12. Traum

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Song: Oasis- Kygo feat. Foxes

Noch nie habe ich jemanden, von dem ich dachte, dass er so stark ist, so verletzt gesehen. Er wirkt ganz klein und zerbrechlich, wie eine Porzellanpuppe. Nur tausend Mal kostbarer.
Ich spüre, wie er weint und halte ihn ganz fest.
Vincent hat mit so einer Ehrlichkeit seine Gefühle offenbart, wie ich es mich nie getraut hätte, bei einem, den ich nicht mal richtig kenne.
Und doch strahlt er eine atemberaubende Schönheit aus, obwohl das, was ihm passiert ist, so wehtut.
Er hat mir sein ganzes Vertrauen geschenkt, ganz so, als wäre es ein Versprechen. Ein Versprechen, dass das hier, dass wir für eine Ewigkeit halten werden.

Noch immer bin ich so von diesem Gefühl überwältigt, dass ich nicht klar denken kann, denn es war nur diese eine Sekunde, die mein Leben um 180 Grad gedreht hatte, und jetzt sind wir hier.

Ich spüre wieder, wie eine seiner warmen Tränen auf meine Haut tropft, streiche sanft über seine weichen Haare und flüstere leise: 'Lass den Schmerz raus. Weine solange du musst, ich bin da und bleibe.'
Vincent drückt sich noch enger an mich.

Eine junge Frau geht an uns vorbei, sie guckt mich fragend an, als sie uns zwei so eng umschlungen sieht, dann geht sie einfach weiter. Das liebe ich so sehr an der Stadt. Jeder lässt einen so wie er ist und kümmert sich nicht um andere.

Dass es schneit und unglaublich kalt geworden ist, spüre ich nicht. Zu magisch ist dieser wundervolle Augenblick und zu schön ist Vincent's Wärme.
Ich weiß nicht, wie lange wir so da stehen, irgendwann hat er aufgehört zu weinen. Es ist eigentlich Zeit, nach Hause zu gehen. Ich hab keine Ahnung, wie spät es ist, weil all das, was heute passiert ist, mich völlig aus dem Konzept gebracht hat.

Vincent sieht mich wieder an. Dieser Blick sagt mehr als eine Million Worte. Schmerz, Dankbarkeit, aber vorallem Liebe liegen darin. Ich kann nur lächeln.

'Wir sollten mal nach Hause gehen, hm?', sage ich, obwohl es eigentlich das letzte ist, was ich will. 'Ich möchte lieber bei dir bleiben.' In seinen Augen glitzert Traurigkeit. 'Ich weiß.' Vorsichtig streiche ich ihm eine Strähne aus der Stirn. Seine Haare sind ganz feucht vom Schnee. 'Mir geht es nicht anders. Aber wir können uns ja wiedersehen. Morgen, wenn du willst.'
Das Lächeln klettert zurück in sein Gesicht. 'Ich kann mir nichts schöneres wünschen.'

Ich spüre nichtmal, wie die Träne sich aus meinem Auge stiehlt. Erst als Vincents kühle Fingerspitzen sie wegstreichen und er fragt 'Wieso weinst du?', merke ich, dass ich jetzt auch angefangen habe zu heulen.

Ich zucke mit den Schultern. 'Das alles fühlt sich an wie ein Traum... So verrückt und doch so verdammt echt. Du.' Das letzte Wort ist so leise, ich höre es selbst kaum.
'Danke. Danke für alles. Für heute, dass du mir zugehört hast, dass ich mich an deiner Schulter ausweinen konnte und du mich festgehalten hast. Danke, dass ich bei dir ich selbst sein kann.'

Als Antwort drücke ich ihn so fest an mich, dass ich sein Herzschlag spüren kann.
'Wir sehen uns morgen?', frage ich, er antwortet ohne nachzudenken. 'Und keinen Tag später.'

Irgendwann lösen wir uns voneinander und gehen in verschiedene Richtungen davon. Mein Herz kann sich nur schwer beruhigen, nach alledem, was in den letzten Stunden passiert ist. Noch nie in meinem Leben bin ich so glücklich gewesen wie jetzt. Genau in diesem Moment.

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Endlich, nach drei Wochen hab ich es schließlich geschafft, ein neues Kapitel hochgeladen. Es tut mir leid, dass es so lange gedauert hat.
Aber bei mir ist alles grade total durcheinander und irgendwie einfach mies.
Mein Opa starb vor drei Wochen, an dem Tag als ich das letzte mal die Geschichte geupdatet hatte. Die Klausurenphase kurz vor Weihnachten und drei Mal die Woche Schule bis Fünf raubt mir zusätzlich meine Kraft, Nerven und Lust zum schreiben, morgen ist zb meine mündliche Prüfung in Französisch.
Und dann ist noch was in der Sache mit meiner 'Freundin' passiert, wovon ich im letzten Kapitel erzählt habe.
Ich freue mich einfach nur noch aufs Frühjahr wenn ich endlich Abi machen kann, es nicht mehr kalt, nass und dunkel ist und Schule und diese ganzen Pseudo-Freundschaften abschließen kann. Für immer.

Naja, ich will hier eigentlich echt nicht rumheulen, aber es ist halt einfach grade alles verdammt scheiße. Irgendwie und irgendwann geht jede schlechte Phase vorbei. Und wenigstens ist bald Weihnachten und dann werden die Tage auch wieder länger.

Besonders jetzt würde ich mich unglaublich über einen ehrlichen Kommentar zu meiner Geschichte freuen und über einen Vote. Teilt das hier auch gerne mit Freunden, wenn ihr denkt, dass es gut ist.

Habt eine schöne Woche und versucht aus jedem irgendwie was positives mitzunehmen:)

Vincent (boyxboy) Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt