen und ich werde mich auf jeden Fall mit Aido verabreden" sprach sie und schwärmte.
Ich runzelte die Stirn.
„Du meinst, die Day Class und Night Class werden einen ganzen Abend zusammen sein?"
Romilda nickte.
„Das ist doch so was von genial" freute sie sich.
Ich blickte sie verwirrt an. Das konnte doch nicht wirklich der Ernst der Schulleitung sein. Unschuldige Menschen auf Vampire loszulassen.
„Das Motto für den Tanz wurde übrigens heute veröffentlicht" rief sie und winkte ihren Freunden vorne im Bus zu.
„Wieso ist das Motto erst jetzt öffentlich?" fragte ich die Rothaarige, sichtlich ratlos.
„Das Motto soll dafür sorgen, dass wir Mädchen uns untereinander nicht die Augen ausstechen. Denn ob du es glaubst oder nicht, vor einigen Jahren stritten sich zwei so sehr, dass die eine der anderen im Schlaf die Haare angezündete. Und das nur, weil sie das gleiche Kostüm hatten. Da wir nun weniger Zeit haben uns darauf vorzubereiten, glaubt die Schulleitung, dass wir nur auf uns achten."
Ach herje.
Wie verrückt war eigentlich die Menschheit?
Wollte ich wirklich ein Teil von ihnen sein?
„Das Motto dieses Jahr lautet Wesen der Nacht" sagte Romilda und ich zuckte kurz zusammen.
Was für ein ironischer Zufall.
Aber da ich auf solch eine lächerliche Veranstaltung überhaupt keine Lust hatte, steckte ich den Ball in den Papierkorb Ordner meines Gehirns.
„Suri, wir gehen doch sicher heute unsere Outfits aussuchen oder?" fragte Romilda und sah mich hoffnungsvoll an.
„Romilda" begann ich und seufzte „Ich werde nicht auf das Fest gehen."
„Was? Warum denn nicht?" rief sie entsetzt.
Gereizt strich ich mir eine Haarsträhne hinters Ohr.
„Ich mag solche Veranstaltungen nicht besonders" versuchte ich mich höfflich raus zu reden.
Plötzlich wurde Romilda ernst.
„Suri, das wäre unser erster gemeinsamer Abend zusammen."
Noch bevor ich etwas darauf sagen konnte, sprach sie weiter.
„Du wirst niemals neue Freunde kennenlernen, wenn du dich von allen abkapselst. Sie das als Chance an sich zu integrieren."
Noch nie hatte mich Romilda mit etwas beeindrucken können. Und zum ersten Mal musste ich ihr zustimmen. Sie hatte absolut recht. Die rothaarige Nervensäge traf zum ersten Mal den Nagel auf den Kopf.
„Na schön" antwortete ich überzeugt, setzte meine Kopfhörer auf und lauschte der Musik, welche durch die Adern der Kabel rauschte.
Von der Seite blickte ich zu ihr herüber und konnte es einfach nicht fassen. Sie musste zwei verschiedene Gesichter haben. Denn jetzt plötzlich war sie wieder in die alte Rolle geschlüpft. Sie redete von Aido und den Eliteschülern als wäre nichts gewesen.

Es dauerte nur noch 10 Minuten bis wir unser Ziel in der Stadt erreichten. Es war ein Museum für Geschichte und Naturkunde. Wir hatten eine Führung gebucht. Ein Guide wartete auf uns an der Haltestelle und begrüßte die Lehrerin.
Während wir unsere Rucksäcke und Taschen auf schnallten und uns in einer Gruppe zum Eingang begaben, war mir der unheimliche Schatten auf einem der Hausdächer nicht entgangen.
Klar te die Silhouette, welche ich seit der Ankunft im Auge behielt ein Vampir sein. Dazu war das Auftreten viel zu auffällig und mysteriös.
Erst dachte ich an Rido, doch die Person war zierlicher gebaut und lange weiß blonde Haare wehten im Wind. Mehr hatte ich nicht erkennen können.
Meiner Meinung nach hatten wir eine recht langweilige Tour, doch meinen Mitschülern gefiel dieser Ausflug anscheinend.
„Kommen wir nun zu einer ganz besonderen Abteilung" sprach der Mann mit dem 3 Tage Bart und zeigte in einen ziemlich dunkel gehaltenen Raum.
Vermutlich wurde wieder ein schlimmer Krieg gezeigt. Krieg war grausam genug, da musste man nicht noch alles ausführlich darstellen.
„Dieser Teil ist neu und thematisiert das Gleichgewicht der Natur und der Welt durch drei Lebewesen. Diese sind die Katze, der Adler und der Hirsch. Der Legende zufolge gab es eine Familie in welche 3 Kinder geboren wurden, welche die Kraft besitzen im Namen der heiligen Tiere zu handeln. Ihre Aufgabe ist es das Gleichgewicht zu halten und Verantwortung zu übernehmen, wenn es Probleme gibt."
Mit einem Mal schenkte ich dem Führer meine ganze Aufmerksamkeit.
Sagte er da Katze, Adler und Hirsch?
Angestrengt dachte ich nach, woher kannte ich diese Gestalten?
Nachdenklich kratzte ich mich am Nacken, bis mir plötzlich die Erinnerung zu sprudelte.
Aidan hatte mir letztens gegenüber erwähnt, dass er Vögel und speziell den Adler vergötterte, nachdem er solch ein prächtiges Exemplar versorgte, als es in einen Strommast flog. Ich strich über sein A.
Außerdem fiel mir meine verstorbene Mutter ein. Sie hatte immer Angst vor Katzen und war auch total abergläubisch, was Freitag den 13. und schwarze Katzen anging.
Des weiteren erinnerte ich mich an das Hunter Emblem von Lennox. Darauf war ein goldener Hirschkopf zusehen, welchen er als Brosche an seiner Kleidung trug.
War das Zufall?

„Das ist ja kompletter Schwachsinn" hörte ich Romilda sagen und sah ihr nach, während sie sich zu einer anderen Ausstellung begab. Ich allerdings blieb einfach bei dieser Ausstellung und betrachtete sie genauer.
Der dunkle Raum wurde von schwachem blauem Licht beleuchtet und war weitestgehend dunkel gehalten, um das Gefühl von Mystik hervorzurufen. Man konnte unterschiedliche Quellen erkennen, welche einen Bericht über das Thema verfassten.
„Der Hirsch ist ein anmutiges, schlaues und edles Tier, welches vielen Familien als Wappen oder als Markenzeichen diente" las ich leise für mich vor. Als ich diesen Bericht weiter überflog, fiel mir erst später auf, dass bestimmte Buchstaben dunkler geschrieben worden waren.
Das R in Hirsch.
Das A in anmutig.
Das A in schlau.
Das V in vielen.
Das E in Wappen.
Moment, mein Herz machte einen kräftigen Sprung. Wenn man nur die dicken Buchstaben laß, ergab das den Namen Raave.
Meinen Namen.
Verdammt nochmal, was war denn nur los?
Was steckte nur hinter all den Geheimnissen?
Langsam aber sicher hatte ich es satt mit Geheimnissen umgeben zu sein.
Wütend entfernte ich mich von der Ausstellung und schloss mich Romilda an.
Das konnte doch alles nicht wahr sein, überall erhielt ich Puzzle Teile zu meiner Vergangenheit und jedes Mal passten sie nicht zueinander.   

Vampire Knight - SuriWo Geschichten leben. Entdecke jetzt