Dienstag, 24. Dezember 2019

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Heute ist Weihnachten

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Heute ist Weihnachten. Heilig Abend um genauer zu sein. Tatsächlich sind bereits 24 Tage des Monats vergangen. Kaum zu glauben wie schnell die Zeit vergeht. Es kommt mir wie gestern vor, als wir Familienkinder uns alle bei Oma versammelt haben um gemeinsam zu frühstücken. Doch tatsächlich sind seitdem ganze 576 Stunden vergangen und es ist so viel passiert.

Mühsam rolle ich mich aus dem Bett und tapse zum Kleiderschrank. Da wir sowieso nach dem Frühstück zu Oma fahren werden, um für den Abend alles vorbereiten. Schon seit wir klein sind, wird Weihnachten abwechseln bei Oma, den Browns und uns gefeiert. So hat jeder einmal die Arbeit und jeder kann sich mal ausruhen. Aber dieses Jahr ist irgendwie alles anders. Oma ist zwar für ihr Altern noch unglaublich fit, aber nach einer überraschenden Hüftoperation im Herbst wollten wir ihr die Arbeit für das Weihnachtsfest abnehmen. Dass Mama und Papa allerdings ausgerechnet in diesem Dezember beschließen würde sich zu trennen, konnte keiner von uns vorher ahnen. Ich bin froh, dass Oma sich bereit erklärt hat, die Feierlichkeiten in ihrem Haus zu übernehmen. 

Ich schnappe mir also eine bequeme Jogginghose samt Top und Kapuzenpullover, bevor ich mein Kleid für den heutigen Tag an einen der Haken hinter der Tür hänge. Dann verlasse ich mein Zimmer und lausch ein die Wohnung hinein. Aus dem Wohnbereich vernehme ich die Stimme meiner Eltern, doch von meinem Bruder ist noch nichts zu hören. Vermutlich schläft er noch immer. Gut so, dann habe ich etwas mehr Zeit im Badezimmer um mich fertig zu machen.

Während das heiße Wasser auf meinen Körper prasselt, verschwinden meine Gedanken einmal mehr zum gestrigen Abend. Obwohl ich spät trainieren war und demnach auch ziemlich spät und vor allem ausgepowert nach Hause bekommen bin, konnte ich die halbe Nacht nicht schlafen. Meine Gedanken kreisten nur um den Vorfall im Studio. Und vor allem um meine Taten.

Der Zoll dafür sind demnach wohl auch die dunklen Augenringe, die ich mich Concealer überschminken muss, bevor ich heute überhaupt irgendwohin gehen kann. Meine Haare duften nach dem Grantapfel-Shampoo, dass ich zum Nikolaus bekommen habe und nachdem ich sie geföhnt habe, fallen sie mir wie ein weicher Vorhang über den Rücken. Eigentlich wollte ich sie mir ja zum Fest noch Locken, aber ich denke das verwerfe ich besser. Denn so gefallen meine Haare mir dann doch ganz gut.

Nachdem ich mich mit Concealer, Puder und Wimperntusche sowie etwas Rouge und Lippenstift alltagstauglich gemacht habe, verlasse ich das Badezimmer wieder. Ich werfe meinen roten eigentlich viel zu kindischen Weihnachtspyjama in mein Zimmer und schließe mich dann meinen Eltern im Wohnzimmer an. Sie sitzen auf dem Sofa so weit wie möglich voneinander entfernt, doch statt mich ihnen anzuschließen nehme ich auf dem Sessel platz.

"Habt ihr gut geschlafen?", frage ich und puste vorsichtig in die Kaffeetasse, die ich mir gefüllt aus der Küche mitgebracht habe. Kein Morgen ohne Kaffee - niemals.

Meine Eltern bejahen meine Frage und wenden sich dann wieder ihrem ursprünglichen Thema zu. Ich bin froh, dass sie über ihre anstehende Scheidung nicht hier im Haus sprechen. Oder zumindest tun sie es nicht solange mein Bruder oder ich etwas mitkriegen kann. Ich schlürfe aus meiner Tasse, während ich den beiden dabei zu höre, wie sie über die im kommenden Jahr schließenden Firmen im Stuttgarter Umkreis sprechen. Überraschend viele Großfirmen entlassen mehrere tausend Mitarbeiter und erst gestern hat es auch mir einen Artikel über eine weitere Schließung angezeigt. Es ist nicht wirklich ein Thema das mich interessiert. Also schweige ich. 

Granatapfel [ II - 2019 ]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt