7. - Ein Feierabendbier im Pub

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Andy konzentrierte sich. Er ließ alle Konzentration durch seinen angespannten Körper laufen und sammelte sie in seinen Fingerspitzen. Seine Gedanken waren zur Ruhe gekommen. Er atmete langsam und gleichmäßig. Sein Stand war sicher und er fühlte nicht das kleine Muskelzucken das ihn störte. Seine Augen ruhten auf dem Ziel. Er maß nochmals die Entfernung ab und entließ langsam seinen Atem aus den Lungen. Seine Gedanken formten den genauen Weg zum Ziel. Er konnte es spüren. Er konnte den Treffer spüren. Er konnte nicht verfehlen. Als der Atem seine Lungen komplett verlassen hatte und er seinen Herzschlag spürte, wartete er noch einen Schlag ab. Bevor der nächste Herzschlag kommen konnte und bevor seine Lunge den Wunsch nach neuer Atemluft vermelden konnte. Er ließ seine Muskeln in einer schnellen Reaktion arbeiten, eine große Energiespitze die ihn durchzuckte und eine perfekte Bewegung schuf. Er atmete tief ein und grinste. Er hatte gewonnen.

Hinter ihm meldete sich auf einmal Roberts Stimme zu Wort: „Na Andy? Hast mal wieder ein Freibier gewonnen?" Andy drehte sich um und grinste seinen alten Freund an. „Na, das war doch ein perfekter Wurf." Der Dart steckte genau im Bullseye. Dann machte er einen großen Schritt auf Robert zu und umarmte ihn Freundschaftlich. „Sieht man dich auch mal wieder?" feixte Andy und klopfte dem Ork auf die Schulter. Robert antwortete: „Ja, ich bin in letzter Zeit ziemlich beschäftigt gewesen. Und hab da auch grade was am laufen." Er zwinkerte Andy zu.

„Na komm. Mir schuldet jemand noch ein Bier. Und deins geht auf mich!" er nickte dem fassungslosen Mann im Anzug zu. Dieser starrte immer noch auf die Schiebe. Andy hatte mal wieder langsam begonnen und am Ende erst seine Skills wirklich ausgepackt. Aber der Anzugträger zahlte brav für Andy, welcher Robert an die Bar zog. „Ich hab noch jemand dabei." sagte Robert und winkte Erin zu. Sie hatte seit dem Reinkommen in der Nähe der Türe gestanden. Sie war es nicht gewöhnt in richtige Pubs zu gehen. Und die Unsicherheit in ihrem Blick war sehr deutlich.

Andy winkte ihr zu. Kaum hatte sie die beiden Männer erreicht, da schüttelte Andy schon ihre Hand und sagte: „Hi, ich bin Andy. Schön Robert mal wieder in Begleitung zu sehen." Er lächelte sie an. Sie schaute etwas unsicher drein. „Erin. Bin ne Beraterin." Andy nickte und wandte sich dann wieder Robert zu. „Stimmt es das du Philipp geschnappt hast?" Robert nickte, während die drei sich setzten und Eileen ihnen drei Bier hinstellte. „Ja, der Kleine wird wohl ne Weile hinter Gittern bleiben." Andy grinste zufrieden. „Immerhin hat Linda jetzt begriffen was für ein Idiot er ist." Robert und er stießen mit den Gläsern an. „Leider zwei Jahre zu spät." sagte Robert schulterzuckend und sah dann Erin an.

Sie brauchte einen Moment, aber dann verstand sie das sie anstoßen sollte. Sie ließ die Gläser klingen und die drei gönnten sich einen großen Schluck. Andy wischte sich den Mund ab. „Also, Beraterin...?" Er sah Erin an. Sie nickte und war unschlüssig was sie antworten sollte. Andy schien nett zu sein, aber er war Roberts Freund und nicht ihrer. Was durfte sie ihm sagen? Roberts Komlink meldete sich mit einem der nichtssagenden Standartklingeltönen. Er schaute drauf und murmelte dann: „Es ist David. Ich muss dran gehen."

Er stand auf und Erin war mit Andy alleine. Naja, so alleine wie man an der Theke eines Pubs sein konnte. „Er ermittelt grade in einer Gegend wo ich mich gut auskenne." setzte sie zu einer Erklärung an. „Und bis morgen früh kommen wir da nicht weiter. Also hat er ich auf ein Bier eingeladen." Sie lächelte und nahm noch einen Schluck. Es schmeckte ausgezeichnet. Weit besser als das Billigbier das sie in ihrem Revier bekam. Andy sah Robert nach, der sich das Headset aufsetzte und mit David sprach. Er mochte David nicht sonderlich. Klar, er war ein guter Mensch und nahm keine Bestechungsgelder an. Aber er war so ein elender Familienmensch und konnte nie die Dienstmarke weglegen. Selbst wenn er hier mit ihnen was trank, er war immer bereit jemanden zu verhaften.

Er schaute Erin an und versuchte sie einzuschätzen. „Also dann ist da deutlich mehr dran. Er lädt niemanden einfach so hier her ein." Er ließ es sehr neutral klingen und lächelte dabei nur ein wenig. Einfach mal ihre Reaktion testen. Erin ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Es ist rein geschäftlich." beharrte sie. „Er bezahlt mich für mein Wissen über die Gegend und die Leute dort. Und vielleicht mach ich noch was mehr an Beinarbeit, aber das is noch nich raus." Andy nickte. Er war immer misstrauisch wenn jemand neues auftauchte. Aber bisher konnte er bei ihr nichts entdecken was seine Alarmglocken angehen lassen würde. Er strich sich durch die lichter werdenden, blonden Haare. „Roberts Freunde sind auch meine Freunde. Also, wenn er dich hierher mitnimmt, da kannst du dir was drauf einbilden. Wenn er dir nicht vertrauen würde, wärst du sicher nicht hier."

Der Sterbende ZeugeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt