Reinblüter

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Mein Magen grummelte, immerhin würde ich jetzt das Abendessen verpassen.
Aber ich ließ es mir nicht anmerken.
Mittlerweile hatte ich schon bemerkt, dass ich mit dem Schwindel besser umgehen konnte, dennoch war mir zum Kotzen zumute. Die Reise in die andere Ebene war einfach Stress für meinen Körper.
„Schnell Suri, dein Doppelgänger" drängte Aidan.
Schnell verwandelte ich mich.
Dieses Mal betraten wir ein altes großes Gebäude. Es war eine Bibliothek von großem Ausmaß. Egal in welche Richtung man blickte, über all nur Bücher, Schriftrollen und Tintenflecke. Es roch auch etwas vermodert, aber davon ließ ich mich nicht stören.
Ich folgte Aidan in ein bestimmtes Abteil.
„Suri, ich habe hier etwas über deinen Bruder Marcus herausgefunden" begann er zu erzählen, dabei blätterte er in einem sehr alten Buch.
„Ich war letztens hier um etwas Bestimmtes zu suchen und stieß dabei auf diese Auflistung von Namen. Diese Vampire hat man gezwungen an einer Art Gladiatorenkampf teilzunehmen. In dieser Zeit versammelte sich der Senat mit den reinblütigen Familien und feierte den Zusammenhalt, indem sie diese Kämpfe veranstalteten."
Er zeigte auf einen Namen.
Ich zog ihm das Buch unter der Nase weg. Tatsächlich, da stand sein Name.
Marcus Raave.
„Das ist Sein Name?" fragend sah ich zu Aidan.
Er nickte.
„Ja das muss dann wohl auch deiner sein."
Ich grinste.
Solange schon hatte ich eine Gedächtnislücke. Ich konnte mich nie an den Namen erinnern.
Meiner Vergangenheit etwas näher drückte ich Aidan vor Freude.
„Danke" flüsterte ich.
Als ich Aidan ins Gesicht blickte, bemerkte ich wie er rot angelaufen war.
Aber das störte mich nicht weiter, allerdings kam mir noch ein Gedanke.
„Was ist wenn er nicht überlebt hat, ich meine in den Kämpfen gehen nicht sehr viele lebend hervor?"
Aidan schmunzelte und blätterte fast bis ans Ende des Buches.
Dann schlug er erneut eine vergilbte Seite auf und zeigte mit seinem Zeigefinger auf eine Tabelle.
Diese hatte zwei Spalten. Überlebende und Verlierer.
So nannte der Senat also diejenigen, die nie wieder das Tageslicht erblicken würden.
Schnell suchte ich die Liste der Überlebenden ab und fand abermals den Namen Marcus Raave.
Überglücklich warf ich mich Aidan wieder in die Arme.
„Aidan, wie bist du eigentlich auf dieses Buch gestoßen?"
Sofort wurde er kreidebleich.
„Ich ähh...ich habe.." dem Anschein nach war es ihm sehr peinlich.
Doch dann riss er sich zusammen.
„Das hier ist mein Magazin. Ich habe es schon seit Jahren und viele denken ich würde immer wieder den selben Artikel lesen, aber stimmt nicht so ganz."
Jetzt gehörte meine ganze Aufmerksamkeit ihm.
„Ich sammle in dem Heft diese Bunny Girls" sagte er und versteckte sich vor Scharm hinter seiner Zeitung.
Was?
Ich begann zu lachen, ich konnte mich nicht mehr bremsen. Ich hatte Aidan alles zugetraut, aber das war zu abnormal.
Vorsichtig nahm er das Heft von seinem Gesicht und zeigte mir seine neuste Errungenschaft.
Wieder prustete ich los. Doch ich fing mich wieder, da ich Aidan nicht zu lächerlich machen wollte.
„Deswegen schleppst du das Magazin mit dir herum, damit du diese Mädchen sammeln kannst?" schmunzelnd versuchte ich ernst zu klingen.
Er verzog das Gesicht.
„Ja, jetzt hör schon auf zu lachen" sagte er etwas gekränkt. Dann bog er um die Ecke und suchte weiter.
Ich hingegen durchstöberte dieses Abteil noch ein wenig mehr.
Es dauerte nicht lange, da fiel mir ein verstaubtes Buch mit goldenen Ornamenten auf.
In dem Buch wurden viele Schmucksachen und magische Akzente vermerkt. So blätterte ich lustlos herum, bis mir eine Seite besonders auffiel.
Dort war ein Medaillon abgebildet. Mein Medaillon.
Sofort strich ich die Seiten glatt und musterte die Abbildung.
Tatsächlich, es war das Amulett, welches ich in diesem Moment um meinen Hals trug.
Ich las den kleinen Text, welcher zu dem Bild verfasst wurde.

~ Dieses Erbstück verleiht der reinblütigen Rasse außergewöhnliche Kräfte. Es ist ein Andenken und Erbstück der Familie Kuran. ~

Was?
Familie Kuran, das kann doch nicht sein. Meine Halskette war ein Erbstück von Kaname?
Ich blickte verwirrt auf den Text.
Vielleicht hatte er mich deswegen so gemustert?
Vielleicht hatte er es erkannt?
Müde rieb ich mir die Augen und sah in einen kleinen Spiegel, welcher gegenüber von mir angebracht worden war.
Nachdenklich betrachtete ich mich, bis mir plötzlich ein kalter Schauer über den Rücken lief.
Ich war nicht allein.
Im Spiegel neben mir erkannte ich das Gesicht von Rido.
Erschrocken drehte ich mich um, doch dort war niemand.
Hatte ich das mir etwa eingebildet?
Ich blickte in alle Richtungen und erschrak als Rido plötzlich vor mir stand.
„Was hast du hier zu suchen?" fauchte ich so, dass Aidan mich nicht hörte. Ich wollte nicht, dass der Reinblüter ihm etwas tat.
„Ich bin hier, um deine Antwort zu erfahren" sprach er spitz und straffte seine schwarzen Handschuhe.
„Meine Antwort ist jetzt wie damals NEIN" donnerte ich und wich einen Schritt zurück.
Rido grinste gehässig.
„Deine Zeit ist abgelaufen. Möglicherweise ist dir aufgefallen, dass dein Verlangen nach Blut immer mehr die Oberhand gewinnt."
Klar war mir aufgefallen, dass sich meine Gedanken mehr und mehr über das Blutsaugen drehten. Tag und Nacht vergingen. Doch nicht einer an dem ich nicht daran dachte jemandem die Hauptschlagader aufzureißen und sein Blut zu trinken.
Aber ich wollte Rido jetzt nicht unnötig noch zustimmen, das wollte ich ihm nicht gönnen.
„Ahh, du machst dich auf den Weg Informationen zu dem Medaillon zu beschaffen" wisperte er und blickte das aufgeschlagene Buch auf der kleinen Ablage an.
„Ich kann dir verraten, warum du in der Lage bist dieses Amulett zu benutzen."
Verwirrt sah ich ihn an. Der wusste wohl auch alles.
„Ist mir doch egal" entwich es mir leise. Ich durfte nicht weich werden, nicht vor diesem Monster.
„Folge mir nach draußen und ich werde dir alles erzählen" er grinste, verbeugte sich und bat mir seine Hand an, als Zeichen.
Ich hätte natürlich meine Hand auf die seine legen sollen, doch ich schlug diese von mir und ging voran.
Draußen kam mir die frische Luft ganz gut gelegen, da es in der Bibliothek sehr stickig war.
Doch viel bekam ich davon nicht zu spüren, denn ich war keine Minute aus dem Haus, da packte mich jemand und zerrte mich davon.
Wütend versuchte ich mich zu wehren, aber das blieb erfolglos.
Als ich endlich wieder Freiheit erlangte, stand ich auf einem Dach und der starke Wind wehte durch meine schwarzen Haare.
Mein Herz raste und ich verspürte etwas Angst.
Plötzlich zog mich jemand auf den Boden des Daches. Natürlich war es kein anderer als Rido.
Er hockte und legte mich auf sein Knie während er meinen Kopf in der Hand hielt, umklammerte er mit der anderen meine Hände.
Wehrlos und voller Angst begann mein Herz fast zu explodieren.
„Na na, ich dachte du bist eine selbstbewusste Frau, Suri." ertönte seine Stimme.
Meine Augen weiteten sich.
„Ich kann dein Herz schlagen hören und dein Blut, welches durch deine Adern fließt."
Ich schluckte und plötzlich spürte ich einen stechenden Schmerz.
Etwas bohrte sich tief in meinen Hals.
Sofort fühlte ich den rasanten Blutverlust und fing an mich heftig zu bewegen.
Doch immer wenn ich dies versuchte, biss der Reinblüter fester zu.
Tränen liefen mir die Wangen herunter und ich fühlte mich so gedemütigt.

„Du Monster!" rief ich, zog meine Knie näher an mich heran und umklammerte diese fest. Mein Körper zitterte.
Er wischte sich die Blutspuren auf den Lippen mit einem Seidentaschentuch ab und drehte zu mir.
„Ich sagte, wenn du mir dein Blut gibst, dann würde ich dir helfen."
Dann hockte er sich vor mich. Voller Angst zuckte ich zusammen, als er näher kam.
Dann lockerte er seinen Kragen und entblößte seinen Hals.
Ich schnaufte und hob arrogant meinen Kopf, was ein Zeichen für Ablehnung darstellen sollte.
Doch sofort spürte ich eine Leere in mir, ja eine regelrechte Schwäche überkam mich.
„Du würdest es bereuen mein Angebot nicht anzunehmen."
Da hatte er allerdings recht, denn immerhin war es verboten einen Reinblüter zu verletzen und sein Blut würde meine Transformation zu einem Level E herauszögern.
Ich hasste mich dafür aber ich brauchte Hilfe.
So stützte ich mich an seinen Schultern und keuchte, da ich zu viel Blut verloren hatte.
Voller Gier rammte ich meine Reißzähne in seinen makellosen Hals und genoss die Zufuhr von warmen Energie getränktem Blut.
Ich spürte wie Rido seine Arme um meinen Körper schlang und mich fester an sich drückte.
Keine Ahnung was das Biest damit hervorrufen wollte. Aber irgendwie fühlte es sich innig an.
Das Blut durchströmte meinen Körper und ich fühlte wie ich plötzlich stärker wurde. Meine Angst und meine Schmerzen waren verschwunden.
Doch war ich sehr erschöpft und gierig.
Ich war mitten in einer Art Trance, da wurde ich abrupt unterbrochen.
Rido stieß mich sanfter als erwartet von sich weg.
„Wir können wohl nicht einschätzen, wann genug ist, kleine Lady."
Ich reagierte nicht auf die Frage, sondern war erstaunt, dass die Bisswunde an meinem Hals verschwunden war.
Auch wenn ich voller Energie gewesen war, ich wollte so schnell wie möglich weg von Rido.
Gerade als ich mich von meinem Peiniger abwenden wollte, spürte ich einen gewaltigen Schmerz in mir.
Ich schrie, kreischte und keuchte.
Was war nur los mit mir?
„Eine gewaltige Menge Blut von mir, kann dir Schmerzen zufügen, da du es bestimmt nicht gewohnt bist so viel Blut in dir aufzunehmen" sagte Rido und genoss den Sonnenuntergang.
Es fühlte sich so an, als ob mein Herz aus der Brust springen würde, außerdem spuckte ich Blut und ging zu Boden.
Außer Qualen verspürte ich nichts mehr bis mir schwarz vor Augen wurde.

Es war hell. Ich öffnete die Augen und hatte keinen blassen Schimmer wo ich war.
Anscheinend musste ich mich in einem Krankenhaus befinden, ich lag in einem solchen Bett. Allerdings waren die Wände dunkelgrau bis schwarz, eher untypisch.
Ich war außerdem an komischen Geräten angeschlossen, bevor ich jedoch realisierte, was hier vor sich ging, flog die Tür auf.
Herein kamen....Oh mein Gott...meine Eltern.
Voller Freude und Tränen in den Augen wollte ich sie begrüßen, doch sie taten nichts anderes als irgendwelche Werte abzulesen.
„Sie ist bereit für das nächste Experiment!" hörte ich meinen Vater sagen.
Experiment?  

Vampire Knight - SuriWo Geschichten leben. Entdecke jetzt